Bilanz 2023 Niedersachsens Autobetriebe erzielen Rekordumsätze

Von Doris S. Pfaff 3 min Lesedauer

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Rekordumsätze und Zuwächse in fast allen Geschäftsfeldern – so lief das Jahr 2023 für das Kfz-Gewerbe Niedersachsen. Doch in diesem Jahr rechnet es mit einem Umsatzrückgang und Rabattschlachten.

Legten die Bilanz für das Autojahr 2023 und die Prognose vor: Geschäftsführer Christian Metje, Präsident Karl-Heinz Bley und Landespressesprecher Joachim Czychy.(Bild:  Kfz-Gewerbe Niedersachsen/Bremen)
Legten die Bilanz für das Autojahr 2023 und die Prognose vor: Geschäftsführer Christian Metje, Präsident Karl-Heinz Bley und Landespressesprecher Joachim Czychy.
(Bild: Kfz-Gewerbe Niedersachsen/Bremen)

Fast 30 Milliarden Euro setzten die Kfz-Betriebe in Niedersachsen im Jahr 2023 um. Vor allem der Gebrauchtwagenmarkt zeigte sich stark, ebenso der Service, der seinen Umsatz um satte 17 Prozent steigern konnte.

Jedoch: Nach dem unerwartet umsatzstarken Jahr 2023 stehe das Kraftfahrzeuggewerbe vor unsicheren Zeiten, betonte Karl-Heinz Bley, Präsident des Kfz-Landesverbandes Niedersachsen-Bremen, als er am Donnerstag (14.3.) die Bilanz für 2023 vorstellte.

Die mittelständische Branche befürchtet Rabattschlachten im Neuwagengeschäft und einen „desolaten Elektromarkt“. Der Gebrauchtwagenmarkt werde für die Branche deshalb immer wichtiger.

Der Service bleibt in der Gesamtbilanz ein Leuchtturm und konnte seinen Umsatz um 17,2 Prozent auf 29,1 Milliarden Euro steigern. Ebenfalls positiv zeigt sich die Beschäftigung. Die Zahlen sind stabil, im Ausbildungsbereich konnten die Autohäuser und Werkstätten sogar um 7,8 Prozent zulegen.

Das Autojahr 2024 wird den Betrieben zwar Chancen bieten, aber auch Umsatzverluste bescheren. Bley: „Wir bewegen uns zwischen Krise und neuen Marken.“ Die Krise betreffe vor allem die Elektromobilität.

Gesamtumsatz erreichte Rekordmarke

Zu den Zahlen: Mit 29,1 Milliarden Euro Gesamtumsatz erreichte das Kfz-Gewerbe Niedersachsen/Bremen im Jahr 2023 eine Rekordmarke. 12,3 Milliarden Euro wurden im Neuwagengeschäft und 12,2 Milliarden Euro im Gebrauchtwagenmarkt umgesetzt. Der Service steuerte 3,3 Milliarden Euro bei und das Geschäft mit neuen und gebrauchten Lkw 1,3 Milliarden Euro. Bley erklärte den Umsatzsprung mit den Steigerungen bei Pkw- und Lkw-Zulassungen sowie Pkw- und Lkw-Umschreibungen und einem gestiegenen durchschnittlichen Pkw-Preis von 44.850 Euro.

Die Kennzahlen des Automarktes 2023 in Niedersachsen weichen teilweise deutlich von der bundesweiten Entwicklung ab: Der Neuwagenmarkt wuchs im Norden nur um 2,9 Prozent, bundesweit im Durchschnitt um 7,3 Prozent.

Diese Umsatzzahlen spiegelten aber nicht die vollständige automobile Realität wider, so Bley. Denn ein hoher Teil des Neuwagenabsatzes stamme noch aus dem hohen Auftragsbestand von 2022 und sei nur „abgearbeitet“ worden.

Interesse an Stromern ist eingebrochen

Bei den Neuzulassungen hatten laut Bley die Verbrenner einen Anteil von fast 60 Prozent und die Elektroautos von rund 25 Prozent. Auf dem Gebrauchtwagenmarkt waren laut Landespressesprecher Joachim Czychy die gebrauchten Stromer mit einem Anteil von nur 2,3 Prozent und die Plug-in-Hybride von nur 1,5 Prozent die Verlierer. Czychy: „Diesel und Benziner waren die Gebrauchtwagen-Lieblinge im Autojahr 2023.“

Der aktuell eingebrochene Elektromarkt ist laut Bley von der Politik mit dem abrupten Förder-Aus im Dezember mitverschuldet worden. Als weitere Ursachen für das fehlende Kundeninteresse an Stromern nannte Bley die hohen Stromtarife an den öffentlichen Ladesäulen sowie den hohen Preis, die fehlende Ladeinfrastruktur und die mangelnde Reichweite. Bley: „Bis E-Pkw zum gleichen Preis wie Fahrzeuge mit Benzin oder Diesel zu haben sind, wird es noch dauern.“

Privatmarkt ist Verlierer

Der Gebrauchtwagenmarkt sei mit monatlichen Steigerungen von 1,5 bis 16,3 Prozent im vergangenen Jahr dynamisch verlaufen, berichtete Joachim Czychy. Als Gewinner nannte er den Fachhandel (+5,1 Prozent), als Verlierer den Privatmarkt (-13,1 Prozent). Der reine Gebrauchtwagenhandel konnte seinen Marktanteil um 8 Prozent auf 34 Prozent steigern. Als einen Grund dafür nannte Czychy die Kündigungen im Markenhandel: „Wer als Unternehmer seine Marke verliert, verschwindet nicht aus dem Automarkt.“

Preise für neue Pkw gestiegen

Auch im Norden stieg der durchschnittliche Preis für Neuwagen auf 44.850 Euro (Vorjahr: 43.110). Ungebrochen ist der Trend zum SUV. Diese Fahrzeugklasse macht 43 Prozent der Neuzulassungen aus (Vorjahr: 41,9). Im Gegensatz dazu gab es weniger Minis, Kleinwagen und Kompakte. Grund hier ist das schwindende Angebot der Hersteller in den kleinen Pkw-Klassen. Der durchschnittliche Preis für Gebrauchte sank um 2 Prozent auf 18.660 Euro.

Service mit starker Bilanz

Das zweite Jahr in Folge konnten die Kfz-Werkstätten ihren Umsatz steigern, diesmal um 17,2 Prozent (Vorjahr: 10,4) auf 3,3 Milliarden Euro (Vorjahr: 2,8). Grund dafür sind die gestiegene Wartungshäufigkeit und die Kosten, aber auch der weiter steigende Bestand.

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Bei der Prognose zeigte sich Bley verhalten zuversichtlich, vorausgesetzt, zwei brancheninterne Herausforderungen würden gemeistert: die Transformation der Vertriebssysteme hin zum Agenturgeschäft und die europäische Antwort auf die Frage, wem die Autodaten gehören. Bley sieht auch die Autohersteller in der Verantwortung, mit preiswerteren Fahrzeugen die individuelle Mobilität nicht zu verteuern. In diesem Zusammenhang dürfte der Blick auf das Angebot der chinesischen Hersteller spannend sein.

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