Autojahr in Schleswig-Holstein Hoffnung auf Neustart der E-Mobilität

Von Doris S. Pfaff 2 min Lesedauer

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Das Kfz-Gewerbe Schleswig-Holstein zeigt sich für 2026 hoffnungsvoll, betrachtet die neue E-Prämie jedoch skeptisch. Eine Herausforderung bleibt der Kampf um die Fachkräfte.

Legten die Bilanz für 2025 vor: Nina Eskildsen, Präsidentin des Kfz-Gewerbes Schleswig-Holstein, und Hauptgeschäftsführer Jan-Nikolas Sontag(Bild:  VCG – Zietz)
Legten die Bilanz für 2025 vor: Nina Eskildsen, Präsidentin des Kfz-Gewerbes Schleswig-Holstein, und Hauptgeschäftsführer Jan-Nikolas Sontag
(Bild: VCG – Zietz)

Nach einem Jahr des Übergangs zieht das Kfz-Gewerbe Schleswig-Holstein eine gemischte Bilanz. Während 2025 von hoher Werkstattauslastung, aber verhaltenen Impulsen im Neuwagengeschäft geprägt war, sieht der Landesverband deutliche Anzeichen für einen beginnenden Aufbruch im Jahr 2026.

„Der E-Auto-Markt steht an einem Scheideweg: Zwischen statistischem Höhenflug und realem Neustart“, fasst Jan-Nikolas Sontag, Geschäftsführer des Landesverbands des Kfz-Gewerbes Schleswig-Holstein (LV SH), zusammen. Der Blick in die Statistik trüge: „Der überwiegende Teil der E-Auto-Neuzulassungen entfiel auf gewerbliche Käufer – das Privatkundengeschäft blieb erschreckend schwach.“

Skepsis bei der E-Prämie - Optimismus beim Ladeangebot

Das neue Förderprogramm des Bundes für E-Mobilität wird im Verband mit Zurückhaltung bewertet. Sontag: „Immerhin ist ein Versuch unternommen worden, E-Mobilität auch für die einkommensschwächeren Schichten der Bevölkerung interessant zu machen. Doch wird die jetzt präsentierte E-Auto-Förderung zunächst keinen großen Impuls liefern, weil zum einen die Antragstellung erst ab Mai möglich ist, zum anderen die gewerblichen Kunden von der Förderung ausgenommen sind.“ Entsprechend rechne der Verband kurzfristig nicht mit einem Nachfrageanstieg.

Positiv bewertet Sontag die Entwicklung der Ladeinfrastruktur. „Die Ladeinfrastruktur ist zumindest an Fernstraßen gut“, so der Geschäftsführer. Im innerstädtischen Bereich bestehe allerdings Nachholbedarf, auch die Handhabung der Bezahlsysteme müsse vereinfacht werden.

Erfreulich sei zudem die Dynamik im Gebrauchtwagensegment: Erstmals kauften 2025 private Kunden mehr gebrauchte als neue E-Pkw. „Viele dieser Fahrzeuge waren Tageszulassungen. Die geplante E-Auto-Prämie wird den jungen Gebrauchtmarkt unter Druck setzen, da sie nur Neuwagen begünstigt.“

Die Werkstätten meldeten 2025 durchgängig hohe Auslastung, aktuell sinken jedoch Nachfrage und Vorlaufzeiten deutlich. „Im Service herrscht ein hoher Kostendruck; Kunden reagieren sensibel aufsteigende Preise.“ Effizienzsteigerung durch Digitalisierung und den Einsatz von KI bleibe daher ein wichtiges Ziel, um die Betriebe zukunftsfest aufzustellen.

Für Nina Eskildsen, Präsidentin des Kfz-Landesverbands, überwiegt der Blick nach vorn: „Die Zeichen stehen auf Wachstum: Breitere Modellpaletten, höhere Reichweiten und sinkende Preisdifferenzen zu Verbrennern werden die Nachfrage beflügeln.“

Zugleich beobachtet sie einen weiteren Trend: „In wirtschaftlich unsicheren Zeiten setzen Verbraucher auf Langlebigkeit – und investieren in Wartung. Das sichert unsere Werkstätten.“ Das durchschnittliche Pkw-Alter liege aktuell bei 10,6 Jahren – vor zehn Jahren seien es noch gut acht Jahre gewesen.

Fachkräftemangel bleibt eine Herausforderung

Auch der Fachkräftemangel bleibt ein zentrales Thema für das Kfz-Gewerbe im Norden. „Autoberufe bieten attraktive Zukunftschancen – das müssen wir noch stärker kommunizieren“, betont Sontag. Ein vom Landesverband initiiertes Pilotprojekt zur Integration von Arbeitskräften mit Migrationshintergrund habe wichtige Erkenntnisse gebracht.

Parallel werde an Strategien zur Gewinnung motivierter Auszubildender gearbeitet. „Die gerade ermittelten Zahlen für das vergangene Jahr zeigen wieder einmal eindrucksvoll, dass die kleinen und mittleren Betriebe unseres Gewerbes ihrer Ausbildungsverantwortung vorbildlich nachkommen. Allein bei den Kfz-Mechatronikerinnen und Mechatronikern haben wir mit über 900 abgeschlossenen Ausbildungsverträgen ein sehr erfreuliches Ergebnis erzielt.“

„2025 war ein Jahr der Herausforderungen, aber auch der Vorbereitung. 2026 wird das Jahr des Aufbruchs – für die E-Mobilität, für unsere Betriebe und für die Fachkräfte von morgen“, so das Fazit von Eskildsen. „Das Kfz-Gewerbe in Schleswig-Holstein steht bereit, um Menschen und Wirtschaft mobil zu halten – heute und in Zukunft.“

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