Unternehmensnachfolge In Führung gehen

Von Harald Czycholl-Hoch 6 min Lesedauer

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Viele Firmen besetzen Führungspositionen intern, mitunter wird auch die Unternehmensnachfolge intern geregelt. Doch langjährigen Kollegen plötzlich als Vorgesetzter gegenüberzutreten, kann eine große Herausforderung sein. Wie der Start als Chef gelingt.

Von der Tochter des Chefs zur Chefin: Fiona Eidenmüller tritt schrittweise die Nachfolge bei Auto-Scholz in Bamberg an. Ihr Vater Michael Eidenmüller freut sich über ihre neuen Ideen und steht ihr mit Rat und Tat zur Seite.(Bild:  Auto-Scholz)
Von der Tochter des Chefs zur Chefin: Fiona Eidenmüller tritt schrittweise die Nachfolge bei Auto-Scholz in Bamberg an. Ihr Vater Michael Eidenmüller freut sich über ihre neuen Ideen und steht ihr mit Rat und Tat zur Seite.
(Bild: Auto-Scholz)

Sabine R. ist jetzt Chef: Seit Anfang Januar ist die 38-Jährige Marketingleiterin eines mittelständischen Automobilzulieferers aus der Nähe von Stuttgart. Am ersten Tag in neuer Position spendierte sie Kuchen und Sekt für die einstigen Kollegen, deren Vorgesetzte sie nun war. Doch wirklich freuen wollte sich niemand mit ihr. Stattdessen blickte sie in einige neidische Gesichter. Im ersten Moment hatte Sabine R. dafür durchaus Verständnis: „Ich war nicht die einzige gewesen, die sich Hoffnungen auf den Posten gemacht hatte.“ Dennoch tat ihr die Reaktion der einstigen Kollegen weh: Sobald sie die Kaffeeküche betrat, verstummten fortan die Gespräche. Und ob sie mit zum Mittagessen in die Kantine kommen wolle, fragte plötzlich auch keiner mehr. Vor allem in den ersten zwei bis drei Wochen sei es hart gewesen, nicht mehr dazuzugehören, sagt Sabine R.: „Ich hatte mir vorher überhaupt keine Gedanken darüber gemacht, wie die Beförderung meine Rolle im Kollegenkreis verändern würde.“

Der hierzulande um sich greifende Fachkräftemangel kann mitunter wie eine Art Karriereturbo wirken: Viele Firmen jagen sich gegenseitig gestandene Führungskräfte ab. Und die freiwerdenden Posten werden dann oftmals intern besetzt. Das kann mitunter für Konflikte sorgen, zumal der plötzliche Aufstieg für viele Beförderte überraschend kommt. Auch mit Blick auf die Unternehmensnachfolge suchen viele Senior-Chefs zunächst im eigenen Betrieb nach einem Nachfolger. Der kann aus der Familie stammen – doch mitunter übernimmt auch ein langjähriger Mitarbeiter im Rahmen eines Management-Buy-Outs das Unternehmen und ist nun Chef jener Kollegen, mit denen er jahrelang auf Augenhöhe zusammengearbeitet hat.