Genf-Rückschau: Wie 68er die Autowelt veränderten

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Tatsächlich trafen sich fast alle Topmanager der Autoindustrie auf Schweizer Boden, um einheitliche internationale Sicherheitsvorschriften zu fordern. Wie wichtig das damals war, verdeutlichte die unfassbar hohe Zahl von fast 20.000 Verkehrstoten im Jahr allein auf deutschen Straßen. Noch ein weiteres globales Reglement wurde 1968 durch die Industrievertreter angeregt: Die Reinigung der Autoabgase. Wenig später hatten die Hersteller ihr Postulat aber schon vergessen, wie der Widerstand gegen europäische Emissionsvorschriften bewies.

Protest-Autos gegen die Anpassung

Während in Berlin die Kommunarden Rainer Langhans und Fritz Teufel vor Gericht standen, zeigten sich in Genf frische Protest-Vehikel für alle nicht angepassten Studenten und Intellektuellen. Der Citroën 2 CV feierte seinen 20. Geburtstag mit dem feiner ausstaffierten Schwestermodell Dyane und mit dem puristischen Méhari mit Plastikkarosserie. Als offener Strandwagen trat der Méhari gegen die VW Buggies an – und den von Renault eilig nachgelegten R4 Plein Air. Bürgerlich-bieder gab sich hingegen der Escort, Ford Europas erster Kleinwagen mit kuriosem Kühlergrill in Hundeknochenform. Unter der Haube loderte beim Escort aber das Feuer der Revolution, zumindest in starker Twin-Cam-Spezifikation, die sich auf Rallye-Pisten vorzugsweise mit dem Porsche 911 duellierte.

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Überhaupt war Tempo damals wichtig wie noch nie. „Die Welt ist voller Geschwindigkeitsbegrenzungen. Warum wird der Porsche 911 dann jetzt noch schneller?“, fragten die Zuffenhausener Werbetexter. „Der 911 S … ist schnell, wo es lebenswichtig ist: beim Überholen“, lautete die Antwort. Tatsächlich beschäftigten Beschleunigungswerte erstmals auch Fahrer braver Limousinen. So überraschte die distinguierte Mercedes S-Klasse mit wilder Muscle-Car-Power. Ein 184 kW/250 PS kräftiger 6,3-Liter-V8 machte aus dem 300 SEL Deutschlands schnellste Serienlimousine - die 6,5 Sekunden für den Null-auf-Hundert Sprint bedeuteten für Viertürer sogar Weltrekord. Bei den kompakten Zweitürern war es der BMW 2002, der gewohnte Hierarchien auf den Kopf stellte. Mit einem 2,0-Liter-Vierzylinder konnte der 940 Kilogramm leichte Münchner schnelle Sportwagen vor sich hertreiben. „Tempo und Tempus fugit“, kommentierte ein deutsches Medium diese flüchtige Zeit.

Wichtige Genfer Messepremieren und Innovationen 1968:

Abarth (Italien) mit Abarth 1000; Alfa Romeo (Italien) mit Alfa Romeo 1750; Audi (Deutschland) mit Audi 60; Autobianchi (Italien) mit Autobianchi Primula Schrägheck und Coupé; Austin (Großbritannien) mit Austin 3 Litre; Bertone (Italien) mit Bertone 3000 Panther; BMW (Deutschland) mit BMW 2002, BMW 1600 GT (nationales Debüt); Citroën (Frankreich) mit Citroën 2 CV „20 Jahre“, Citroën Dyane (national), Citroën Méhari; CG (Frankreich) mit CG Spider 1000; Daf (Niederlande) mit Daf 55 Limousine, Daf 55 Coupé; Nissan/Datsun (Japan) mit Datsun 1600 (Europapremiere); Fiat (Italien) mit Fiat 850 Coupé Facelift, Fiat 850 Spider Facelift, Fiat Dino Ginevra; Ford (Deutschland und Großbritannien) mit Ford Escort, Ford 15 M RS, Ford 17 M RS, Ford 20 M RS; Honda (Japan) mit Honda N 600 Europaversion; Iso-Rivolta (Italien) mit Iso-Rivolta Grifo 7 Litri; Isuzu (Italien) mit Isuzu Florian (Europapremiere); Lamborghini (Italien) mit Lamborghini Espada, Lamborghini Islero, Lamborghini Miura Spider (Messepremiere); Lombardi (Italien) mit Lombardi Fiat 850 Grand Prix Speciale; Mazda (Japan) mit Mazda Cosmo Sport 110 S (Europapremiere), Mazda R 110 (Europapremiere), Mazda RX-87 (Europapremiere), Mazda 1200; Michelotti (Italien) mit Michelotti Daf Siluro, Michelotti Silette; Mercedes-Benz (Deutschland) mit Mercedes-Benz 200 D-250 (Strich-Acht, Messepremiere), Mercedes-Benz 280 S/280 SE, Mercedes-Benz 300 SEL 6.3; MG (Großbritannien) mit MG 1300; Monteverdi (Schweiz) mit Monteverdi 375 L High Speed (Viersitzer); Morris (Großbritannien) mit Morris 1300 Super de Luxe; Nissan/Datsun (Japan) mit Nissan Skyline (Europapremiere); Opel (Deutschland bzw. GM Schweiz) mit Opel Ascona (auf Kadett-Basis), Opel Commodore Voyage; Peugeot (Frankreich) mit Peugeot 204 Diesel; Pininfarina (Italien) mit Pininfarina Ferrari P5; Porsche (Deutschland) mit Porsche 911 T Sportausführung; Renault (Frankreich) mit Renault 16 TS; Rolls-Royce (Großbritannien) mit Rolls-Royce Silver Shadow Convertible; Saab (Schweden) mit Saab 99 (Serienversion); Sabra (Israel) mit Sabra Carmel (Europapremiere); Skoda (damalige Tschechoslowakei) mit Skoda 1000 MB Moldau (deutsche Exportversion); Sunbeam (Großbritannien) mit Sunbeam Imp Sport Europaversion; Syrena (Polen) mit Syrena 104 Facelift; Toyota (Japan) mit Toyota Corolla 1100 Station Wagon (Europapremiere), Toyota Corona MK II (Europapremiere); Vauxhall (Großbritannien) mit Vauxhall Viva 2000 GT, Vauxhall Ventora 3300; Vignale (Italien) mit Vignale Matra 530; Volga (damalige UDSSR) mit Volga Indenor Diesel; Zil (damalige UDSSR) mit Zil 144 (Europadebüt).

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