Head-Up-Displays vor dem Durchbruch

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Größerer Platzbedarf

Kompakter und günstiger sind sogenannte Combiner-Systeme, wie sie etwa Bosch für den aktuellen Mini vorgestellt hat. Beim Combiner-Display dient nicht die Frontscheibe als Projektionsfläche, sondern eine kleine durchsichtige Kunststoffscheibe, die zwischen Fahrer und Frontscheibe oben auf der Armaturentafel angebracht ist. Diese Scheibe ist ein- und ausfahrbar, außerdem ist sie so aufgebaut, dass der Fahrer die Kanten nicht wahrnimmt. Ebenso wie bei den klassischen Systemen nimmt der Fahrer die eingeblendeten Informationen so wahr, als würden sie zwei Meter vor der Frontscheibe schweben.

Das hat Vorteile für den Autohersteller und auch den Kunden. Für letzteren wird das Head-Up-Display erschwinglicher. In der aktuellen Mini-Preisliste werden für das Extra 500 Euro gefordert, allerdings in Kombination mit weiteren aufpreispflichtigen Ausstattungsoptionen. Der große Vorteil für den Autobauer wiederum besteht im Platzbedarf. Gerade im Bereich der Armaturen eines Autos ist jeder Kubikzentimeter schwer umkämpft, Multimedia will ebenso seinen Platz finden wie etwa die Klimaleitungen. Herkömmliche Head-Up-Systeme liegen aktuell bei einem Platzbedarf von knapp vier Litern, bei den Combine-Systemen sind es dagegen nur zwei Liter. Barbara Zelenay von Bosch geht davon aus, dass Combine-Systeme künftig in weiteren Kompakt-Modellen zu finden sein werden, unter anderem in der 1er-Serie von BMW.

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Abgesehen vom Platzbedarf, gibt es ohnehin kaum einen vernünftigen Grund, die Kopf-oben-Anzeigen zu ignorieren. Auch Verkehrssicherheitsexperten entdecken in der Technik eigentlich nur Gutes. Schließlich sorgt die dafür, dass der Fahrer dorthin schaut, wo es gewünscht ist – auf die Straße nämlich. „Man muss den Blick nicht mehr vom Verkehrsgeschehen abwenden. Diese Anzeigen bieten dem Fahrer eine Mehrwert, werden außerdem als wohltuend und komfortabel empfunden“, meint Rainer Hillgärtner, Sprecher des Auto Club Europa (ACE).

„Augmented Reality“

Was die aktuelle Generation der Head-Up-Displays bietet, das ist allerdings erst der Anfang. Für die Zukunft denken die Entwickler an ganz andere und deutlich weiter reichende Informationen im Blickfeld des Fahrers. Die Technik wird zwar erst in einigen Jahren auf die Straßen kommen, einen Namen hat sie aber schon jetzt: „Augmented Reality“ – also im Grunde eine erweiterte Realität.

Gemeint ist damit, dass die Technologie die Realität für den Fahrer so erweitert, dass Informationen in einer Form angezeigt werden, als wären sie in der echten Welt vorhanden. „Ein Primärziel dabei ist sicher der Einsatz im Zusammenhang mit der Navigation“, so Barbara Zelenay von Bosch. Zeigt ein herkömmliches Navigationssystem eine Route auf einem Bildschirm, bettet Augmented Reality die Informationen in das Verkehrsgeschehen ein: Dem Autofahrer erscheinen etwa farbige Richtungspfeile so, dass das Auge sie wahrnimmt, als wären sie direkt auf den Asphalt gemalt. Continental rechnet mit der Serienreife bis zum Jahr 2017. Bis dahin muss allerdings in den Autos noch reichlich aufgeräumt werden. Statt vier oder zwei Liter Platzbedarf wie bei den aktullen Head-Up-Ausführungen benötigen Systeme mit Augmented Reality immerhin elf Liter Bauraum.

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