Die Transformation kommt in den Kfz-Betrieben längst an und hinterlässt ihre Spuren. Um die Branche zu unterstützen, stellt Präsident Michael Ziegler vom Kfz-Gewerbe Baden-Württemberg vier Forderungen an die EU und die neue Landesregierung.
Präsentierten die Zahlen für 2025: (v. l.) Pressesprecherin Birgit Leicht, Präsident Michael Ziegler und Hauptgeschäftsführer Carsten Beuß.
(Bild: Kfz-Gewerbe Baden-Württemberg)
Das Kfz-Gewerbe in Baden-Württemberg blickt auf ein schwieriges und strukturell bedeutsames Autojahr 2025 zurück. Der Gesamtmarkt für Neuzulassungen blieb schwach und lag bundesweit mit 2,86 Millionen Pkw etwa ein Fünftel unter dem Vorkrisenniveau von 3,6 Millionen. In Baden-Württemberg wurden im vergangenen Jahr rund 401.000 Neuwagen neu zugelassen, was einem leichten Rückgang gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Der Anteil reiner Verbrenner bei den Neuzulassungen in Deutschland sank auf 41 Prozent und damit um elf Prozentpunkte gegenüber den 52 Prozent des Vorjahres. Die rein elektrischen Zulassungen erreichten mit 545.000 Fahrzeugen ein Allzeithoch und wuchsen um 43 Prozent – ohne laufende staatliche Kaufprämie, jedoch mit vielen taktischen Eigenzulassungen zum Jahresende. Baden-Württemberg liegt hier bundesweit vorn: Jeder dritte Neuwagen im Land hat einen Elektroantrieb, jeder fünfte fährt rein batterieelektrisch.
Umsatzrendite reicht auf Dauer nicht aus
Die wirtschaftliche Lage der rund 3.700 Betriebe mit etwa 82.000 Beschäftigten, die der Verband des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg vertritt, ist angespannt, betonten Präsident Michael Ziegler, der gemeinsam mit Pressesprecherin Birgit Leicht und Geschäftsführer Carsten Beuß am Donnerstag die Bilanz im Stuttgarter Verbandshaus präsentierte.
Wie es um die Branche stehe, zeige auch die Zahl der Großinsolvenzen im Autohandel – definiert als Betriebe mit mehr als zehn Millionen Euro Umsatz: Sie verdreifachte sich von elf auf 32 Fälle. Die durchschnittliche Umsatzrendite der Betriebe beträgt knapp über ein Prozent, sodass bei einem Umsatz von einer Million Euro nur gut 10.000 Euro Gewinn verbleiben. Zuwenig, so Ziegler, damit Betriebe zukunftsorientiert in ihren Betrieb und Mitarbeiter investieren könnten. Und gerade diese Kosten seien explodiert: Die Einrichtung einer Ladeinfrastruktur kostet einen Betrieb zwischen 100.000 bis 500.000 Euro pro Standort, Hochvoltschulungen rund 2.000 Euro pro Kurs.
Verfehlte Herstellerpolitik schadet dem Handel
Auch 2025 stiegen wieder die Neuwagenpreise und lagen durchschnittlich bei 45.000 Euro, ein Drittel mehr als 2019, während bezahlbare Modelle im Segment zwischen 20.000 und 30.000 Euro weiterhin rar sind. Insbesondere im E-Segment setzen viele Hersteller immer noch auf Premiumfahrzeuge. Hersteller, die das anders machten, könnten auch mehr Stromer in den Markt bringen.
„Viele Hersteller haben sich vergaloppiert“, sagte der Verbandspräsident. Verfehlte Modellpolitik in den Konzernzentralen belaste den Handel nun unmittelbar: Rückzug aus dem Flottengeschäft, Trennung von langjährigen Vertragshändlern, das Fehlen bezahlbarer Einstiegsmodelle. Der durchschnittliche Neuwagenpreis in Baden-Württemberg liegt laut Verband bei knapp 45.000 Euro, rund ein Drittel mehr als 2019. „Im Bereich zwischen 20.000 und 30.000 Euro fehlen Produkte für den Durchschnittsverbraucher“, kritisierte Ziegler. „Wer keine bezahlbaren Fahrzeuge anbietet, darf sich nicht wundern, wenn der Markt schrumpft.“
Servicegeschäft am Wendepunkt
Besonders alarmierend entwickelte sich das Servicegeschäft, das bisher als stabiler Pfeiler galt. Der Pkw-Bestand nähert sich mit 49,6 Millionen Fahrzeugen einem Sättigungspunkt, Werkstattbesuche sanken in sechs Jahren um 31 Prozent, und die Wartungshäufigkeit pro Fahrzeug liegt erstmals unter eins, so Ziegler. Gründe hierfür seien die allgemeine wirtschaftliche Lage und die sinkende Investitionsbereitschaft der Verbraucher. Hinzu komme, dass Elektrofahrzeuge ein Drittel weniger Wartungsaufwand als Verbrenner verursachten.
Verbandspräsident Michael Ziegler sieht hier eine zeitversetzte Folge der Transformation: Die Probleme des Handels übertragen sich langsam aber sicher auf die Werkstätten und wirken sich auf Strukturen sowie Arbeitsplätze aus.
Ausbildung weitehin beliebt – aber mit sinkenden Zahlen
Auch bei der Ausbildung zeige sich eine fragile Lage. Der Kfz-Mechatroniker bleibt der beliebteste Ausbildungsberuf mit über 24.500 neuen Verträgen bundesweit und rund 3.200 in Baden-Württemberg. Nach Zuwächsen in den Vorjahren ging die Zahl jedoch um 2,4 Prozent zurück, erläuterte Birgit Leicht. Mit 51 Prozent Ausbildungsbetrieben führt das Kfz-Gewerbe unter allen Handwerksbranchen, doch der Wandel zu Hightech-Handwerk mit Hochvolttechnik und Software erfordert mehr Unterstützung.
Vier Forderungen an die Politik
Aus dieser Gesamtbilanz leitet der Verband vier Forderungen an die neue Landesregierung ab. Erstens soll die Elektromobilität über Neuwagen hinaus gefördert werden: Die neue Prämie von bis zu 6.000 Euro wird begrüßt. Doch auch Gebrauchte müssten gefördert werden, denn auch sie seien für den Durchschnittsverdiener mit einem Preis von durchschnittlich 22.000 Euro noch zu teuer.
Stand: 08.12.2025
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Ebenso wie eine finanzielle Förderung brauche es eine Förderung des Vertrauens der Kunden in E-Autos. Verpflichtende Batterietests seien dazu ein Hebel, ebenso der konsequente Ausbau der Ladeinfrastruktur und kalkulierbare Ladestrompreise.
Der Landesverband fordert zudem die Erhöhung der Meisterprämie auf mindestens 3.000 Euro, um mit Bayern und Niedersachsen gleichzuziehen.
Drittens sei ein gesetzlich abgesicherter Datenzugang für freie Werkstätten essenziell, auch um die Kosten für die Kunden in Griff zu bekommen, fordert Ziegler. Aktuell liegen Wartungskosten im Schnitt bei 542 Euro (+27 Prozent seit 2020). 56 Prozent älterer Fahrzeuge werden zu den freien Betrieben gebracht. Doch die Herstellerzertifizierungen bedrohten den Wettbewerb.
Die vierte Forderung des Kfz-Gewerbes Baden-Württemberg bezieht sich auf das geplante EU-Verbrauchslabeling für Gebrauchtwagen und leichte Nutzfahrzeuge. Das müsse dringend überarbeitet werden. Es brauche eine zentrale Herstellerdatenbank statt fehleranfälliger Umrechnungen durch den Autohandel. VW würde die Daten seinen Händlern schon mitliefern. Was ein Hersteller könne, können auch andere, so Ziegler.
Kritik am Sprit-Kurs der Wirtschaftsministerin
Wie sich die aktuelle Rohölverknappung und die steigenden Spritpreise auf Verbraucher und ihr Interesse an E-Autos auswirke, sei noch offen, so Beuß. Das Kfz-Gewerbe halte die Pläne von Wirtschaftsministerin Katharina Reiche, Preiserhöhungen an Tankstellen auf einmal täglich zu beschränken, für kontraproduktiv: Betreiber würden dann auf Pufferpreise setzen und damit die Spritkosten eher in die Höhe treiben. Laut Beuß würden sich Senkungen der Mineralölsteuer und Ladestromsteuer deutlich besser eignen, um kalkulierbare Kosten für Verbrenner und auch für E-Auto-Besitzer zu sichern.