Gefahren: Porsche 911 S 2.2 Targa 1970

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Das Cockpit ist mit den fünf Uhren bestückt. In der Mitte der Drehzahlanzeiger, daneben der Tacho und ein paar Anzeigen für Wassertemperatur, Öldruck, ganz rechts die Uhr und ganz links die Treibstoffanzeige. Das winzige Radio spielt keine Rolle, die Sitze werden per Hebel entriegelt und dann nach hinten geschoben. Die Spiegel stellt man manuell ein. Die Kurbeln für die Türfenster werden später wichtig.

Die Ampel im Kreisel neben dem Museum schaltet auf grün, der Elfer darf los und das erste Mal in den Zweiten. Der Motor läuft so ruhig und sauber wie die oft zitierte Nähmaschine, man könnte ein feines Muster in den Asphalt zaubern. Bis zur nächsten Ampel findet sich sogar der dritte Gang. Auf den ersten Kilometern werden Drehzahlen wirklich zaghaft erreicht, früh schalten, Rücksicht auf das Alter nehmen, den Motor erst warm laufen lassen. Zwei- maximal Dreitausend werden dem Sechszylinder zugemutet.

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Die Bremsen verzögern sauber, das leichte Spiel der Lenkung ist kein Problem. Auf der Autobahn schrumpft der 911, der SUV hinter uns reißt das Maul auf als wolle er den Klassiker verschlingen. Der Porsche rennt im fünften Gang vornweg und kann entkommen, nie war die Mittelspur wertvoller. Autobahnen sind im Jahr 2016 kein Revier für einen filigranen Klassiker wie den Urelfer.

Landstraßen sind unsere Bühne, das leichte Auf und Ab rund um Stuttgart. Links und rechts der Straße sitzen Menschen an ihren Schreibtischen, Handwerker bauen Gerüste oder decken Dächer. Und auf dem Asphalt, ein paar Meter daneben, tanzt das Resthaar auf der Stirn, die Sonnenbrille vibriert auf der Nase, unter der Kopfhaut springen Erinnerungen hin und her.

Kumpanei zwischen Auto und Fahrer

So also fühlt sich das an. Leicht, mühelos, kraftvoll, fein und klar. Jeder Zentimeter der Straße wird aufgesogen, der Motor brüllt, mit Zwischengas runter schalten, vor jeder Kurve leicht anbremsen, im Scheitelpunkt beschleunigen, immer ein wenig schneller, mutiger, lauter. Der Porsche wächst mit dem Fahrer zu einer Art Kumpanei zusammen. Das Lenkrad ist der Freundschaftsring, der Schalthebel die direkte Verbindung zum Getriebe, das Bremspedal der Engel auf der Schulter. Wer ihn zu arg tritt, bekommt Ärger, wer ihn ignoriert hat ein Problem. All´ das zusammen ist eine Wonne.

Nach gut drei Stunden stellt sich ein Gefühl echter Verbundenheit ein. Porsche und Mensch sind eins. Der Klang des Motors wird zur Musik, den Takt gibt der Gasfuß vor. Die rechte Hand lässt den Schalthebel fast von selbst in die richtige Position laufen, alles ist im Fluss. Nach jeder Kurve dieses Grinsen, das man spürt und gerne sehen würde. Und genau das haben wir uns als Jungs so vorgestellt. Grinsen mit dem ganzen Körper. Morgens einsteigen, zur Arbeit fahren und den Feierabend mit einem Grinsen beginnen.

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