»kfz-betrieb« Auto-Check: Mazda 2 und Swift Sport

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Im Swift feiern die typisch japanischen Armaturenbretthartplastikwüsten der Achzigerjahre fröhliche Wiederauferstehung. Die zerklüftete und unlogische Lüftungssteuerung überzeugt ebenfalls nicht. Hier punktet der Mazda 2 mit vorbildlicher Bedienergonomie von Lüftung und Navi. Drei echte Drehsteller für die Lüftung mit jeweils nur einer zusätzlichen Tastenfunktion erlauben eine intuitive Bedienung auch im Dunkeln.

Das Navi-/Radiodisplay kann der Fahrer aus den Augenwinkeln optimal erfassen und muss den Blick nicht von der Straße nehmen. Die Daten gibt der Fahrer mit einem Drehdrücksteller ein; wer das bei Audi und BMW mag wird auch den Mazda lieben. Doch das viel zu tief eingespiegelte Head-up-Display und die aus unverständlichen Gründen nur digitalen und darüber hinaus auch noch viel zu kleinen Tachoanzeigen informieren den Fahrer nur sehr unzureichend über die aktuelle Geschwindigkeit. Es interessiert ihn vermutlich wenig, ob er sich der Radarfalle voraus jetzt mit 3.247 oder 3.318 Umdrehungen nähert.

Über die Geschwindigkeit bestens im Bilde ist der Fahrer des Swift. Zwei große, gut ablesbare Analoguhren informieren auf einen Blick über Drehzahl und Tempo.

Schnell, schneller, Swift

Das ist auch bitter nötig, denn der Swift liefert beim Thema Motor richtig ab. Während sich der Mazda mit seinem Skyaktiv-Sauger nur mühsam Richtung Höchstgeschwindigkeit quält und im oberen Drehzahlbereich lustlos und zugeschnürt wirkt, wuchten die Kolben des Swift Sport per Turbounterstützung satte 230 Nm auf die Kurbelwelle. Entsprechend brachial ist sein Drang Richtung Horizont, wenn der Fahrer die 140 Pferdchen frei galoppieren lässt. Den Spurt von 100 auf 120 im sechsten Gang erledigt der schwarzgelbe Renner in circa fünf Sekunden und quittiert auch bei 180 km/h einen Tritt aufs Gas mit deutlich spürbarer Beschleunigung.

Das bereitet dem Fahrer besonders auf der Autobahn einen geradezu diebischen Spaß, wenn die kleine Rennsemmel drängelnde Vertreterfahrzeuge beim Beschleunigen locker auf Distanz hält. Diese Fahrweise treibt natürlich den Verbrauch in die Höhe, doch der Turbozuschlag hält sich in erstaunlich engen Grenzen und geht für die geradezu dampfhammerartige Beschleunigung aus jeder Fahrsituation absolut in Ordnung. Auf Spritmonitor.de unterscheiden sich die beiden Kontrahenten beim Durchschnittsverbrauch grade mal um einen Zehntelliter, bei allerdings recht „dünner“ Datenlage. Die größere Spanne zwischen Minimal- und Maximalverbrauch zeigt sich beim Swift, den absolut niedrigsten Realwert jedoch kann ein Mazda-Fahrer für sich reklamieren.

Das deckt sich auch mit den Erfahrungen der Redaktion, auf eine eigene Verbrauchsbetrachtung haben wir diesmal wegen der stark unterschiedlichen Winterwetterlagen während des Testzeitraums jedoch verzichtet. Gleiches gilt für das Ausloten der Kurvengrenzgeschwindigkeiten und der Fahrwerksabstimmung. Gravierende Schwächen zeigte aber keiner der winterbereiften Probanden.

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Hübsch, aber laut

Trotz der schnittigen Form findet der Fahrtwind keinen unauffälligen Weg um den Mazda: Bei höheren Geschwindigkeiten rauscht es laut, Reifen- und Motorgeräusche gehen völlig unter. Noch dazu hat die schwache Außengeräuschdämmung dem Lärm der Lkws auf der Nachbarspur wenig entgegenzusetzen. Vergleichbar laut geht es im Suzuki zu. Hier überwiegen jedoch Motor und Fahrwerk, subjektiv klingt der Wagen insgesamt angenehmer. Bei niedrigerem Tempo können die Soundanlagen der kleinen Renner zeigen, was in ihnen steckt. Erfreulicherweise bieten beide Hersteller rauschfreien Klang per DAB. Der Swift spielt überzeugend auf: Trotz des mit 21.400 Euro günstigeren Preises hat Suzuki dem Radio einen Equalizer mit sechs Einstellvarianten spendiert. Der Mazda-Fahrer dagegen kann wie bei einem alten Zweiachsenradio nur Höhen und Tiefen verstellen.

Probieren und freuen

Beide Kontrahenten haben Stärken und Schwächen, passen zwar nicht für jeden Fahrer, aber insgesamt sehr gut in die jetzige Zeit. Sie können auf Wunsch auch sparsam, heben sich jedoch klar von der grauen Masse ihrer Konkurrenten ab, ohne ins Martialisch-Protzige zu verfallen. Ein deutlicher Wermutstropfen ist ihre ambitionierte Preisgestaltung, aber es war schon immer etwas teurer, einen außergewöhnlichen Geschmack zu beweisen.

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 Ottmar Holz

Ottmar Holz

Redakteur Service und Technik