Das erste Quartal ist für Mercedes nicht gut gelaufen. Allerdings war die Entwicklung erwartbar wegen Modellwechseln im Top-Segment. In den kommenden Monaten soll es aufwärts gehen. Außerdem ist der Diesel-Ärger in den USA wohl ausgestanden.
Der Mercedes-Stern strahlte im ersten Quartal nicht ganz so hell – die Umsatzrückgänge waren aber erwartet worden.
(Bild: Mercedes)
Mercedes-Benz hat wegen Problemen in den Lieferketten und Modellwechseln zum Jahresstart schwächer abgeschnitten als gedacht. Vor allem der Absatzrückgang bei den lukrativen Top-Modellen wie der S-Klasse fiel beim Gewinn im ersten Quartal ins Gewicht. Erst in der zweiten Jahreshälfte dürfte sich der Verkaufsmix wieder in Richtung teurere Autos verschieben und damit Schub liefern, wie es am Dienstag von den Stuttgartern hieß. Das Management um Chef Ola Källenius sah dennoch keinen Grund, von den Jahresprognosen abzurücken. Die Aktie gab vorbörslich leicht nach.
Finanzchef Harald Wilhelm sprach in einer Analystenkonferenz von einem „herausfordernden Quartal“. Der Umsatz im ersten Jahresviertel ging um 4,4 Prozent auf 35,9 Milliarden Euro zurück. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern sackte sogar um knapp 30 Prozent auf 3,86 Milliarden Euro ab. In der wichtigsten Sparte mit Pkw rutschte die um Sondereffekte bereinigte operative Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern um 5,8 Prozentpunkte auf 9,0 Prozent überraschend deutlich ab.
Das Management um Chef Källenius hatte bereits vor einem schwachen Start gewarnt. Der Absatzrückgang sowie Modellwechsel im lukrativen Top-Segment belasteten. Mercedes hat in den ersten drei Monaten 462.978 Pkw abgesetzt und damit 8 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, vor allem wegen eines schleppenden Laufs in Asien.
Verkaufspreise sind stabil
Die Preisdurchsetzung blieb zwar auf einem hohen Niveau. Weil Mercedes aber die Geländewagen der G-Klasse sowie die E-Klasse und den Kompakt-SUV GLC bei der Tuningsubmarke AMG erneuert, wurden weniger teure Autos verkauft. Zudem belasteten Lieferengpässe mit 48-Volt-Batterien, für die Mercedes bereits Besserung in Aussicht gestellt hatte. Das Absatzniveau sollte im ersten Quartal allerdings insgesamt den Tiefpunkt markiert haben, hieß es.
Das starke Ergebnis bei den Lieferwagen konnte die Schwäche im Pkw-Bereich nicht vollends kompensieren. Die Van-Sparte brummt zwar noch – sie trägt allerdings wegen ihrer Größe vergleichsweise wenig zum operativen Ergebnis des Konzerns bei. Für das Geschäft mit Sprinter und Co. hat Mercedes für den Jahresverlauf bereits eine schwächere Entwicklung vorhergesagt. Das erste Quartal biete dahin gehend ein komfortables Polster.
Unter dem Strich fuhr Mercedes mit 3,03 Milliarden Euro rund ein Viertel weniger Konzerngewinn ein. Die Jahresprognosen bestätigte der Autobauer. Es gebe nach wie vor eine gewisse Unsicherheit, hieß es vom Dax-Konzern. Bei den Pkw zeichne sich hinsichtlich der aktuellen Lieferengpässe bei den GLC- und E-Klasse-Modellen Entspannung ab und weitere Verbesserungen werden erwartet. In Europa sei die Stimmung insgesamt unverändert, während sich in China die Verfügbarkeit vor allem für die E-Klasse verbessern sollte.
In USA ist Diesel-Anklage vom Tisch
Mercedes-Benz entgeht in den USA einer strafrechtlichen Anklage im Dieselskandal. Das US-Justizministerium (Department of Justice/DOJ) hat seine Ermittlungen eingestellt, bestätigte der schwäbische Automobilkonzern am Samstag einen entsprechenden Bericht des „Handelsblatts“. Das knapp gehaltene DOJ-Schreiben liegt auch der Deutschen Presse-Agentur vor. Mercedes-Benz waren überhöhte Abgaswerte bei rund 250.000 Dieselwagen vorgeworfen worden.
„Mit der Entscheidung des DOJ machen wir einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung Rechtssicherheit in Zusammenhang mit verschiedenen Diesel-Verfahren. Wir haben vollumfänglich mit dem US-Justizministerium kooperiert und den Sachverhalt mit sehr hohem Aufwand transparent gemacht“, sagte Renata Jungo Brüngger, Vorständin bei Mercedes-Benz für Integrität, Governance und Nachhaltigkeit.
Seit April 2016 zog sich das Verfahren hin. Die Untersuchung des DOJ befasste sich mit potenziell kriminellem Verhalten von Mercedes-Benz-Mitarbeitenden oder -Vertretern in Bezug auf die Kalibrierung und Offenlegung von Funktionalitäten der Emissionskontrollsysteme von Dieselfahrzeugen, sagte ein Mercedes-Sprecher und erklärte, die Aufforderung, eine interne Untersuchung durchzuführen, sei ein übliches Verfahren von US-Strafverfolgungsbehörden bei potenziell illegalen Verhalten von Unternehmen.
„Wir haben 1,7 Millionen Dokumente bewertet, mehr als 70 Interviews mit aktiven und ehemaligen Mitarbeitern geführt und dem US-Justizministerium über 300.000 Unterlagen vorgelegt“, sagte Brüngger dem „Handelsblatt“. Im September 2020 hatte der Autobauer mit Vergleichen in Milliardenhöhe eine Sammelklage und zivilrechtliche Behördenverfahren in den USA 2020 beendet.
Stand: 08.12.2025
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