Louis Dresen: Mit Wachstum durch die Krise

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2009 hat jedoch nicht nur erfreuliche Bilanzen gebracht. Das Jahr hat dem Erfolgsunternehmer und seinen Mitarbeitern auch so manche Zitterpartie beschert. Der Grund dafür heißt Opel. Bereits seit 1925 ist Dresen als Vertragspartner mit dem Autobauer verbandelt, und die Marke mit dem Blitz ist immer noch das mit Abstand wichtigste Pferd im Stall. „Die Insolvenz von Opel hätte uns in die Knie gezwungen“, sagt Dahlmann.

Dabei hätten nicht allein der Abschied von Astra & Co und der Wegfall der entsprechenden Verkaufshilfen seinem Unternehmen einen harten Schlag versetzt. „Das Schlimmste wären die Gewährleistungskosten gewesen, auf denen wir Händler dann allein sitzen geblieben wären“, sagt Dahlmann. „Bei rund 6.000 Neuwagen der Marke Opel, die wir pro Jahr verkaufen, rollen in den kommenden zwei Jahren Gewährleistungskosten in einer Größenordnung von neun bis zehn Millionen Euro auf uns zu“, erläutert er. „Wenn wir die nicht mit dem Hersteller abrechnen könnten – das würde uns kaputt machen.“

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Im Frühjahr hat sich Peter Dahlmann daher mit einem selbstgeschmiedeten Rettungsplan an den Verband der europäischen Opel-Händler gewandt. „Der Vorschlag, dass jeder Händler beim Verkauf eines neuen Opel auf einen Teil seiner Marge verzichtet, war ursprünglich meine Idee“, sagt der Vollblut-Unternehmer. „Auf diese Weise hätten die europäischen Händler innerhalb von drei Jahren mindestens 400 bis 500 Millionen Euro zur Rettung des Konzerns bereitgestellt.“ Doch dann kam bekanntlich alles anders. General Motors stoppte den Verkauf seines Tochterunternehmens in letzter Minute. Und das habe auch sein Gutes, meint Dahlmann. „Unser Mutterkonzern versteht vom Autobauen allemal mehr als ein Zulieferer, und eine russische Bank und wir Händler haben mit GM ja auch viele Jahre lang gutes Geld verdient.“ Jetzt sei er zuversichtlich, dass eine Opel-Insolvenz abgewendet sei. Bedauerlich sei aber, dass die GM-Spitze von einer Minderheitsbeteiligung ihrer Händler am Konzern nichts wissen wolle – die aber wäre Vorbedingung für die Margenverzicht-Solidaritätsaktion gewesen.

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Im Geschäftsjahr 2010 wird sich auch ein Branchenriese wie die Louis Dresen GmbH warm anziehen müssen. „Bei den Verkaufszahlen rechnen wir mit einem Minus von zehn Prozent gegenüber 2008.“ Entlassungen will Dahlmann dennoch vermeiden. „Wir werden versuchen, die kommende schlechte Zeit mit Kurzarbeit zu überbrücken.“ Mit diesem Instrumentarium habe sein Unternehmen allerdings noch keine Erfahrung, räumt Dahlmann ein. Daher habe er seine Controller auf spezielle Seminare geschickt, damit sie lernten, „wie man an die entsprechenden Fördermittel kommt.“

Das Werkstattgeschäft wird im kommenden Jahr voraussichtlich eine wichtige Geschäftsstütze sein. Denn herstellergebundene Werkstätten wie die Dresen-Betriebe werden in den kommenden Monaten von den Nebeneffekten der Abwrackprämie profitieren, ist sich Dahlmann sicher. „Wegen des staatlichen Zuschusses haben viele einen Neuwagen gekauft, die sich ohne die Prämie für einen Gebrauchten entschieden hätten.“

Weitere Investitionen geplant

Und die, meint Dahlmann, werden ihr neues Auto zur Inspektion in die Markenwerkstatt geben. Gebrauchtwagenkäufer würden sich dagegen häufiger an eine freie Werkstatt wenden. Auch wenn 2010 im Hinblick auf die Finanzen ein ziemlich ungemütliches Jahr werden dürfte, will die Dresen-Gruppe weiter investieren und expandieren. Der Aktionsradius des Unternehmens umfasst Neuss und Düsseldorf und einen Umkreis von 100 Kilometern, und „dieses Gebiet wollen wir mit weiteren Standorten und zusätzlichen Marken besetzen“, kündigt der Erfolgsunternehmer an. „Wie heißt es so schön? Man soll anti-zyklisch investieren, also gerade dann ein bisschen Geld in die Hand nehmen, wenn es in der Branche nicht so gut läuft.“ Ein Wunsch-Objekt für die nächste größere Investition hat sich der Dresen-Chef auch schon ausgeguckt. „Dass wir an der Düsseldorfer Kroymans-Immobilie Interesse haben, ist ja kein Geheimnis.“ Opel und Ford, die beiden Hauptmarken der Dresen-Gruppe, sollen dort die Kundschaft locken, so die Pläne.

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