Mitsubishi ASX vs. Nissan Juke Frech oder lieber seriös?

Von sp-x 4 min Lesedauer

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Wie unterschiedlich automobile Geschwister sein können, zeigt das Pärchen Mitsubishi ASX und Nissan Juke.

Zwillinge – und doch so verschieden.(Bild:  Mario Hommen)
Zwillinge – und doch so verschieden.
(Bild: Mario Hommen)

Baukastenprinzip, Gleichteilestrategie und Antriebs-Allianzen: Moderne Autos werden sich markenübergreifend immer ähnlicher. Dass man auch beim Griff ins gleiche Konzernregal charakterlich vollkommen eigenständige Autos bauen kann, zeigt das ungleiche Pärchen Nissan Juke und Mitsubishi ASX.

Die internationalen Verflechtungen der Autoindustrie sind komplex und ständig im Wandel. Vielen Autofahrern dürfte bewusst sein, dass Nissan und Renault seit Jahren eine enge Kooperation unterhalten. Dass auch Mitsubishi seit 2016 zu dieser Allianz zählt, ist möglicherweise weniger geläufig. Aller drei Marken können auf einen gemeinsamen Technik-Pool zurückgreifen, zu dem unter anderem die sogenannte CMF-B-Plattform zählt. Fahrwerk, Strukturteile, Elektrik und Elektronik kommen damit aus dem gleichen Baukasten. Auch die Bandbreite der Antriebsoptionen ist vorgegeben. Beide hier verglichene Modelle nutzen beispielsweise einen Vollhybrid, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung.

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Nissan betont Design über Funktionalität

Augenfälliger als die Gemeinsamkeiten sind aber die Unterschiede. Der Nissan gibt in dem Duo den extrovertierten Charakterdarsteller. Kurzer Überhang, muskulöse Flanken, Vier-Augen-Gesicht – der Crossover setzt auf Bühnenpräsenz statt Nutzwert. Das ist auch im Innenraum der Fall: wie im Sportwagen sitzt der Fahrer vom Cockpit eng umschlossen, der dunkle Dachhimmel und die verbindlich geschnittenen Sitze erzeugen eine beinahe coupéhafte Atmosphäre. Platz ist vorne ordentlich vorhanden, hinten und im Kofferraum aber knapp – unter dem abfallenden Dach wird es über den Köpfen eng, das Gepäckabteil wirkt im Vergleich zur Klassennorm bescheidener.

Der Mitsubishi verfolgt den gegenteiligen Ansatz: weniger Attitüde, mehr Alltagsnutzen. Mit deutlich mehr Platz vor allem im Fond, frischer Front und sauberer Verarbeitung gibt der ASX den modernen, unaufgeregten Begleiter. Vorn sitzt man luftig, die Bedienung ist aufgeräumt, das Android-basierte Infotainment (ab „Edition“) arbeitet intuitiv. Hinten bleibt die Kopf- und Beinfreiheit klassentypisch, der Kofferraum punktet mit variablem Ladeboden und guter Nutzbarkeit. Das Raumgefühl insgesamt ist deutlich großzügiger als im Nissan, obwohl der Mitsubishi gerade einmal zwei Zentimeter länger ist. Weiteres Plus: Das modernere Infotainmentsystem mit Android-Software und großem Touchscreen, das Mitsubishi vom Schwestermodell Renault Captur übernommen hat.

143-PS-Hybrid im Juke zeigt Schwächen

Auf der Straße transportiert der Juke seinen sehnigen Look schlüssig: Die Abstimmung ist straff, aber nicht unkomfortabel, auf Landstraße und Autobahn passt das richtig gut; in der Stadt profitiert er vom spontanen Antritt des Hybrids. Dessen 105 kW/143 PS Systemleistung reichen völlig, der Antrieb fährt im Stop-and-Go erstaunlich oft elektrisch und bleibt dann leise. Beim Beschleunigen und bei höherem Tempo wirkt die Arbeitsteilung aus zwei E-Maschinen und dem 1,6-Liter-Benziner aber nicht immer homogen. Außerorts fehlt es dem Juke zudem an Durchzug – das sportliche Versprechen der Designer kann er so nur bedingt einlösen. Der Hybrid ist hier insgesamt weniger auf Dynamik als auf Effizienz getrimmt: Unterm Strich sind 5 bis 6 Liter im Alltagsmix realistisch, Vielfahrer mit hohem Autobahnanteil sehen aber eher eine 7 vor dem Komma

Trotz gleicher Arbeitsweise und Auslegung mit zwei E-Motoren und einem Verbrenner zeigt der Antrieb bei Mitsubishi einen anderen Charakter. Der Vollhybrid nutzt einen 1,8-Liter-Benziner und ist daher mit 116 kW/158 PS nicht nur den Zahlen nach kräftiger als im Nissan, sondern wirkt auch spürbar souveräner und ermöglicht flotteres Vorankommen. Wer viel Autobahn fährt, dürfte die souveräne Reserve des ASX schätzen. Allerdings leidet auch er unter ähnlichen Schwächen beim Zusammenspiel beider Antriebsquellen. Vor allem neigt die komplexe Steuerlogik dazu, den Verbrenner immer wieder beim hörbar hochzudrehen, um zwischendurch die Batterie zu laden. Wie beim Nissan gilt: Vor allem im Stadtverkehr spielt das System seine Effizienz aus, im Gesamtschnitt sind rund 6 Liter plausibel. Fahrwerksseitig gibt sich der Mitsubishi etwas straffer als nötig – Unebenheiten werden klar gemeldet –, dafür liegt er auf der Autobahn satt.

Juke startet günstiger, ASX bietet mehr Serie

Preislich hat der Juke die Nase leicht vorn. Die Hybridvariante startet bei 29.750 Euro, während Mitsubishi 30.490 Euro verlangt. Der Juke kommt in der Basisversion „Acenta“ mit 12,3-Zoll-Touchscreen, LED-Licht, Rückfahrkamera und den gängigen Assistenzsystemen. Beim ASX bietet bereits „Plus“ viel Alltagsausstattung inkl. Klimaautomatik, Sitzheizung vorn, Keyless, abgedunkelten Scheiben, Rückfahrkamera und verschiebbarer Rückbank. In beiden Fällen gilt: Das Basismodell ist ordentlich bestückt, trotzdem muss man noch Ausstattungskompromisse machen und etwa auf Leichtmetallfelgen verzichten. Während sich der Nissan auch teils über Pakete oder Einzelextras optimierten lässt, muss man bei Mitsubishi direkt die nächsthöhere Ausstattungslinie wählen – und unter Umständen für Extras zahlen, die man gar nicht will. Immerhin: viele Wünsche lässt der ASX ab Stufe zwei („Edition“, ab 34.790 Euro) nicht mehr offen.

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Wie bei der menschlichen können auch in einer automobilen Familie die einzelnen Mitglieder ganz unterschiedliche Charaktere entwickeln. Der Nissan Juke ist der freche City-Crossover für Singles oder Paare, flink im Antritt, aber nicht der Praktischste. Mitsubishis ASX ist der Gesetztere der beiden, taugt auch als Familienauto und absolviert lange Touren etwas souveräner.

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