Anbieter zum Thema
Zahlungsfähigkeit steht im Vordergrund
Aber was kann ein Autohausunternehmer im operativen Tagesgeschäft tun, um die eigene Liquidität zu schonen?
Eine exzessive Lagerhaltung belastet sie. Deshalb ist die Bestell- und Lagerhaltungspolitik nicht nur unter Ertrags- sondern vor allem auch unter Liquiditätsgesichtspunkten zu sehen. Ein Unternehmer muss also versuchen, einen hohen Umschlag an Fahrzeugen und Ersatzteilen und Zubehör zu realisieren. Denn je höher der Umschlagsfaktor ist, desto geringer ist die Kapital-/Mittelbindung. Der Umschlagsfaktor zeigt an, wie oft der Warenbestand erneuert wurde und damit indirekt, wie hoch die durchschnittliche Lagerzeit ist. Der Autohausinhaber oder Geschäftsführer muss die Umschlagshäufigkeit insbesondere in den Bereichen Gebrauchtwagen und Ersatzteile/Zubehör ermitteln, da er hier mehr gestalten kann als im Neuwagenbereich. Der Wert für die Umschlagshäufigkeit bei Gebrauchtwagen sollte mindestens vier betragen, wohingegen das Autohaus im Teilebereich einen deutlich höheren Umschlag ausweisen sollte. Erreicht ein Unternehmen diesen Mindestsollwert nicht, könnte dies an einer falschen Einkaufs- bzw. Zukaufspolitik (zu hohe Einkaufspreise oder ein unattraktives Fahrzeugsortiment) liegen, die zu den fehlenden Umsätzen führen. Aber auch demotivierte Verkäufer, eine schlechte Präsentation oder ein nicht zielgruppengerechtes Marketing können die Ursache hierfür sein.
Eine Alternative zum Umschlagsfaktor im Gebrauchtwagenbereich ist die Kennzahl Standtage. Die Standtage sollten 90 Tage nicht überschreiten, wobei das Autohaus aber eher 60 oder weniger Tage anstreben sollte.
Genaue Planung ist notwendig
Die Liquidität sollte der Unternehmer aber nicht nur zu einem bestimmten Stichtag unter die Lupe nehmen, sondern immer im Auge behalten, um bereits im Voraus möglichen Liquiditätsengpässen entgegensteuern zu können.
Das geeignete Mittel dazu ist der Liquiditätsplan, der die Ausgaben den Einnahmen und vorhandenen liquiden Mittel gegenüberstellt. Aus ihm kann das Management ablesen, ob das Unternehmen seinen Zahlungsverpflichtungen frist- und betragsgerecht nachkommen kann.
Bei der Erstellung des Liquiditätsplanes kann eine Offene-Posten-Liste behilflich sein, um einen Überblick zu erhalten, welche Verbindlichkeiten das Autohaus wann in welcher Höhe begleichen muss. So fallen z. B. Versicherungsprämien oder Weihnachtsgeld nur einmal im Jahr an, wohingegen Löhne monatlich abgebucht werden.
Wenn er anhand des Planes dann feststellt, dass Liquiditätsengpässe – also ein Liquiditätsfehlbetrag statt -überschuss – auftreten werden, muss er entsprechende Maßnahmen einleiten, um diese finanziellen Engpässe zu vermeiden. Einen Puffer bilden dann beispielsweise nicht ausgeschöpfte Kontokorrentlinien. Sollte das Autohaus allerdings in dem vereinbarten Zahlungsziel-Zeitraum einzelne Verbindlichkeiten nicht zahlen können, sollte der Unternehmer rechtzeitig mit dem Gläubiger über entsprechende Zahlungsalternativen (Zahlungsstreckung, -stundung, Ratenzahlung oder Gläubigerkredit) sprechen.
Aber Achtung: Der Liquiditätsplan ist ein Plan. Schnell können unvorhergesehene Zahlungsstromänderungen auftreten. Dann heißt es, nicht die Flinte ins Korn zu werfen, sondern die Planabweichungen als Grundlage für die Änderung des Liquiditätsplanes zu sehen.?
(ID:343430)