„Das ist ein Vertrauensbeweis für Opel und Neumann, dass Detroit den internen Wettbewerber nicht mehr braucht“, sagt Experte Prof. Stefan Bratzel. GM habe sich ohnehin schwer damit getan, die Marken Opel und Chevrolet scharf getrennt voneinander zu positionieren. „Die Idee war, Chevrolet als Billigmarke auftreten zu lassen. Aber in den Augen der Leute ist Opel auch keine Premiummarke.“ Bratzel ist überzeugt: Der Rückzug von Chevy wird das Leben von Opel erleichtern, auch wenn nicht jeder Chevy-Kunden sich künftig einen Opel kaufen werde.
Gleichzeitig will der US-Riese GM mit seiner höher platzierten Marke Cadillac in den kommenden drei Jahren in Europa angreifen. „Europa ist ein sehr wichtiger Markt für GM. Wir werden von einer stärkeren Marke Opel und mehr Augenmerk auf Cadillac profitieren“, sagte GM-Chef Dan Akerson. Chevrolet solle vor allem in Russland und Asien gestärkt werden.
GM hat die einschneidende Entscheidung erst in der Nacht zum Donnerstag getroffen. Opel-Chef Karl-Thomas Neumann war nach Detroit gereist, wie zu hören war. Zwar kann nur spekuliert werden, inwieweit er die strategische Entscheidung beeinflusst hat. Aber intern gilt der frühere VW-Manager als kompetenter Experte und zielstrebiger Verhandler.
Nach außen gibt sich Neumann konsequent als PR-Mann. „Wir werden unserer Marke wieder den Glanz verleihen, den sie verdient“, verspricht er: „Wir müssen nur den Staub vom Opel-Blitz fegen und die Marke jünger, moderner und damit noch attraktiver machen. Der Blitz muss wieder glänzen.“ Diese Rhetorik hat einen handfesten wirtschaftlichen Hintergrund: Neumann hat das schlechte Image als ein Haupthindernis für den Erfolg der Marke ausgemacht. Gute Nachrichten kommen da gelegen.
Chevrolet in Europa war nie eine Erfolgsgeschichte. Die meist in Südkorea gebauten Kleinwagen kamen Mitte der 1990er Jahre zunächst unter dem Namen Daewoo nach Europa – die GM-Tochter versuchte ihr Glück mit Kopien alter Opel-Modelle wie dem Kadett, der Dawoo Nexia hieß und in Südkorea vom Band lief. 2005 bekam die Marke das Emblem der ur-amerikanischen Marke Chevrolet verpasst. Analyst Frank Schwope von der Nord-LB hält dies für einen Riesenfehler: „Europäer denken bei dem Namen Chevrolet an Dickschiffe.“
Die Massen begeistern konnte Chevy auf dem alten Kontinent jedenfalls nie. Die Marke dümpelt seit Jahren bei etwa einem Prozent Marktanteil dahin, Opel und die britische Schwester Vauxhall kommen auf sechs Prozent. In den ersten zehn Monaten 2013 verkaufte Chevy in Europa (EU und Efta) nach Zahlen des Branchenverbands Acea 126.000 Fahrzeuge – 17,4 Prozent weniger als im Vorjahr. „Die Finanzergebnisse sind inakzeptabel“, sagte Girsky und fügt hinzu: „Der Ausblick ist nicht hinnehmbar.“ Deshalb zieht GM die Reißleine. Nach Überzeugung von Experte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler eine gute Entscheidung: „Man öffnet den Weg für Opel und zieht zurück, was ohnehin erfolglos ist.“
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