EU-Rechnungshof Kontrolle des CO2-Ausstoßes zu lasch

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Die Diskussion um Emissionsgrenzwerte und den CO2-Ausstoß wird die Automobilbranche immer wieder einholen. Lasche Kontrollen sind keine wirkliche Hilfe, wie eine Rüge des EU-Rechnungshofs nun zeigt. Betroffen davon ist auch Deutschland.

Die Messung der echten Emissionen von Pkw ist noch selten – und laut dem EU-Rechnungshof werden Genehmigungsverfahren generell zu lasch durchgeführt.(Bild:  DUH)
Die Messung der echten Emissionen von Pkw ist noch selten – und laut dem EU-Rechnungshof werden Genehmigungsverfahren generell zu lasch durchgeführt.
(Bild: DUH)

Bei der Kontrolle des CO2-Ausstoßes von neuen Pkw gibt es in der EU auch Jahre nach dem Dieselskandal und den Diskussionen um missbräuchliche Thermofenster noch erhebliche Mängel. Einem Bericht des Europäischen Rechnungshofs zufolge haben in mehreren Ländern Autos ohne unabhängige Emissionskontrolle eine Typzulassung erhalten. Den EU-Prüfer zufolge besteht demnach Zweifel an der Richtigkeit der zertifizierten Werte.

Der Hof hatte für seinen nun veröffentlichten Bericht die Typzulassung in drei Ländern überprüft, jeweils in den Jahren 2020 bis 2022. In Italien und den Niederlanden hatten die Behörden demnach die Emissionsangaben der Hersteller ohne eigene Tests übernommen. Auch in Deutschland habe das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) weniger eigene Prüfungen vorgenommen als vorgeschrieben. Allerdings lag das dem Bericht zufolge auch an coronabedingten Verzögerungen beim Aufbau der Labor-Infrastruktur.

Die Autohersteller sind bei der Wahl der Zulassungsbehörde für die Typgenehmigung nicht an ihre Heimatnation gebunden. Prinzipiell können neue Pkw-Typen in jedem EU-Land zertifiziert werden; anschließend dürfen sie in der gesamten Union verkauft werden. Ab diesem Jahr müssen die Typgenehmigungsbehörden allerdings Stichprobenuntersuchungen zum CO2-Ausstoß bei bereits im Verkehr befindlichen Fahrzeugen durchführen. Die genauen Rechtsvorschriften dazu sind allerdings aktuell noch in Ausarbeitung.

Unregelmäßigkeiten in den Statistiken

Darüber hinaus bemängelt der Rechnungshof Unregelmäßigkeiten bei der Meldung von Pkw-Neuzulassungen. So seien in den Niederlanden 27 Prozent der neuen Pkw zunächst nicht an die EU-Kommission gemeldet worden, in Italien 14 und in Deutschland 1 Prozent. Erst Nachfassen habe zu Klärung und Verbesserungen hinsichtlich der Vollständigkeit und Richtigkeit der Daten geführt – allerdings auch zu einer Verzögerung bei der Berechnung der EU-weiten und der herstellerbezogenen Emissionen. Letztere sind unter anderem die Grundlage für eventuelle Strafzahlungen der Industrie wegen verpasster CO2-Ziele.

Das Ergebnis ist aus Sicht des Klimaschutzes ernüchternd. „Trotz hochgesteckter Ziele und strenger Anforderungen stoßen die meisten Pkw auf Europas Straßen immer noch so viel CO2 aus wie vor 12 Jahren“, heißt es etwa von der Behörde. Technische Fortschritte hätten die Motoren zwar effizienter gemacht. Dies werde aber durch größeres Fahrzeuggewicht (durchschnittlich rund +10 %) und höhere Motorleistung (durchschnittlich rund +25 %) aufgewogen.

Laut den EU-Prüfern ist der in den letzten Jahren verzeichnete Rückgang der durchschnittlichen CO2-Emissionen im praktischen Fahrbetrieb ausschließlich den Elektroautos zu verdanken (2018 war nur eines von hundert neu zugelassenen Fahrzeugen ein E-Auto, 2022 schon fast jedes siebte). Dagegen seien in den letzten zehn Jahren die Emissionen bei Dieselfahrzeugen konstant geblieben, während sie bei Benzinern geringfügig zurückgegangen seien (-4,6 %).

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