Honda NSX: Kampfansage aus Japan

Seite: 2/2

Und trotz der komplizierten Rechenprozesse, die der NASA wahrscheinlich für eine Marsmission gereicht hätten, fühlt sich das alles ungeheuer selbstverständlich, authentisch und intuitiv an. So widersinnig es auch klingt: Es dauert nur drei, vier Kurven, dann hat man den Antrieb fast vergessen. Wie gut, dass sich der V6 mit einem gewaltigen Brüllen und einem eigenen Sound-Bypass in die überraschend geräumige Kabine mit jedem Gasstoß lautstark wieder in Erinnerung bringt.

Dieses Zurücknehmen, dieses bewusste Abtauchen ins Unterbewusste – diesen Charakterzug zeigt der NSX in vielen Dingen. Nicht zuletzt auch im Cockpit. Denn mögen die digitalen Instrumente noch so brillant programmiert sein, das Lenkrad noch so gut in der Hand liegen und die Sitze noch so gut Komfort und Seitenhalt vereinen. Sobald der Blick überraschend ungehindert die Scheitel- und Bremspunkte der nächsten Kurven fokussiert, ist all das vergessen und das Auto wird von innen heraus fast schon unsichtbar, so weit nimmt sich der NSX zurück.

Dass der NSX ein Sportwagen einer neuen Generation ist, spürt nicht nur der Fahrer. Nicht umsonst duckt sich der Tiefflieger aalglatt wie ein Stealthbomber auf die Straße, hat im Windkanal eine Form bekommen, die sich nur der Aerodynamik und der Luftführung für die zehn Kühler verpflichtet fühlt und deshalb allein der Funktion folgt, und verzichtet bis auf die jeweils sechs gleißenden LED-Spots in den Scheinwerfern oder die vier in die Mitte gerückten Endrohre auf jede Effekthascherei.

Und man kann es sogar hören – zumindest wenn der Fahrer morgens im „Quiet“-Mode startet und die ersten paar Kilometer bis knapp unter 100 km/h elektrisch aus dem Viertel surrt. „Man muss sich ja seine Nachbarn nicht gleich zum Feind machen“, sagt Projektleiter Klaus. Es reicht, wenn man den Rest der Sportwagengemeinde gegen sich aufbringt. Und die wird auf den NSX tatsächlich nicht gut zu sprechen sein. Denn die engeren Konkurrenten aus Italien und Deutschland sehen plötzlich ziemlich alt aus und Autos wie der Porsche 918 oder der BMW i8 sind auf einmal weniger exotisch.

Balsam für die japanische Autoseele

Das ist nicht nur Balsam auf die geschundene Seele von Honda, wo der Sportsgeist lange verkümmert war und erst sich erst so langsam wieder bemerkbar macht. Das ist auch gut für das Selbstvertrauen der gesamten japanischen Automobilnation. Denn Autos wie der LFA bei Lexus, der GT-R bei Nissan und nun endlich auch wieder ein NSX bei Honda zeigen, dass die Erbsenzähler nicht mehr alleine das Sagen haben und man auch in Tokio und Tochigi um den Wert der Fahrfreude weiß.

Jetzt fehlt auf der Überholspur fehlt eigentlich nur noch Mazda. Aber was nicht ist, kann ja noch werden: Die Arbeiten an einem neuen Wankelmotor laufen schließlich auf Hochtouren und die passende Hülle wäre mit der atemberaubenden Studie RX bereits gefunden.

(ID:43938608)