40 Jahre nach der Premiere des Renault Espace sind Vans bei uns out. Doch weil die Superreichen in China lieber Großraum- als Luxuslimousine fahren, stehen sie womöglich auch bei uns vor der Rückkehr.
Vans sind nicht nur Familien-, sondern zunehmend auch Luxus-Autos.
(Bild: www.weigl.biz)
Elon Musk darf mit Rückendeckung Donald Trumps weiter vom Mars träumen, Jeff Bezos fliegt Touristen durch die Stratosphäre und die Asiaten drängen wieder auf den Mond – 64 Jahre nach dem ersten bemannten Flug in die Schwerelosigkeit ist die Raumfahrt wieder schwer in Mode. Zumindest im All. Auf Asphalt dagegen haben die Raumfahrer einen üblen Absturz erlebt: Nachdem vor ziemlich genau 40 Jahren mit dem Renault Espace und dem Chrysler Voyager ein Höhenflug für Großraumlimousinen begonnen hat, interessiert sich für Autos wie den VW Touran, den Opel Meriva oder den Ford Galaxy keiner mehr.
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Der Voyager ist mit Chrysler aus Europa verschwunden und der Espace hat genau wie sein kleiner Bruder Scenic nur als SUV überlebt. Denn längst haben die möchtegern-Geländewagen die Grußraumlimousinen vom Markt gefegt und nur die aufgehübschten Varianten von Lieferwagen wie dem Mercedes Vito, dem VW Transporter oder dem Renault Kangoo stemmen sich als preiswerte Pampersbomber gegen den Trend.
Während sich die letzten Großraumlimousinen in Europa, von den Edelvarianten von V-Klasse und VW Multivan oder ID.Buzz einmal abgesehen, sich also allenfalls über das günstige Verhältnis von Platz und Preis verkaufen, sieht das in Asian ganz anders aus: Weil im Stopp-and-Go auch kein V12-Motor hilft, suchen die Reichen und wichtigen in Shanghai, Seoul oder Tokio den wahren Luxus nicht in den PS, sondern im Platz und lassen sich deshalb immer öfter in der Großraumlimousine durch die Rushhour chauffieren:
Chinas Luxus-Vans greifen nach Europa
Denn im Dauerstau der Mega-Metropolen ist Performance nebensächlich. Stattdessen geht es um Platz und Privatsphäre und darum, die im Verkehr verlorene Zeit möglichst gewinnbringend oder zumindest unterhaltsam zu nutzen. Und da sind die asiatischen Vans der Oberklasse herkömmlichen Luxuslimousinen völlig überlegen, sagt Automobilwirtschaftler Ferdinand Dudenhöffer. „Sessel wie in der Business-Klasse von Langstreckenfliegern, Bildschirme grösser als in manch einem Wohnzimmer, da können weder Mercedes und BMW noch Rolls-Royce oder Bentley mithalten“, urteilt der emeritierte „Autopapst“: „Von der Beinfreiheit und dem bequemen, weil aufrechten Zustieg ganz zu schweigen.“ Und selbst an Prestige herrscht kein Mangel, wenn sich die Vans nur mit genügend Glanz und Chrom vom Nutzfahrzeug abheben.
Auf dem Weg nach Westen wollen vor allem die chinesischen Hersteller diesen Trend jetzt auch bei uns wiederbeleben. Denza liebäugelt deshalb zum Beispiel mit dem Export des D9, Dongfeng hat den Vertrieb des Voyah Dream bereits angekündigt und Geely steht mit dem Volvo EM90 und dem baugleichen Zeekr 009 ebenfalls in den Startlöchern. Und Toyota, mit dem Alphard in Asien erste Wahl, hat mit dem Lexus LM bereits den ersten Schritt gemacht und in Europa aktuell das einzige Angebot in dieser Liga.
Ob die Rechnung aufgeht? Daran hat Arthur Kipferler, Partner beim Münchner Strategieberater Berylls by Alix Partners so seine Zweifel. Zwar sei dieses Segment in Asien anders als in Europa nie verschwunden gewesen. „Es hatte vor allem durch die Vielzahl an Executive-Shuttles in den großen Städten, ganz analog zu den ‚Towncars‘ und ‚Black Cars‘ in New York oder London immer seinen Markt“, sagt der Experte. „Nur, dass die Asiaten eben auf einen anderen, viel geräumigeren und bequemeren Fahrzeugtyp gesetzt und auf der Pkw-Basis geräumige Vans statt flacher Limousinen gebaut haben.“ Damit hätten die Asiaten einen deutlichen Vorteil gegenüber dem Rest der Welt errungen: „Diese Autos waren stets viel komfortabler als die vom Nutzfahrzeug abgeleiteten Passenger-Vans aus Europa oder den USA.“
Fehlende Konkurrenz aus Deutschland
Anzeichen für ein Comeback der Raumfahrt mit asiatischen Luxusvans sieht er allerdings wenige. „Ob solche Autos in Europa durchstarten können, ist für mich noch völlig offen“, sagt der Experte: „Ein Launch-Event und ein Media-Drive sind ja noch kein Markterfolg.“
Bei den Modellen von Leapmotor-, Xpeng oder Zeekr stehe das (Kosten-)Handicap der China-Strafzölle im Wege. Und dem Lexus fehle es im Vergleich zu VW Multivan und V-Klasse an Marken- und Vertriebskraft. Und selbst gewerbliche Fahrdienste fielen als große Kundengruppe aus: „Die Uber-Fahrer nutzen überwiegend günstigere Gebrauchtfahrzeuge, und die gibt es von den Newcomern noch nicht“. Für Kipferler bleiben deshalb Familien als potenzielle Kunden, so wie wir es von Renault Espace, VW Sharan & Ckannten. „Aber die sehe ich inzwischen zu fest im SUV-Lager verortet, zumal dort auch ausreichend große Fahrzeuge zu günstigeren Preisen verfügbar sind.“
Stand: 08.12.2025
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Selbst wenn die Raumfahrer also nur schwerlich wieder an Höhe gewinnen sollten, hat zumindest bei den heimischen Herstellern ein Umdenken bekommen – schließlich haben sie es mit ihren Limousinen und Elektro-SUV in Asien gerade schwer genug und der anschwellenden Van-Welle so gar nichts entgegen zu setzen. Denn Audi und BMW haben gar keinen Van und die Mercedes V-Klasse ist ein mit reichlich Lack und Leder veredeltes Nutzfahrzeug, das seine Herkunft vom Kleinlaster nur kaschieren, aber nicht verhehlen kann. Wenn Lexus & Co tatsächlich die First Class aus dem Langstrecken-Flieger imitieren, reicht es beim Benz derzeit allenfalls für die innereuropäische Business-Klasse. Und beim VW-Doppel als T7 und ID.Buzz sucht man nach derartigem Luxus bislang völlig vergebens.
Dabei lernen die deutschen Hersteller gerade, dass es bei den Großraumlimousinen gar nicht luxuriös genug sein kann. Zwar haben die Schwaben ihre V-Klasse und deren elektrischen Vetter EQV gerade gründlich geliftet und dabei mit mehr Lametta denn je behangen. Außerdem bereiten sie auf Basis einer neuen Elektro-Architektur Van.EA schon den Nachfolger vor, der zur Premiere in einem Jahr nach noch eine Nummer vornehmer werden soll. Doch vielen Fahrdiensten ist das offenbar zu wenig und noch zu lange hin: Überall in Asien oder sieht man die V-Klasse deshalb bereits mit Nadelstreifen-Grill und Pullmann-Ausstattung als Maybach - nur dass Mercedes damit gar nichts zu tun hat.