Im Land der vielen Möglichkeiten
Die AVP Automobilgruppe aus Plattling hält auch in schwierigen Zeiten am Expansionskurs fest.
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Den schwierigen Zeiten zum Trotz hält Franz Xaver Hirtreiter unbeirrt an seinem „Expansionskurs mit Augenmaß“ fest. Jüngster Coup des Inhabers der 1997 gegründeten AVP Automobilgruppe mit heute sechs Marken an 17 Standorten: Das AVP Autoland Plattling mit einer Investitionssumme von 3,8 Millionen Euro. Dieses Ende Juni 2008 aus der Taufe gehobene 40.000 Quadratmeter große Gebrauchtwagenareal an der Bundesstraße 8 in Plattling bildet für die Gruppe einen wichtigen strategischen Eckpfeiler. „Einheitsbrei kann jeder“, winken Geschäftsführer Johann Kirschner und Georg Oswald ab. „Wir dagegen wollen uns im Rahmen der uns von den Herstellern vorgegebenen Verpflichtungen individuell und aggressiv darstellen.“
So sind die AVP-Manager überzeugt, dass der Trend zum Gebrauchten künftig noch stärker wird, da das Geld in der Tasche der Bürger nicht mehr wird. Demzufolge werde das Gebrauchtwagengeschäft auch für die AVP immer wichtiger, sagen die Verantwortlichen des AVP Autoland unisono. An dem am Autobahndreieck Deggendorf, Landshut, Straubing und Passau gelegenen Areal können die Besucher jetzt permanent aus einem Angebot von 500 gebrauchten VW- und Audi-Fahrzeugen ihren Wunschkandidaten auswählen.
Außerdem erhalten die Kunden hier alle gewünschten Dienstleistungen inklusive einer hauseigenen Cafeteria aus einer Hand: angefangen von einer attraktiven Mehrmarkenerlebniswelt, über ein Karosserie-, Lack- und Technikzentrum, eine eigene Prüfstelle bis hin zu Angeboten im Bereich Autogasumrüstung und Versicherungsservice.
Ehrgeizige Ziele
Die Ziele für das AVP-Gebrauchtwagenland sind ehrgeizig: So sollen am Standort in Plattling jährlich 2.000 Second-Hand-Fahrzeuge verkauft werden. Auch die Kapazitäten im markenübergreifend arbeitenden Karosserie- und Lackzentrum sind auf eine Verdopplung ausgelegt. Die Werkstattdurchgänge sollen von 30 auf 50 gesteigert werden.
Mit dem Autoland wollen die Niederbayern beweisen, dass ein klassisches Autohaus nicht teurer sein muss als ein freier Anbieter. Daher sind Kompetenz und Qualität zu wettbewerbsfähigen Preisen auch im AVP Autoland für die Gruppe Anspruch und Ansporn für die Zukunft zugleich.
Geballte Kraft
Dank des strategischen Weitblicks und zahlenorientierter Vorgehensweise des Unternehmers Franz Xaver Hirtreiter hat sich die AVP bis heute zu einer der erfolgreichsten Händlergruppen Deutschlands entwickelt. Mit ihren 490 Mitarbeitern erwirtschaftet die Gruppe in diesem Jahr zirka 230 Millionen Euro Umsatz und vermarktet 3.000 Neu- und 6.000 Gebrauchtfahrzeuge.
Damit hat das Unternehmen trotz eines miserablen Autojahrs wieder eine Rekordrunde gedreht. Bis 2009 peilt es 10.000 Fahrzeugverkäufe an. Davon, so ist sich Unternehmer Hirtreiter sicher, werden allein die Gebrauchtwagenverkäufe rund 7.000 Einheiten ausmachen. Innerhalb von nur elf Jahren hat es der gelernte Journalist und ehemalige Verleger der Verlagsgruppe Passau geschafft, aus einem simplen „Steuersparmodell“ ein ganzes Autohaus-Imperium mit Händler- und Werkstattvertretungen der Marken VW, Audi, Seat, Skoda, Suzuki und Porsche in Niederbayern zu errichten.
So ist die Gruppe heute in Deggendorf, Plattling, Dingolfing, Landau, Landshut, Regen, Zwiesel, Viechtach, Rosenheim, Altötting und Burghausen vertreten. Diese Aufbauarbeit trotz angespannter Automobilkonjunktur verdankt Hirtreiter auch seinem Gesellschafter, der Raiffeisen Landesbank Oberösterreich. „Mit der Aufnahme der Raiffeisen Landesbank Oberösterreich mit 25 Prozent ins Unternehmen vor elf Jahren habe ich die beste unternehmerische Entscheidung meines Lebens getroffen“, gesteht der Unternehmer.
Allerdings, so Hirtreiter: „Wenn unsere Zukäufe schief gegangen wären, hätte jede Bank irgendwann Schluss gemacht.“ Die AVP habe die „beste Bank der Welt“. „Wir konnten unseren Gesellschafter überzeugen, dass es sich lohnt, durchzuhalten“, betont Hirtreiter.
Hirtreiter: „Ich bereue nichts!“
Befragt nach dem Erfolgsrezept für seine Autohausgruppe, meint der Vollblutunternehmer: „Ein bisschen schwanger gibt es nicht. Wenn man sich in diese Branche begibt, muss man bereit sein, seinen Weg zu Ende zu gehen.“ Zwar habe auch Hirtreiter in den vergangenen zehn Jahren bisweilen an seiner Entscheidung, in die Autobranche zu investieren, gezweifelt. „Aber ich bereue nichts“, betont der Unternehmer. Er sei trotz Krisengejammers in der Branche zufrieden. Strategisch habe das Unternehmen die richtigen Dinge zur richtigen Zeit gemacht und so die angepeilten Ziele bisher immer erreicht.
„Wir befinden uns auf einer schnurgeraden Autobahn und wissen genau, wo wir hinwollen“, so Hirtreiter. Daher ist es der AVP gelungen, trotz des weiter anhaltenden Abschwungs der Branche wieder ein positives Ergebnis zu erzielen.
Klare Führungsstruktur
Hirtreiter ist bekennender Menschenfreund und „Menschenfänger“: „Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt“. Die Qualität der Zusammenarbeit müsse stimmen. In guten Führungskräften mit langfristigen Verträgen sieht Hirtreiter daher auch die größten Chancen für ein weiteres Wachstum der Gruppe. Deshalb setzt er auf klare Zuständigkeiten seiner heute sechs Geschäftsführer. So ist Georg Winklmeier für alle Betriebe der Marke VW zuständig, Anton Emerdinger für Audi, Georg Gabriel für Porsche und Georg Oswald für Gebrauchtwagen, Suzuki und Internet. Zum Finanzgeschäftsführer der Gruppe wurde Anfang 2006 der frühere Controllingleiter Joachim Huber berufen. Angesichts der steigenden Bedeutung des Aftersalesbereichs (O-Ton Hirtreiter: „Wir haben dieses Geschäftsfeld lange vernachlässigt.“) setzt Hirtreiter jetzt auch für diesen Bereich auf einen eigenen Geschäftsführer (Johann Kirschner), der betriebsübergreifend sämtliche Werkstätten und in Personalunion mit Georg Oswald das Gebrauchtwagengeschäft leitet. Hirtreiter: „In der AVP wird in den nächsten Jahren der ein oder andere Serviceleiter zu den Shootingstars auch im Verdienst zählen.“
Trotz seiner Erfolge bleibt Hirtreiter auf dem Boden. „Wir sind nicht unbegrenzt handlungsfähig,“ räumt der Manager ein. Daher werde er niemals auf eine ungebremste Expansionsstrategie setzen, auch wenn er gerade in diesem Jahr vermehrt Anfragen von Handelspartnern nach Kooperationen und Übernahmen bekam. Mit der heutigen Größe sei Konsolidierung angesagt.
Hirtreiter: „Unser Fokus in den kommenden Jahren richtet sich auf die Stärkung und den Aufbau von Eigenkapital.“ Hirtreiters Formel für den Automobilhändler von morgen: „Ganz viele Autos und ganz viel Geld.“ Wer das schaffe, sei auch in Zukunft dabei, wer nicht, müsse sich auf eine kleine Einheit zurückziehen und als starke Marke agieren. Hirtreiter sieht die Zukunft eindeutig „schwarz-weiß“: Es geht künftig nur ganz klein oder ganz groß. In der Mitte bleibt keinem mehr Luft zum Überleben.“ Nur Automobilhändler, die ihre Strukturen entsprechend der Veränderung des Marktes anpassen, werden überleben. „Wer davon träumt, dass die nächsten Jahre golden werden“, resümiert Franz Xaver Hirtreiter, werde untergehen.
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