Kfz-Gewerbe Baden-Württemberg Kritik an Ladesäulenzwang für Tankstellen

Von Nick Luhmann 2 min Lesedauer

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Die öffentliche Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge wächst stetig weiter – doch aus Sicht des Kfz-Gewerbes Baden-Württemberg noch zu langsam. Die Tankstellen zu verpflichten, Ladesäulen aufzustellen, hält Präsident Michael Ziegler allerdings für den falschen Weg.

Der Bund will Tankstellenbetreiber verpflichten, ebenfalls Ladesäulen für E-Autos anzubieten. Für das Kfz-Gewerbe ist dieser Vorstoß nicht ausreichend.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Der Bund will Tankstellenbetreiber verpflichten, ebenfalls Ladesäulen für E-Autos anzubieten. Für das Kfz-Gewerbe ist dieser Vorstoß nicht ausreichend.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Zum Stichtag 1. Juni wuchs in Baden-Württemberg laut KBA das Angebot der Ladeinfrastruktur deutlich: Die Anzahl der Normallader stieg um 47,7 Prozent auf 13.892, während die Schnelllader im Vergleich zum Vorjahr um 73,7 Prozent auf 2.578 anwuchsen.

Das reicht aber noch lange nicht, kritisiert Michael Ziegler, Präsident des Kfz-Gewerbes Baden-Württemberg: „Trotz der positiven Trends dürfen wir nicht vergessen, dass wir von den äußerst ambitionierten Zielen der Politik noch weit entfernt sind. Wenn wir bis 2030 15 Millionen E-Autos und eine Million öffentliche Ladepunkte erreichen wollen, muss der Netzausbau erheblich beschleunigt werden“. Besonders die öffentliche Hand sei hier noch viel stärker als bisher gefordert. „Momentan gibt es aus unserer Sicht kein Geschäftsmodell, in dem die Privatwirtschaft mit Ladestrom Geld verdient.“

Dies erkläre einerseits die hohen Kosten für das Laden an öffentlichen Ladepunkten, andererseits aber auch den viel zu langsamen Aufbau der notwendigen Infrastruktur. „Wenn sich E-Fahrzeuge verbreiten und geladen werden können sollen, muss sich die öffentliche Hand viel stärker engagieren“, so Ziegler.

Ladesäulen dort anbieten, wo Nachfrage besteht

Zu den jüngsten Plänen der Bundesregierung, Tankstellen zur Aufstellung von Schnellladesäulen zu verpflichten, sagt Ziegler: „Es ist natürlich lobenswert, dass sich die Bundesregierung für den Aufbau von Ladesäulen engagiert. Aber es ist entscheidend, diese Bemühungen in die richtigen Bahnen zu lenken. Ladeinfrastruktur muss dort entstehen, wo es eine Nachfrage gibt.“

Eine Verpflichtung der Tankstellen, Schnellladesäulen zu installieren, sei nicht nur am Bedarf vorbeigeplant, sondern in vielen Fällen auch wirtschaftlich nicht umsetzbar. Ziegler: „Solche überambitionierten Ziele können letztlich mehr schaden als nutzen. Die Mineralölbranche baut aus eigener Initiative dort bereits aus, wo es sinnvoll und machbar ist, wie beispielsweise an gut frequentierten Tankstellen oder auf Parkplätzen von Einkaufszentren.“

Zudem seien viele Tankstellen nicht in der Lage, solche Ladesäulen aufzustellen – zum Beispiel aus Platzmangel, fehlender Netzkapazität oder unzureichender Wirtschaftlichkeit. „Es kann nicht sein, dass wir Ladeinfrastruktur mit hohen Kosten schaffen, die dann ungenutzt bleibt, weil es an den Stationen gar nicht die nötige Frequenz gibt. Man darf nicht nur die große und moderne Tankstelle in Großstädten oder an Bundesstraßen und Autobahnen vor Augen haben. Denn die Mehrzahl der Tankstellen sind kleinere Stationen in ländlichen Gebieten, an denen sich Ladeinfrastruktur auch in Zukunft nicht wirtschaftlich betreiben lässt“, sagte Ziegler

Zudem müssten die Genehmigungsprozesse für den Bau neuer Ladesäulen und Netzanschlüsse vereinfacht und beschleunigt werden, so Ziegler weiter. Wartezeiten von bis zu 18 Monaten seien nicht akzeptabel. Außerdem sollten Förderprogramme klarer und zugänglicher gestaltet werden.

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