Zulieferer-Krise Kfz-Betriebe spüren bereits die Kaufzurückhaltung

Von Nick Luhmann 2 min Lesedauer

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Wegen der Zulieferer-Krise ist das Kfz-Gewerbe Baden-Württemberg in großer Sorge. Erste Kfz-Betriebe spüren bereits die Kaufzurückhaltung der Kunden.

Die Zulieferer-Krise trifft die Autobranche in Baden-Württemberg mit großer Wucht. Weil viele um ihren Arbeitsplätze fürchten, zögern Kunden mit größeren Neuanschaffungen, beispielsweise beim Autokauf.(Bild:  KI-generiert)
Die Zulieferer-Krise trifft die Autobranche in Baden-Württemberg mit großer Wucht. Weil viele um ihren Arbeitsplätze fürchten, zögern Kunden mit größeren Neuanschaffungen, beispielsweise beim Autokauf.
(Bild: KI-generiert)

Der Stellenabbau bei den großen Zulieferern trifft Baden-Württemberg mit voller Wucht: Allein bei Bosch fallen bundesweit 22.000 Arbeitsplätze weg, davon rund 4.000 am Traditionsstandort Feuerbach – der größte Einschnitt in der über 135-jährigen Firmengeschichte. „Wir beobachten die Entwicklung bei Bosch, Mahle, ZF und anderen Zulieferern mit großer Sorge – denn wir sind Teil derselben Wertschöpfungskette“, sagt Michael Ziegler, Präsident des Verbandes des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg.

Die Verunsicherung sei in den Kundengesprächen der Betriebe deutlich spürbar. Viele Menschen im Südwesten fragten sich inzwischen, wie sicher ihr Arbeitsplatz ist – und schöben größere Anschaffungen wie den Autokauf oder größere Reparatur- und Wartungsarbeiten auf, so Ziegler.

Baden-Württemberg: Automarkt entwickelt sich schwächer deutschlandweit

Die Zahlen bestätigten diesen Zusammenhang: Während der bundesdeutsche Pkw-Markt in den ersten elf Monaten 2025 um 0,7 Prozent zulegte, verzeichnete Baden-Württemberg einen Rückgang der Neuzulassungen um 1,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das Autoland, das von der Transformation besonders betroffen ist, entwickelt sich damit weiterhin schwächer als der Rest der Republik – trotz einer Erholungstendenz im zweiten Halbjahr, so Ziegler.

Auch das GfK-Konsumklima verharre mit minus 23,2 Punkten tief im negativen Bereich – die Marktforscher nannten explizit die wachsenden Sorgen um die Arbeitsplatzsicherheit als wesentlichen Grund für die anhaltende Kaufzurückhaltung.

Allensbach-Umfrage: Vertrauen in Wirtschaftsstandort schwindet

Eine aktuelle Allensbach-Umfrage im Auftrag der Unternehmer Baden-Württemberg unterstreiche das Ausmaß der Verunsicherung: „Die industrielle Basis unseres Landes wird nicht mehr als Selbstverständlichkeit wahrgenommen“, fasste UBW-Präsident Thomas Bürkle die Ergebnisse zusammen. Viele Bürger im Südwesten sorgten sich inzwischen konkret um ihren Arbeitsplatz.

„Die automobile Wertschöpfungskette ist ein zusammenhängendes System – wenn ein Glied unter Druck gerät, spüren das alle“, ordnet Carsten Beuß, Hauptgeschäftsführer des Verbandes, die Lage ein. „Hersteller, Zulieferer, Handel und Werkstätten sind keine getrennten Welten. Rund 470.000 Menschen in Baden-Württemberg arbeiten direkt oder indirekt in der Automobilwirtschaft. Wenn Ministerpräsident Kretschmann sagt, 2025 werde das härteste Jahr seiner Amtszeit, dann gilt das für die gesamte Branche – vom Entwicklungsingenieur bei Bosch bis zur Serviceberaterin im Autohaus.“

Der Verband sieht sich und seine Mitgliedsbetriebe als konstruktive Partner bei der Bewältigung des Strukturwandels. „Unsere 4.000 Betriebe mit ihren 68.800 Beschäftigten setzen die Transformation täglich in die Praxis um – bei der Wartung von Elektrofahrzeugen, bei der Beratung von Autokaufinteressenten, beim Aufbau von Ladeinfrastruktur, bei der Qualifizierung unserer Fachkräfte“, betont Ziegler. „Wir wissen, was dieser Wandel bedeutet, weil wir ihn jeden Tag erleben.“

Appell an die Landespolitik: Gesamte Wertschöpfungskette im Blick behalten

Der Verband des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg appelliert an die Landespolitik, bei allen Maßnahmen die gesamte Wertschöpfungskette einschließlich des Handels und des Kfz-Handwerks im Blick zu behalten – und die Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden: „Diese entscheiden letztlich darüber, was sie haben wollen und sich leisten können. Bezahlbare Mobilität für alle Bevölkerungsschichten muss das Ziel bleiben“, so Beuß. Dafür brauche es wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen wie günstige Ladestrompreise, eine bessere Schnellladeinfrastruktur und viel weniger Bürokratie – und das Vertrauen der Menschen in die Zukunft des Automobilstandorts.

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