Volkswagen

Herbert Diess und die Vertrauensfrage

Seite: 2/2

Firmen zum Thema

Fühlt sich Diess von den Arbeitnehmer- und Landesinteressen im „System Wolfsburg“ blockiert? „Bei meinem Amtsantritt hatte ich mir fest vorgenommen, das System VW zu verändern“, schrieb er kürzlich in einem Gastbeitrag für das „Handelsblatt“. „Heißt: Alte, verkrustete Strukturen aufzubrechen und das Unternehmen agiler und moderner aufzustellen.“ Er sei fest überzeugt, „dass uns die Transformation gelingen wird. Trotz der starken Unternehmenskultur von Volkswagen.“

Nicht wegen, sondern trotz. Selbst im Porsche/Piëch-Clan, der 53 Prozent der VW-Stammaktien hält, gibt es Stimmen, die meinen, Diess müsse mittlerweile wissen, dass Innovationen und die speziellen Usancen der Mitbestimmung im Konzern immer zusammengehören. Dabei habe er doch aus dem Ordnungsruf im Sommer seine Lehren gezogen.

Hohes Umbau-Tempo

Freilich wird Diess' Mut und Tempo von vielen sehr geschätzt. Er baut Volkswagen so stark um wie niemand vor ihm. Sein Anspruch, auch im Konkurrenzkampf mit Tesla Marktführer für günstigere E-Autos zu werden, die gigantischen Investitionen in alternative Antriebe, Software-Entwicklung und Vernetzung - all das bringt ihm in weiten Teilen von Industrie, Politik und darüber hinaus großen Respekt ein.

Branchenexperten glauben, dass der Weg riskant, aber richtig ist. „Es kommt darauf an, Sicht- und Wahrnehmbarkeit von Elektrofahrzeugen auf den Straßen zu erzeugen“, sagt der Automobil-Ökonom Stefan Reindl. Da passten nicht zuletzt Pläne für einen kleineren Ableger der ID-Reihe gut ins Bild. Und möglicherweise schärft Volkswagen seine eigenen, schon weit gediehenen Klimaschutzziele noch einmal nach.

Auch Finanzinvestoren forderten ein Machtwort der Eigentümer, um die Position von Diess zu stärken. Im zu Ende gehenden Jahr gibt es noch eine Aufsichtsratssitzung, bisher zu anderen Themen. Das dürfte so bleiben - es sei denn, der Vorstandschef macht sich selbst zum Thema.

(ID:47015713)