Stellantis-Pläne Imparato will deutlichere Abgrenzung zwischen den Marken

Quelle: sp-x/jr 5 min Lesedauer

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Bei genauerem Hinsehen unterscheiden sich viele Modelle des Herstellers nur oberflächlich voneinander, obwohl sie verschiedene Markenembleme tragen. Diesen Trend forcierte Ex-Stellantis-Chef Carlos Tavares vor allem aus Kosten- und Effizienzgründen. Hier könnte es einen Strategie-Wechsel geben.

Jean-Philippe Imparato(Bild:  Stellantis)
Jean-Philippe Imparato
(Bild: Stellantis)

Seit letztem Jahr ist Jean-Philippe Imparato (56) der neue Europa-Chef von Stellantis. Er gehört zu einem Team, das den neuen Vorstandschef finden soll. Und das in harten Zeiten für einen Autokonzern dieser Größe: Unklarheit über die Politik der EU, wenn es um Verbrennermotoren und E-Autos geht, Zölle durch die USA und natürlich auch die weltweiten Krisen und Kriege.

Weil die einzelnen Modelle von Stellantis in vielen Bereichen einander sehr ähnlich sind und auch die gleichen Kunden ansprechen, will der Europa-Chef künftig für mehr Abgrenzung untereinander sorgen. Und dabei auch die Landkarte im Blick behalten. „Wir müssen weiter dafür sorgen, dass die einzelnen Produkte ihre eigene Identität entwickeln und dabei auch die Unterschiede zu den chinesischen Wettbewerbern klarstellen. So muss Opel klar die deutsche DNA pflegen, Peugeot das gleiche für Frankreich leisten, Fiat für Italien, Citroën für Frankreich und Spanien. Jede Marke braucht also ihr eigenes Territorium.“

Dabei sollen die Marken nicht voneinander abgekoppelt werden, müssen aber ihr eigenes Profil schärfen. „Für Opel bedeutet das auch, dass wir England stärker ins Visier nehmen und die Marke auch in Polen oder der Türkei stärken. Alle gehören zum Opel-Territorium. Und haben eine große Zukunft.“

Recht gelassen sieht der Franzose die Situation seines Unternehmens, wenn die CO2-Grenzen für Verbrennerautos in Kraft treten, Hier geht sein Blick auf Durchschnittswerte der zulässigen Flottenemission in den Jahren 2025-2027, wobei ein zu hoher Wert in diesem Jahr in den beiden folgenden verrechnet werden kann. „Das verändert nicht mein Leben“, sagt Imparato. „Im Moment hat die EU die Werte etwas entschärft, aber nicht die Regeln geändert. Für uns bedeutet das, dass die eigentliche Herausforderung für die Unternehmen noch bevorsteht. Wir werden von drohenden Strafen herausgefordert sein, was keine gute Nachricht ist.“

Stellantis ist mit vielen verschiedenen Modellen unterwegs, großen und kleineren Fahrzeugen, klassischen Verbrennern und E-Autos. Nutzt das dem Unternehmen oder ist diese Vielfalt eher ein Nachteil? „Eher ein Vorteil“, sagt Imperato. „Dieser Modellmix erlaubt uns, verschiedene Preissegmente abzudecken. Sorgen machen mir aber die unterschiedlichen Regularien in den einzelnen europäischen Ländern. Ich kann einen Opel in manchen Märkten nicht verkaufen oder keinen Citroën im anderen Land. Gleichzeitig sehen wir, dass unsere neuen Modelle wie Citroën C3 Aircross, Opel Frontera oder Fiat Grande Panda es mehr Kunden ermöglichen, ein bezahlbares E-Auto zu kaufen“.

Doch Jean-Philippe Imparato schränkt gleichzeitig ein und kommt wieder auf die Rolle der EU: „Ich bin viel herumgereist, habe Kunden und unsere Verkäufer getroffen. Ich habe dabei erfahren, dass sich die Menschen mit all den Fragen über die künftige Mobilität alleingelassen fühlen. Sie wissen einfach nicht, in welche Richtung künftige Regulationen gehen werden. Soll ich ein vollelektrisches BEV kaufen oder doch lieber einen Plug-In-Hybrid, einen Mild-Hybrid oder Vollhybrid? Wir können den Kunden nur raten, sich nicht um mögliche Regulationen zu kümmern, weil die sich jeden Moment wieder ändern können. Wer auf die letzte finale Version eines Gesetzes warten will, muss sein Auto im Jahr 2050 bestellen. Deshalb haben wir so viele Leasing-Kunden, die sich um all dies keine Sorgen machen wollen."

Und wenn die endgültigen Grenzwerte doch in naher Zukunft auf dem Tisch liegen, baut Stellantis auf sein Portfolio an Null-Emission-Modellen, also auf batterieelektrische Modelle. „In dieser Übergangsphase können unsere Kunden entscheiden, ob sie auf rein elektrische Fahrzeuge umsteigen wollen oder nicht. In unserem Rüsselsheimer Zentrum trainieren wir gerade unsere Mitarbeiter in allen Fragen rund um die Batterie-Technik, gleichzeitig bereiten wir unser gesamtes Händlernetz auf das Verschwinden des Verbrennermotors vor. Und das, während wir zudem an der nötigen speziellen Software arbeiten, deren Vernetzung, Funktion und Bedienbarkeit genauso wichtig ist.

Der Riesenkonzern hat vor allem in den USA große Modelle wie von Ram oder Jeep im Programm. Der Europa-Chef, in seiner Funktion nur am Rande zuständig für die US-Modelle, glaubt an ein Überleben hubraumstarker Modelle, bereitet sich aber dennoch auf das E-Zeitalter auch in den USA vor. „Wir können auf die Wünsche der Kunden reagieren", beruhigt Imparato. „Wollen sie Achtzylinder unter der Haube oder doch lieber elektrisch fahren? Die gegenwärtige US-Administration sagt klar, dass wir weiter Achtzylinder einbauen können. Aber es wird auch Elektromodelle geben, von Ram und auch Jeep. Ich wäre sehr glücklich, wenn wir diese auch nach Europa exportieren könnten.“

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Zurück nach Deutschland, zu Opel, der einzigen deutschen Marke im Stellantis-Stall. Ist der Chef zufrieden mit seiner deutschen Tochter? Imparato schmunzelt und verteilt Fleißkärtchen. „Opel hat aktuell mehr Aufträge als im letzten Quartal, sechs Prozent Marktanteil und hat seinen Lagerbestand stark abgebaut. In den nächsten Monaten werden wir große Premieren feiern, und der Mix beim E-Auto ist perfekt. Eine gute Nachricht: Opel hilft Stellantis, ist also ein elementarer Teil des Konzerns, ist einer der drei tragenden Säulen von Stellantis in Europa. Unsere Aufgabe – auch bei Opel – bleibt, den industriellen Fußabdruck in der Produktion zu verkleinern.“

In einer anderen Liga im hauseigenen Wettbewerb spielt die sportlich orientierte Marke Alfa Romeo. Hier war Jean-Philippe Imparato jahrelang Chef, bis er nach der Premiere des kompakten Alfa Junior in seinen neuen Job als Gesamtchef aller Marken für Europa wechselte. Die Traditionsfirma darf weiterhin auf Verbrennermotoren setzen. Imparato zählt auf: „Dazu gehören neben dem Junior und dem Tonale auch die nächsten Generationen von Stelvio und Giulia. Für letztere wird der Schwerpunkt aber auf rein elektrischem Antrieb liegen. Parallel dazu können Hybrid-Varianten bestellt werden, die uns das nötige Verkaufsvolumen für die Baureihe sicherstellen sollen. Ähnliches gilt auch für das Einstiegsmodell Junior, dessen E-Version sehr positiv aufgenommen wurde.“

Top-Marke der Riesenfirma ist Maserati. Ein Zukunftsschritt sollte hier das Angebot eines elektrischen Luxus-Sportwagens sein. Die Frage ist, wer so etwas kaufen soll. Zumal das Premium-Fabrikat 2024 hierzulande nur noch für 541 Neuzulassungen gut war – den Löwenanteil machten dabei die beiden SUV-Modelle von Maserati aus. Und nur 25 der im letzten Jahr verkauften Einheiten waren voll elektrisch angetrieben. Imparato: „Im Moment stellen wir gerade einen Produkt-Plan für Maserati auf, der Mitte des Jahres präsentiert wird. Dabei müssen wir fundamentale Fragen beantworten. Was ist die Position von Maserati in der Zukunft? Sind wir mit Elektro, diversen Hybrid-Versionen unterwegs, wird es weiterhin Sechs- und Achtzylinder geben? Noch reden wir nicht über die Antworten. Also noch etwas Geduld.“

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