Historisches Finale

Redakteur: Dipl.-Ing. Werner Degen

Der Bundesleistungswettbewerb 2006 setzte den Schlusspunkt hinter einen Qualifikationsparcours, der für die Teilnehmer über die Innungs-, Kammer- und Landesausscheidung bis zur Deutschen Meisterschaft geführt hat.

Als das Schlusssignal ertönte, hatten die Teilnehmer des Bundesleistungswettbewerbs acht Prüfstationen mit insgesamt 37 Aufgaben hinter sich. Zum letzten Mal waren im November in Frankfurt Kraftfahrzeugmechaniker und Kraftfahrzeugelektriker parallel angetreten. In Zukunft werden sich auf Bundesebene „nur noch“ Kraftfahrzeugmechatroniker, ausgebildet nach dem neuen Berufsbild, begegnen. Vor den Augen der Jury-Mitglieder, allesamt erfahrene Werkstattpraktiker aus der gesamten Bundesrepublik, siegte Christian Hein aus Nidda (Hessen) bei den Kfz-Mechanikern. Erster Elektriker im Lande wurde Roman Bäck aus Eschenlohe (Bayern).

Glanzvoller Schlusspunkt

Zur Siegerehrung hatte die Oberbürgermeisterin von Frankfurt, Dr. Petra Roth, in den Römer geladen und setzte damit einen glanzvollen Schlusspunkt unter eine Veranstaltung, bei der sich die Gastgeber mächtig ins Zeug gelegt hatten. Der Landesverband Hessen mit seinem Präsidenten Jürgen Karpinski an der Spitze hatte kräftig in die Ausstattung der Landesfachschule investiert. Rund 1,2 Millionen Euro sind in die Renovierung der Ausbildungsstätte geflossen, die seit 1964 in Diensten des hessischen Kraftfahrzeuggewerbes steht. Über 12.000 Absolventen sind hier bereits zu Meister-Ehren gelangt, über 40.000 Azubis haben ihre überbetriebliche Vorbereitung auf die Gesellenprüfung absolviert.

Frankfurt hat sich hübsch gemacht

Knapp 60 Dozenten und/oder Ausbilder sind hier Tag für Tag im Einsatz, um das hessische Kraftfahrzeuggewerbe mit dem notwendigen Aus- und Weiterbildungs-Know-how zu versorgen. „Frankfurt hat sich hübsch gemacht“, formulierte es Bundesgeschäftsführer Ingo Meyer, „darum sind wir gerne mit dem Bundesleistungswettbewerb hierher gekommen.“

Um all dies auf die Beine zu stellen, hat sich Landesgeschäftsführer Klaus Kapelke einer beachtlichen Anzahl von Mitstreitern (siehe Sponsor-Kasten) im hessischen Kraftfahrzeuggewerbe versichert. Sie trugen mit persönlichem und materiellem Einsatz dazu bei, die Veranstaltung zu einem echten Erfolg zu machen. Alle Prüfstationen waren perfekt aufgebaut. Handouts für Aufgabenstellung und -lösungen für Prüflinge und Prüfer sorgten für einen reibungslosen Ablauf und die saubere Bewertung der Prüfergebnisse.

Letzte Runde

Der Bundesleistungswettbewerb in Frankfurt hat insofern Geschichte geschrieben, da die „alten“ Berufsbilder Kfz-Mechaniker und Kfz-Elektriker letztmals am Start waren. Die Zukunft gehört dem Berufsbild Kfz-Mechatroniker, das seit 2003 im Kraftfahrzeuggewerbe eingeführt ist und dessen Absolventen mit Teil 1 und Teil 2 der gestreckten Gesellenprüfung ihren Gesellenbrief erwerben. Ein letztes Mal gab es für die zwei Berufsgruppen unterschiedliche Aufgabenstellungen, beide selbstredend auf höchstem Niveau.

Englische Aufgaben

Um den fachlichen Ansprüchen zukünftiger internationaler Berufswettbewerbe schon im Vorfeld gerecht zu werden, warten bereits bei Vorbereitungswettbewerben englischsprachige Aufgabenstellungen auf die Teilnehmer, so beispielsweise beim Fünf-Länder-Cup. Jeder „Wettkämpfer“ in Frankfurt musste an den insgesamt acht praktischen Aufgaben seine Fachkompetenz unter Beweis stellen. Vor allen Dingen kam es dabei auf die Diagnose- und Systemkompetenz an, ohne die Störungen an modernen Kraftfahrzeugen nicht mehr behoben werden können.

Anspruchsvoll war der Wettbewerb auch, weil die unterschiedlichsten Automobilfabrikate im Rennen waren. Es reichte also nicht aus, sich nur bei seiner Hausmarke auszukennen. Die meisten Teilnehmer hatten sich über die Regelvorentscheidungen auf Innungs-, Kammer- und Landesebene qualifiziert. Für fünf Kfz-Mechatroniker, die eine vorgezogene Gesellenprüfung abgelegt hatten, führte der Weg nach Frankfurt über ein Casting. Ihre Ergebnisse im Wettbewerb hielten, was das Casting versprochen hatte.

„Fünf-Länder-Cup“ zur Vorbereitung

Aber vor den Erfolg bei der Weltmeisterschaft 2007 in Japan haben die Götter auch für Bundessieger den Schweiß gesetzt. Traditionell wird im Jahr der Berufsweltmeisterschaften der so genannte „Fünf-Länder-Cup“ zur Vorbereitung auf die Welttitelkämpfe durchgeführt. Die teilnehmenden Länder – Österreich, Schweiz, Südtirol, Luxemburg, Deutschland (und manchmal auch Liechtenstein) – wechseln sich bei der Ausrichtung des Cups ab.

Der internationale Wettkampf findet nur alle zwei Jahre statt. Letztlich wird auf dem Fünf-Länder-Cup ermittelt, wer sein Land auf internationaler Ebene vertreten darf. Neben der fachlichen Weiterbildung bietet dieser Wettbewerb den Vorteil, den Kandidaten im Vorfeld einen realistischen Eindruck von der tatsächlichen Wettkampfsituation zu vermitteln. Die bei der Weltmeisterschaft angelegten Kriterien – technisches Fachwissen, systematisches und exaktes Arbeiten,

Höchste fachliche Anforderungen

Belastbarkeit in Stresssituationen und gute Fremdsprachenkenntnisse – werden auch schon im deutschsprachigen Kreis abgefragt. Die fachlichen Anforderungen sind gegenüber dem Bundesleistungswettbewerb noch einmal spürbar angehoben. Nur wer hier ungewöhnlich gute Leistunen zeigt, löst das Ticket nach Japan.

Dort sind insgesamt 40 Handwerksberufe zugelassen. Jedes Teilnehmerland meldet einen Kandidaten pro Beruf. Damit der Wettbewerb stattfindet, müssen mindestens acht Teilnehmer gemeldet sein und wenigstens sieben antreten. Häufiger Knackpunkt: Der Teilnehmer darf im Jahr des Wettbewerbs nicht älter als 23 Jahre sein.

Die eigentliche Weltmeisterschaft läuft über vier Tage, innerhalb derer rund 22 Stunden Höchstleistungen verlangt werden. Am Ende winkt den Teilnehmern, wie bei der sportlichen Olympiade, Gold, Silber und Bronze. Aber genau wie im Sport gilt im Zweifel frei nach Coubertin, dem Gründer der Olympischen Spiele der Neuzeit: Dabei sein ist – schon fast – alles!

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