Helle Nordlichter
Der Bundesleistungswettbewerb ist die Deutsche Meisterschaft der Kfz-Mechatroniker. In diesem Jahr konnten weibliche Auszubildende erstmals in einem eigenen Wettkampf zeigen, was in ihnen steckt.
Das Deutsche Kfz-Gewerbe hat zwei neue Stars – beide kommen aus Schleswig-Holstein. Im Bundesleistungswettbewerb, an dem in diesem Jahr zum ersten Mal ausschließlich Kfz-Mechatroniker teilnahmen, siegte Siegmar Sayk aus Izehoe. In einem gleichzeitig vom Deutschen Kfz-Gewerbe veranstalteten Wettbewerb unter Auszubildenden zur Kfz-Mechatronikerin konnte sich die Hennstedterin Caren Buchholz durchsetzen.
Der praktische Leistungswettbewerb im Kfz-Handwerk fand zum zweiten Mal in der Landesfachschule des Kfz-Gewerbes in Frankfurt am Main statt. An den perfekt vorbereiteten Stationen mussten die Teilnehmer 16 anspruchsvolle Aufgaben bewältigen. Bewertet haben sie Werkstattpraktiker aus dem gesamten Bundesgebiet.
Zusätzlich unterstützten zahlreiche Unternehmen aus dem hessischen Kfz-Gewerbe den Wettbewerb mit persönlichem und materiellem Einsatz. Deshalb konnten Werner Bader, Werkstattleiter der Landesfachschule, sowie sein Stellvertreter Peter Schott die Aufgaben an attraktiven Fahrzeugen wie dem Opel Speedster durchführen lassen.
Diagnose- und Sytemkompetenz
Im Wesentlichen mussten die Teilnehmer Diagnose- und Systemkompetenz beweisen, um bei den vielfältigen Aufgaben zu punkten. Diese reichten von Problemen in der elektrischen Sitzverstellung bis hin zu Fehlern in Managementsystemen von Otto- und Dieselmotoren. Knackpunkt bei ersterem war, dass das Komfortsystem über einen Datenbus im Fahrzeug integriert war.
Dieser Technik begegneten einige Teilnehmer mit gehörigem Respekt, da sie damit bisher noch zu wenig konfrontiert waren. Völlig unbegründet, wie Prüfer Rolf Nauendorf erläutert: „Die Jungs müssen bei dieser Aufgabe nur lesen und richtig interpretieren, was ihnen der Diagnosetester vorgibt, dann ist es kein Problem, den Fehler zu finden.“ Doch dieser Tipp war bei dem Wettbewerbsstress gar nicht so leicht zu beherzigen.
Schließlich mussten die Prüflinge jede Aufgabe innerhalb von zwanzig Minuten bewältigen. Bundessieger Siegmar Sayk, der seine Ausbildung bei Schleswig-Holsteins größtem Mercedes-Partner Süverkrüp + Ahrend absolviert hat, konnte sich mit einem Schnitt von 84 Prozent von den anderen Teilnehmern absetzen. Geholfen hat ihm dabei seine Affinität zur Fahrzeugelektronik, wenngleich er auch bei den mechanischen Aufgaben gut war.
Kopf-an-Kopf-Rennen
Bis Platz sieben war es dann ein Kopf-an-Kopf-Rennen, bei dem einzelne Aufgaben den Ausschlag für die endgültige Platzierung gaben. „So eng ist es bisher selten bei einem Bundeswettbewerb zugegangen“, resümiert Ingo Meyer, Geschäftsführer Berufsbildung beim ZDK.
Sehr gut geschlagen hat sich auch Nora Bost, die einzige Frau im Teilnehmerfeld des Bundeswettbewerbs. Sie hat mit ihrer Leistung bestätigt, was der ZDK mit dem parallelen Girls-Casting verdeutlichen möchte: Kfz-Mechatroniker ist auch ein Beruf für Frauen, denn er entwickelt sich immer mehr zu einem „Kopf-Beruf“, während die körperliche Belastung abnimmt.
Dass Mädchen und Technik zusammenpassen können, bewiesen zehn angehende Kfz-Mechatronikerinnen in einem Wettbewerb, der unabhängig von Innungs-, Kammer- und Landesausscheidungen lief. Sie waren aus einem bundesweiten Girls-Casting hervorgegangen und mussten an zehn Servicestationen praktische Aufgaben bewältigen, wie sie in jedem Kfz-Meisterbetrieb vorkommen.
Girls Casting
Das Spektrum reichte von Arbeiten an Getriebe und Fahrwerk, Wartung und Reparatur von Komfort- und Sicherheitssystemen sowie vom Motormanagement. Die guten Leistungen der Teilnehmerinnen sind schon aus dem Grund bewundernswert, weil einige keinerlei Prüfungs- und Wettkampferfahrung hatten. So ist beispielsweise die Drittplatzierte Theresa Steibl aus Bayern erst im zweiten Ausbildungsjahr und hat den ersten Teil der Gesellenprüfung noch vor sich. Sie sah den Wettkampf deshalb auch als ideale Vorbereitung darauf an.
Siegerin Caren Buchholz dankte vor allem ihrem Vater für die Diagnosekompetenz, die er ihr beigebracht hat. Von ihrem Ausbildungsbetrieb konnte sie das leider nicht behaupten. „Die haben nicht einmal einen vernünftigen Diagnosetester“, bemängelte sie. Deshalb plant sie, den Betrieb nach ihrer vorgezogenen Abschlussprüfung zu verlassen und die Meisterschule zu besuchen.
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