Die Kraftübertragung auf die Vorderräder erfolgt über nur eine Übersetzung. Die Fahrzeugcharakteristik kann über einen Schalter modifiziert werden: Im „Economy“-Modus tritt der Hochdach-Kombi etwas verhaltener an, verfügt aber über eine Kickdown-Funktion, mit der das volle Drehmoment abgerufen werden kann. Ist der „Sport“-Modus gewählt, geht es jederzeit mit großem Nachdruck zur Sache. Den Michelin-Primacy-Reifen der Größe 225/50 R 17 dürfte dann – zumindest an der Vorderachse – nur eine bescheidene Lebensdauer vergönnt sein.
Der Rekuperationsgrad ist über Schaltwippen am Lenkrad individuell einstellbar – von sanftem Ausrollen bis zu spürbarem Verzögern, wenn der Fahrer den Fuß vom Akzelerator nimmt. Darüber hinaus gibt es eine automatische Funktion, die den Verkehr vor der B-Klasse überwacht und je nach Geschwindigkeit der vorausfahrenden Fahrzeuge mehr oder weniger stark rekuperiert.
Während die im Vergleich zum Nissan Leaf und auch zum weniger drehmomentstarken BMW i3 überlegene Längsdynamik das Zeug dazu hat, auch Skeptiker zur E-Mobilität zu konvertieren, leidet die Querdynamik unter dem hohen Gewicht und der eher komfortbetonten Auslegung der B-Klasse. Auf kurvigen Landstraßen empfiehlt sich ein zurückhaltender „Gas“-Fuß – schon deshalb, um die Leistung nicht am kurveninneren Vorderrad spektakulär verrauchen zu lassen. Übrigens arbeitet der Elektroantrieb flüsterleise – keinesfalls eine Selbstverständlichkeit.
200 Kilometer Reichweite
Mit einer Reichweite von rund 200 Kilometern im europäischen Zyklus ist die elektrische B-Klasse für viele Nutzerszenarien gut gerüstet. selbst bei forcierter Fahrweise dürften 140 Kilometer gut zu schaffen sein. Dann muss der Mercedes wieder an die Ladesäule – an einer 400-Volt-Steckdose dauert es anderthalb Stunden, bis der Akku wieder voll ist. Eine Alternative dazu existiert nicht: Im Gegensatz zu BMW bieten die Stuttgarter keinen Range Extender an, der im Notfall als Generator fungiert. Dafür lässt sich die Reichweite erhöhen, indem die „Range-Plus“-Funktion vorgewählt wurde. Dann wird die Ladekapazität der Batterie erhöht, es stehen gut 25 Kilometer extra zur Verfügung.
Weil es sich bei den Käufern von Elektroautos meist um besonders technikaffine Menschen handelt, lassen sich verschiedene Fahrzeugfunktionen auch über Computer und Mobiltelefon des Besitzers steuern und kontrollieren. So kann der Ladezustand abgerufen und die Fahrgastzelle vorklimatisiert werden – ein Plus an Komfort, das kein konventionell angetriebenes Auto so einfach ermöglicht.
Den systembedingten Nachteilen elektrischer Autos kann auch die B-Klasse Electric Drive nicht abhelfen. Doch sie bietet im Gegenzug ein gegenüber den Verbrennern nochmals erhöhtes Komfortniveau – und ein unerwartet hohes Maß an Fahrspaß. Ob die visionäre Kundschaft dann ihre Kaufentscheidung – wie beim BMW i3 – ostentativ zur Schau stellen möchte oder sie lieber – wie bei der B-Klasse – inkognito genießt, ist eine der vielen momentan noch offenen Fragen um die Elektromobilität.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung dieses Beitrags wurde der Preis des BMW i3 indirekt auf 40.000 Euro veranschlagt. Der Autor war bei diesem Wert von einem mit einem durchschnittlich ausgerüsteten i3 ausgegangen, also mit Navigationsgerät, Ladekabel etc.
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