Mercedes Gewinneinbruch im dritten Quartal vermiest die Stimmung

Quelle: dpa 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Die Abhängigkeit vom chinesischen Markt hinterlässt tiefe Spuren in der Mercedes-Bilanz. Weil der Absatz stockt, sind die Finanzkennzahlen im Keller. Die Entwicklung kommt nicht unerwartet, allerdings ist der Blick nach vorn voller Fragezeichen.

Bei Mercedes läuft es derzeit nicht so richtig rund, unter anderem weil die Premiummodelle im Automarkt China nicht so gut laufen wie erhofft.(Bild:  Mercedes)
Bei Mercedes läuft es derzeit nicht so richtig rund, unter anderem weil die Premiummodelle im Automarkt China nicht so gut laufen wie erhofft.
(Bild: Mercedes)

Der Autobauer Mercedes-Benz hat im dritten Quartal wegen der Schwäche auf dem wichtigen chinesischen Markt einen Gewinneinbruch erlitten. Die Ergebnisse rutschten um rund die Hälfte ab, vor allem das Geschäft mit den Pkw lief wegen des harten Wettbewerbs in der Volksrepublik und wegen der allgemein schwachen Wirtschaftslage enttäuschend. „Die Finanzergebnisse des dritten Quartals entsprechen nicht den Ansprüchen, die wir bei Mercedes-Benz an uns selbst haben“, sagte Finanzchef Harald Wilhelm laut Mitteilung am Freitag. Er will nun noch mehr auf Kosten und Effizienz achten. Bereits im September hatte das Management die Gewinnerwartungen für dieses Jahr empfindlich gesenkt. Die Aktie gab nach.

Analysten hatten nach den Warnungen bereits ein deutlich schlechteres Quartal erwartet. Dass Mercedes im Kerngeschäft mit Pkw aber vor Zinsen, Steuern und Sondereffekten nur 4,7 Prozent operative Gewinnmarge erzielte, hatten sie nicht vorhergesehen. Ein Jahr zuvor waren es noch 12,4 Prozent gewesen. Konzernchef Ola Källenius hatte die Experten für das zweite Halbjahr auf eine Marge von um die 6 Prozent eingestellt. Nach der Enttäuschung im dritten Quartal stellte Finanzchef Wilhelm in einer Telefonkonferenz mit Analysten für das vierte Quartal eine Marge von 6 bis 7 Prozent in Aussicht.

Mercedes hat Schwierigkeiten vor allem in China, weil die teuren Modelle mit dem Stern dort nicht so gut laufen wie gedacht und sich für das laufende Jahr auch keine Besserung abzeichnet. Die teuren Autos sind das Kernelement der Strategie von Källenius und haben in den vergangenen Jahren die Umsatzrendite der Schwaben auf Rekordhöhen getrieben. Mit der Wirtschaftsflaute in der Volksrepublik insbesondere am Immobilienmarkt sind die wohlhabenden Mercedes-Kunden aber unerwartet sparsam geworden.

Teure Rabatte, schwache Nachfrage

Zudem wächst die Konkurrenz heimischer Autobauer in dem Land, das für die deutschen Hersteller über viele Jahre der Wachstumsgarant war. Im Elektrobereich, der in China stark wächst, wartet Mercedes immer noch auf durchschlagenden Erfolg mit seinen Modellen wie etwa dem EQS, dem vollelektrischen Pendant zur S-Klasse. Mercedes gab im dritten Quartal insgesamt einen mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Betrag aus, um unter anderem die Bestände an Elektroautos auf den Höfen der Autohändler über Rabatte zu senken und in China mit Zuschüssen den Vertrieb zu stützen, wie Wilhelm sagte.

Die Prognosesenkung im September war bereits das zweite Mal in diesem Jahr, dass das Management die Gewinnerwartungen dämpfen musste. Vor dem Wochenende senkte Mercedes folgerichtig nun auch die Umsatzerwartung für den Gesamtkonzern und die Absatzerwartung für die Pkw-Sparte – beide sollen nun statt auf Vorjahresniveau leicht darunter liegen.

Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern sackte im vergangenen Quartal konzernweit im Jahresvergleich um fast die Hälfte auf 2,52 Milliarden Euro ab, wie der Dax-Konzern weiter mitteilte. Der Umsatz ging um 6,7 Prozent auf 34,5 Milliarden Euro zurück. Der Konzerngewinn fiel um über die Hälfte auf 1,72 Milliarden Euro.

Rückläufiger Absatz im dritten Quartal

Mercedes hatte im dritten Quartal 503.573 Pkw abgesetzt, das waren 1,4 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Der Autobauer konnte aber nicht mehr so hohe Preise erzielen und verkaufte einen kleineren Anteil teurerer Autos, sodass die Gewinne abstürzten. Bei den Lieferwagen fiel zwar der Absatzrückgang größer aus, das Minus beim operativen Ergebnis der Vans konnte Mercedes aber im Zaum halten. Auch das Geschäft mit Finanzdienstleistungen und Mobilitätsdiensten steht vor Problemen. Durch die allgemeine Zinsentwicklung im Wettbewerb verdiente das Unternehmen weniger an Finanzierungen und Leasing.

Besser als gemeinhin gedacht schnitt Mercedes beim Free Cashflow im Industriegeschäft ab – also ohne die Finanzdienstleistungen gerechnet. Die Kennzahl ist für Anleger wichtig, weil Mercedes zusätzlich zur regulären Dividende die darüber hinaus noch verfügbaren freien Mittel für Aktienrückkäufe einsetzen will. Diese sind bei vielen Profianlegern beliebt, weil sie rechnerisch den Gewinnanteil je Aktie erhöhen und daher den Kurs stützen können.

(ID:50217436)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung