Die Zahl der Autodiebstähle in Deutschland ist zuletzt wieder gestiegen. Das könnte auch an dem Siegeszug der schlüssellosen Zugangssysteme liegen.
Die Öffnungsfunktion mittels Funksignal ist zwar komfortabel, erhöht aber die Gefahr des Auto-Diebstahls.
(Bild: SP-X)
Kurzschließen und mit dem Schraubenzieher starten: Bei modernen Autos ist das nicht mehr möglich, der elektronischen Wegfahrsperre sei Dank. Im Gegenzug hat die technische Entwicklung eine andere Sicherheitslücke aufgemacht. Wer sich im Internet mit überschaubaren finanziellen Investitionen das nötige Zubehör besorgt, schließt und startet heute viele Fahrzeuge ganz ohne Beschädigungen und Gewaltanwendung. Selbst in der Luxusklasse.
„Die meisten Autos mit Keyless-Komfort-Schließsystem sind deutlich leichter zu stehlen als Fahrzeuge mit normalem Funkschlüssel“, warnt der ADAC. Bereits seit 2016 testet der Automobilclub die schlüssellosen Schließsysteme der Autohersteller – immer mit dem gleichen Ergebnis: Der allergrößte Teil ist nicht wirksam gesichert gegen das Abfangen oder Verlängern der Funksignale. Aktuell befinden sich 700 Fahrzeugmodelle in der Testdatenbank – nur knapp 10 Prozent davon sind in dieser Hinsicht unbedenklich, so die Tester des Vereins.
„Keyless“, „Keyless Go“ oder „Keyless Entry“ heißen die schlüssellosen Komfortsysteme in den Ausstattungslisten der Hersteller. In vielen Modellen oberhalb der Kleinwagenklasse ist die Technik bereits serienmäßig an Bord, ansonsten ist sie häufig für wenige hundert Euro bestellbar. Gerne auch in Zwangspaketen mit anderen Extras. Faktisch kann man den Schließsystemen als Autokäufer kaum mehr aus dem Weg gehen. Hinzu kommt: Wer das schlüssellose Türöffnen und Motorstarten erst einmal gewohnt ist, möchte es nicht mehr missen.
Vernichtendes Urteil des Chaos Computer Clubs
Anders als bei den Fernbedienungen für die Zentralverriegelung muss man bei modernen Keyless-Systemen kein Köpfchen mehr drücken, um die Türen zu entriegeln. Schlüssel und Auto kommunizieren über Funk; sind sich beide nah genug oder berührt der Fahrer den Türgriff, wird aufgeschlossen. Die klassischen Knöpfchen sind zwar in vielen Fällen noch vorhanden – als eine Art Rückversicherung – werden aber im Alltag nur selten genutzt. Das Problem: „Schließsysteme, die keine Interaktion am Schlüssel erfordern, sind prinzipiell unsicher“, wie der Chaos Computer Club Aachen auf seiner Website urteilt.
Im Detail funktionieren Keyless-Systeme so: Das Auto sendet ein niedrigfrequentes Signal (LF) für den Schlüssel aus. Ist dieser nah genug, um es empfangen zu können, sendet er den Öffnungsbefehl ultrahochfrequent (UHF) an das Fahrzeug. Weil das Auto regelmäßig sendet und der Schlüssel immer auf Empfang ist, lässt sich die Kommunikation prinzipiell jederzeit manipulieren. Die Sicherheitsexperten des Chaos Computer Clubs Aachen haben bereits 2016 mit vergleichsweise einfachen Mitteln eine Relais-Hardware gebaut, die das Signal des Fahrzeugs mit ausreichender Genauigkeit an den Schlüssel weitergibt. Das Schlüsselsignal lässt sich dann von Unbefugten zum Öffnen und Starten des Autos nutzen.
„Wir sind der Ansicht, dass jeder mit ein wenig Grundwissen in Analogtechnik in der Lage ist eine ähnliche Schaltung in wenigen Arbeitstagen zu entwickeln und zu konstruieren“, so die CCC-Experten. Die Materialkosten belaufen sich auf 90 Euro. Wer kein Elektronikbastler ist, kann in den dunkleren Teilen des Netzes auch fertige Geräte für einige tausend Euro kaufen. Kenntnisse im Hacken oder Elektronik-Know-How sind dann nicht erforderlich.
Zwei Täter sind nötig
Auch die praktische Durchführung des Diebstahls ist für zwei Leute relativ simpel umzusetzen. Stellt das Opfer sein Fahrzeug ab und verlässt den Parkplatz, folgt ihm einer der Kriminellen, um mit seinem Sensor das Funksignal des Schlüssels abzufangen. Das relativ handliche Gerät kann sich dabei etwa in einer Einkaufstasche oder auch in der Hand des Täters befinden. Der zweite Täter geht zum Auto und betätigt den Türgriff, woraufhin das Fahrzeug ein Keyless-Entry-Signal versendet, dass zum Gerät des ersten Täters weitergeleitet wird, von wo es wiederum den Schlüssel aktiviert. Dieser sendet nun den Öffnungscode ans Fahrzeug, der zweite Täter steigt ein und fährt davon. „Läuft der Motor einmal, kann das Auto auch ohne Schlüssel so lange fahren, wie Sprit im Tank ist. Wenn ein Dieb bei laufendem Motor nachtankt, kann er das gestohlene Fahrzeug problemlos auch über weite Strecken überführen“, so der ADAC.
Wirklich sicher sind dem Club zufolge nur Keyless-Systeme mit Ultra-Wide-Band-Technik (UWB), die sich mit den von Kriminellen eingesetzten Geräten nicht manipulieren lässt. Mit UWB kann das System erkennen, ob sich ein Autoschlüssel auch tatsächlich in direkter Fahrzeugnähe befindet. Genutzt wird die Technik etwa bei den teureren Modellen von Jaguar und Land Rover, verschiedenen Modellen aus dem VW-Konzern, bei Genesis, Mercedes, BMW, GWM, Hyundai, Kia und Suzuki.
Stand: 08.12.2025
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Mittel gegen den Funksignal-Klau
Eine von einigen Herstellern alternativ eingesetzte Sicherungstechnik ist ein im Schlüssel integrierter Bewegungssensor, mit dessen Hilfe das Funksignal automatisch abgeschaltet wird, sollte sich der Schlüssel eine gewisse Zeit lang nicht bewegen. Gegenüber der UWB-Technik bietet dieses System aber weniger Schutz.
Wer sich ohne UWB-Schutz vor dem Keyless-Klau schützen will, sollte Funkschlüssel nicht in der Nähe von Türen und Fenster aufbewahren und das Fahrzeug außerdem in einer verschlossenen Garage parken. Auch das Lagern in einer Metallbox, notfalls einem Kochtopf, oder eingewickelt in Alufolie kann das Abfangen des Signals verhindern. Im Zubehörhandel sind auch spezielle abschirmende Etuis zu haben. Ob die Maßnahme funktioniert, lässt sich einfach selbst herausfinden, indem man den abgeschirmten Schlüssel in Fahrzeugnähe bringt. Die Türen sollten sich dann nicht öffnen lassen. Alternativ empfiehlt der ADAC den Blick in die Betriebsanleitung, denn manches Keyless-System ist deaktivierbar. Damit geht der Schlüssellos-Komfort zwar verloren, doch das Fahrzeug lässt sich nicht mehr per Signal-Klau knacken.