Fahrkarte nach Japan

Redakteur: Dipl.-Ing. Edgar Schmidt

In einem anspruchsvollen internationalen Wettbewerb in Österreich qualifizierte sich der deutsche Teilnehmer Thomas Holzmann für die Berufsweltmeisterschaft der Kfz-Mechatroniker.

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Acht Stunden harter Wettkampf, elf Aufgaben, elf Kontrahenten und fünf Sieger: Der fünfte „Euro-Cup“ forderte vollen Einsatz. Diesen Wettbewerb nutzen die Verbände des Kfz-Gewerbes aus der Schweiz, Österreich, Südtirol, Luxemburg und Deutschland, um ihre Teilnehmer an den „World Skills“, den internationalen Berufsweltmeisterschaften (IBW), zu ermitteln.

Bei dem Wettkampf, der im Februar 2007 in den Räumen des niederösterreichischen Wirtschaftsförderungsinstitutes in St. Pölten stattfand, war das Deutsche Kfz-Gewerbe mit zwei Aspiranten vertreten: Thomas Holzmann, Auszubildender der Toni Maurer GmbH im bayerischen Türkheim, und Thomas Rohde von der Maintenance Activity in Kaiserslautern.

Beide hatten als Auszubildende bereits im Jahr 2005 am Casting „Deutschland sucht den SuperAzubi“ in Hamburg teilgenommen und außergewöhnlich gute Leistungen gezeigt. Beim Bundesleistungswettbewerb 2006 in Frankfurt hatten sie dann ihre Leistung bestätigt. Die jeweils Erstplatzierten der „Deutschen Meisterschaft 2006“ der Kfz-Mechaniker und Kfz-Elektriker durften an der „kleinen Europameisterschaft“ nicht mehr teilnehmen, weil sie das Maximalalter für den IBW schon überschritten haben.

Sieger des Fünf-Länder-Cups wurde der Österreicher Markus Renz vor dem Schweizer Phillippe Allenbach. Mit einem dritten Platz sicherte sich Thomas Holzmann als bester deut-scher Teilnehmer das Ticket nach Japan. Thomas Rohde erreichte einen respektablen sechsten Platz.

Eurocup – Trainingscamp für den Nachwuchs

Besonders für Holzmann, der erst im Sommer seine vorgezogene Gesellenprüfung ablegen wird, war die Veranstaltung in Österreich eine hervorragende Möglichkeit, Wett-kampfpraxis zu sammeln. „Wir sehen den Eurocup als Trainingscamp für unseren Nachwuchs“, bestätigt Friedrich Nagl, Bildungsreferent des österreichischen Kraftfahrzeuggewerbes. „Die Jungs sind in einer fremden Stadt, in einer unbekannten Werkstatt und messen ihr Können mit unbekannten Kollegen aus verschiedenen Ländern. Das ist eine ideale Vorbereitung für die World Skills.“

Und diese Vorbereitung hatte es wahrlich in sich. Sechs anspruchsvolle Themenbereiche mit elf Aufgaben von der Motormechanik über die Fahrzeugelektrik und -elektronik bis zu Fahrwerk und Getriebe waren während des Wettbewerbs zu bewältigen. Organisiert hatte die acht schweißtreibenden Stunden die Bundesinnung der Kraftfahrzeugtechniker in Österreich. Die Veranstalter konnten in St. Pölten die hervorragend ausgestatteten Werkstätten des Wirschaftsförderungsinstitus zur Durchführung des Wettbewerbs nutzen.

Dreißig Minuten pro Aufgabe

Das Team um Werkstattleiter Alois Fitzka hatte die Anforderungen an die Teilnehmer ganz schön hoch gesteckt. Jede der elf Aufgaben war überaus verzwickt. An allen Stationen hatten die jungen Gesellen gerade einmal dreißig Minuten Zeit, die Aufgabe durchzulesen, sich mit den vorhandenen Testgeräten sowie den Reparatur- und Diagnoseunterlagen vertraut zu machen sowie die Fehler zu finden und zu dokumentieren.

Um wirklich die Besten aus dem gut ausgebildeten Teilnehmerfeld selektieren zu können, waren die Aufgaben bewusst schwer gewählt, sodass es fast unmöglich war, jede Aufgabe in der zur Verfügung stehenden Zeit komplett zu lösen. Deshalb bewertete die Jury primär auch nicht die Zahl der gefundenen Fehler, sondern den Weg der Fehlersuche sowie den Umgang mit den Unterlagen und Testgeräten. Denn die richtige Diagnosestrategie ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die Arbeit im Kfz-Gewerbe.

Als eine schwere Hürde für die meisten Teilnehmer entpuppte sich der Motortest an einem Benzinmotor sowie die Diagnose und das Einstellen der Motorsteuerung. Für diese Aufgaben erzielten sie im Durchschnitt nicht einmal ein Drittel der möglichen Punkte. Gut kamen die Autofachmänner dagegen mit dem Dieselmotor zurecht. An diesem Aggregat holten sie im Durchschnitt rund 70 Prozent der möglichen Punkte.

Die Besten der Besten im Wettbewerb

Ein wenig ist der Eurocup wie Olympia: Schon die Teilnahme zählt als besondere Auszeichnung. Denn alle teilnehmenden Kfz-Gesellen sind die besten ihres Landes. Zum Teil entschied allein die Tagesform über Sieg oder Platzierung. Thomas Holzmann hatte sich intensiv mit Berufsschullehrer Klaus Romeis von der Johann-Bierwirth-Schule in Memmingen auf den Wettkampf vorbereitet. „Ich möchte mich besonders bei Herrn Romeis bedanken“, betont Holzmann, „denn er hat an einigen Samstagen mit mir die Themen Getriebetechnik und Diagnose trainiert.“ Außerdem erhielt Holzmann Unterstützung von der Kfz-Innung Augsburg sowie von seiner Berufsschule in Mindelheim.

Für die Organisation des Wettbewerbs ernteten die Österreicher von den Vertretern der jeweiligen Kfz-Verbände großes Lob. Die Räume in St. Pölten boten den Teilnehmern optimale Voraussetzungen für einen fairen Wettbewerb. Das unterstreicht auch Ingo Meyer, ZDK-Geschäftsführer für den Bereich Aus- und Weiterbildung: „Unsere Kandidaten waren das erste Mal auf internationalem Boden mit ihrem Können gefordert. Sie standen auf einem angenehmen und kollegialen Boden hier in Niederösterreich.“

Übrigens hätte sich das Team Österreich beinahe selbst ein Bein gestellt. Denn erst am Vortag der Veranstaltung, an dem alle Teilnehmer zur Besichtigung von Würth Österreich, einer Stadtrundfahrt in Wien und dem Besuch des Technischen Museums in Wien eingeladen wurden, stellte Nagel fest, dass man vergessen hatte, die österreichischen Teilnehmer einzuladen.

Diese Scharte meisterten die Gastgeber jedoch mit einer bewundernswerten Gelassenheit sowie der nötigen Portion Humor und holten ihre Teilnehmer pünktlich zum Wettkampfbeginn nach St. Pölten. Geschadet hat es Markus Renz und Andreas Kalteis nicht, schließlich belegten sie trotzdem die Plätze eins und sieben.

Die weitere Vorbereitung auf die IBW absolvieren die Teilnehmer der fünf an dem Wettbewerb beteiligten Länder gemeinsam. Dazu organisiert der ZDK Vorbereitungskurse in den Kundendienstschulen der Fahrzeughersteller und Zulieferer. Beim IBW in Japan werden rund 600 Jugendliche aus 39 Berufen und über 35 Ländern teilnehmen.

Die Aufgaben dauern jeweils drei Stunden und sind noch einmal erheblich schwieriger als beim Eurocup. Doch mit den Erfahrungen aus Österreich und der weiteren Vorbereitung stehen die Chancen für einen Platz auf dem Siegertreppchen für einen der fünf aus dem Wettbewerb in St. Pölten qualifizierten IBW-Teilnehmer gar nicht schlecht.

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