Fit und ausgeruht auf der Straße
Standklimaanlagen sorgen im Fahrerhaus für angenehme Temperaturen und halten die Kondition des Fahrers während der ganzen Fahrt auf einem hohen Niveau.
Um die Kondition des Fahrers während der ganzen Fahrt auf einem hohen Niveau zu halten, braucht er einen ergonomisch und raumklimatisch guten Arbeitsplatz. Studien belegen, dass Fahrfehler und Unfälle stark zunehmen, wenn die Temperatur im Fahrzeug auf über 27 C ansteigt.
Ein hoher thermischer Komfort ist aber nicht nur während der Fahrt wichtig, sondern auch bei gewollten und ungewollten Fahrtunterbrechungen. Besonders notwendig ist er in den Ruhepausen, weil sonst der Erholungswert geschmälert wird. Vor allem trifft das auf die Schlafphase zu, denn ein unausgeschlafener Fahrer ist eine Gefahr für sich und andere Verkehrsteilnehmer.
Ein guter Klimakomfort im Fahrzeug erfordert mehr als nur eine Fahrklimaanlage. Denn im Sommerhalbjahr ist es sowohl am Tag als auch in der Nacht häufig sehr warm in der Kabine, zudem heizt auch der abgestellte Motor noch eine Weile nach. Und tagsüber bei direkter Sonneneinstrahlung in die Kabine heizt sie sich oft auf sehr hohe Temperaturen auf.
Verantwortlich dafür sind neben der Sonneneinstrahlung die Außentemperatur und die Motorabhitze. Wie belastend diese Temperaturen für den Fahrer dann tatsächlich sind, hängt auch von der Luftfeuchtigkeit ab. Je höher die Luftfeuchtigkeit, desto unerträglicher empfindet der Mensch die Temperatur und desto stärker wirkt sie sich auch physiologisch aus. Denn bei steigender Luftfeuchtigkeit gelingt es dem Körper immer weniger, sich durch Schweißverdunstung zu kühlen. Die Folge: Die 80 Prozent der Fernverkehrsfahrer, die nicht über eine Standklimaanlage verfügen, lassen in den Pausen häufig den Motor weiterlaufen, um die Klimaanlage in Betrieb zu halten. Nach Paragraf 30 StVO ist das unnötige Laufenlassen des Motors im Stand zwar verboten, es wird aber nach Auskunft des Bundesverbands Güterkraftverkehr und Logistik „durchaus gemacht“.
Kälte per Strom
- Um den Brummi-Fahrern ein so angenehmens Klima wie möglich zu verschaffen, hat Behr Standklimaanlagen entwickelt und sich dabei folgende Ziele gesteckt: Die Stromaufnahme so zu verringern, dass der Betrieb mit einem Batteriesatz möglich ist.
- Für den Nachrüstmarkt den Einbau in vorhandene Dachöffnungen ermöglichen.
- Die Anforderungen zum Einbau bei Fahrzeugherstellern zu erfüllen, und zwar hinsichtlich Qualität, Dauerhaltbarkeit und Zuverlässigkeit sowie Integration in die Bedienarchitektur.
Diese Entwicklungsziele vereint die elektrische Standklimaanlage mit Kältespeicher. Sie gibt es als Dachklima- und Rückwandanlage. Beide Anlagen werden vollständig in das Fahrzeug integriert und ersetzen die herkömmliche Fahrklimaanlage.
Es handelt sich um Systeme mit Sekundärkreislauf: Ein konventionell betriebener Kältekreislauf kühlt in der Aufladephase in einem Verdampfer einen flüssigen Kälteträger stark ab. Dieser Kälteträger kühlt sowohl den Kühlkörper im Klimagerät als auch den Inhalt des Kältespeichers, der dabei gefriert. Der Kühlkörper ersetzt den konventionellen Verdampfer im Klimagerät; er kühlt die Kabinenluft während der Fahrt und bei Fahrtunterbrechungen. Bei der Standklimatisierung ist der Kältekreislauf im Ruhezustand. Durch den zirkulierenden Kälteträger wird die Wärme aus der Fahrzeugkabine langsam in den Kältespeicher verlagert, in dem sich dann der gefrorene Inhalt des Kältespeichers verflüssigt. Die Anlage mit Kältespeicher ist in Serie in den schweren Nutzfahrzeugen TGA und dem neueren TGX von MAN im Einsatz.
Alles in einem Paket
Eine Dachklimaanlage besteht aus einem elektrisch betriebenen konventionellen Kältekreislauf, der im Wesentlichen aus Kompressor, Kondensator mit Lüfter, Sammler, Gebläse und Verdampfer mit Expansionsorgan besteht. Diese Komponenten sind in einem Modul untergebracht, das in die Dachlukenöffnung des Fahrzeugs hineinragt. Im Inneren der Kabine gibt eine Sichtblende lediglich den Blick auf die Lufteinlass- und Luftauslassöffnungen sowie die Bedieneinheit frei.
Die Anlage wird mit Umluft betrieben. Die Steuerung der Frischluftzufuhr wird in die Regelung der Fahrklimaanlage integriert. Zur elektrischen Versorgung muss neben den Starterbatterien ein zusätzlicher Batteriesatz, zum Beispiel Blei-Gel-Batterien, im Fahrzeug vorhanden sein. Denn laut Behr sind herkömmliche Starterbatterien für den Betrieb von Standklimaanlagen nicht wirklich geeignet, da sie für die Abgabe von hohen Strömen in kurzer Zeit ausgelegt sind. Die Standklimaanlage muss aber über mehrere Stunden mit Strom versorgt werden. Bei einem neunstündigen Betrieb entleert sich diese Batterie fast vollständig, muss also wieder aufgeladen werden. Die Kapazität einer Starterbatterie würde sich bei häufigen Be- und Entladungen schnell auf nur noch 36 Prozent verringern.
Für eine Rückwandanlage lassen sich mit einigen kleineren Änderungen die gleichen Komponenten wie für die Dachanlage verwenden: Verdampfer und Expansionsorgan, Kompressor, Gebläse, Kondensator mit Lüfter. Die Rückwandanlage ist relativ leicht zu installieren, da sie nur aus einem Modul besteht, das in den Kabinenraum mit den Lufteinlass- und Auslassöffnungen und der Bedieneinheit hineinragt. Die Montageschnittstelle wird mit einer Sichtblende abgedeckt.
Standklimaanlagen haben nach Angaben von Behr ein großes Marktpotenzial, vergleichbar mit dem von Standheizern, die in fast 100 Prozent der Fernverkehr-Lkw vorhanden sind. Die elektrischen Anlagen von Behr decken das geforderte Leistungsspektrum ab und bieten eine hohe Kälteleistung. Beide Anlagen, die Dachanlage wie die Rückwandanlage, sind für die Erstausrüstung und für die Nachrüstung geeignet.
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