Manager, Techniker und Unternehmer

Redakteur: Dipl.-Ing. Edgar Schmidt

Meister im Kfz-Techniker-Handwerk sind Multitalente. Zusätzlich zur Reparatur von Fahrzeugen managen sie die Werkstatt sowie die Aus- und Weiterbildung.

Die Weiterbildung zum Meister im Kfz-Technikerhandwerk steht bei Auszubildenden im Kfz-Gewerbe hoch im Kurs. Die Mehrzahl, nämlich 52 Prozent der bei einer Umfrage des ZDK zur Ausbildungszufriedenheit befragten technischen Lehrlinge, hat das Ziel, einmal Kfz-Meister zu werden. Sie wollen damit ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern. Auf Platz zwei der Weiterbildungsrangliste steht mit 23 Prozent der Wunsch, sich selbstständig machen zu wollen. Dafür ist ebenfalls die Ausbildung zum Meister die Voraussetzung.

Viele Azubis wird an der Weiterbildung zum Meister auch reizen, dass sie damit zunehmend zu Führungskräften mit den Aufgaben eines Managers aufsteigen. Denn Meister übernehmen häufig Führungsfunktionen in einem Kfz-Betrieb, zum Beispiel die Leitung beziehungsweise Geschäftsführung eines gesamten Autohauses, die Kundendienstleitung oder auch die Werkstattleitung und die Ausbildung des Berufsnachwuchses. Für dieses Einsatzfeld benötigen sie nicht nur die fachlichen Qualifikationen in der Fahrzeugtechnik, sondern darüber hinaus Know-how in Betriebswirtschaft und Personalführung.

Handlungsfelder

Die Meisterprüfung im Kfz-Techniker-Handwerk gibt es seit 2001. Darin müssen sich die Meisterschüler beim praktischen Teil zwischen den Handlungsfeldern „Fahrzeugsystemtechnik“ und „Fahrzeugkarosserietechnik“ entscheiden.

Weil sich diese Differenzierung aber ausschließlich auf den praktischen Teil der Prüfung bezieht, dürfen sie nach bestandener Meisterprüfung in einem eigenen Betrieb trotzdem von der Unfallschaden-Instandsetzung bis zur Elektronikreparatur an Fahrzeugen alle Tätigkeiten durchführen – unabhängig davon, in welchem Handlungsfeld sie ihre Prüfung abgelegt haben. Um fachlich einwandfreie Arbeiten abliefern zu können, müssen sie sich dann natürlich entweder in dem jeweils anderen Handlungsfeld selbst weiterbilden oder eine Fachkraft mit entsprechender Qualifikation einstellen.

Der Weg

Wer Meister im Kfz-Technikerhandwerk werden möchte, muss zuerst einmal eine Gesellenprüfung im Kfz-Handwerk erfolgreich ablegen. Dann stehen zwei Wege zur Wahl: Weiterbildungswillige können zuerst eine Ausbildung zum Geprüften Kfz-Servicetechniker machen und später dann die Weiterbildung zum Meister einschlagen. Das ist nicht einmal ein Umweg, denn sie haben mit ihrer Servicetechniker-Prüfung bereits Teil I der Meisterprüfung in der Fachrichtung Fahrzeugsystemtechnik in der Tasche.

Die Alternative ist es, gleich mit der Meisterausbildung zu starten. Für die Lehrgänge sowie die Meisterprüfung muss man bei einem Vollzeitkurs etwa ein Jahr einplanen, in Teilzeitform dauert die Weiterbildung rund zwei bis drei Jahre. Die Prüfungen sind in vier Teile gegliedert:

Teil I: Praktische Prüfung

Sie besteht aus:

  • einer Situationsaufgabe entweder in der Fahrzeugsystemtechnik, z. B. Diagnose und Fehlersuche mit Kostenvoranschlag, oder Instandsetzung eines Karosserieteils einschließlich Lackierung,
  • einem Fachgespräch, bezogen auf die Situationsaufgabe.

Teil II: Fachtheoretische Prüfung

  • Kraftfahrzeuginstandhaltungstechnik/-fahrzeugtechnik
  • Auftragsabwicklung
  • Betriebsführung und Betriebsorganisation

Teil III: Wirtschaftliche und rechtliche Kenntnisse

  • Rechnungswesen und Controlling
  • Wirtschaftslehre
  • Rechtliche und steuerliche Grundlagen

Teil IV: Berufs- und arbeitspädagogische Kenntnisse

  • Grundlagen der Berufsbildung
  • Planung der Ausbildung
  • Einstellung von Auszubildenden
  • Ausbildung am Arbeitsplatz
  • Förderung des Lernprozesses
  • Ausbildung in der Gruppe
  • Abschluss der Ausbildung

Alle vier Prüfungsteile sind rechtlich selbstständig und können auch einzeln abgelegt werden. Übrigens: Nur wer den Meisterbrief hat, kann sich zur verantwortlichen Person für Abgasuntersuchungen und Sicherheits- oder Gassystemeinbauprüfungen weiterqualifizieren.

Förderung

Eine Meisterausbildung schlägt allein mit den Kosten für die Vorbereitungskurse und die Prüfungsgebühren mit mehr als 5 000 Euro zu Buche. Um diese Belastungen abzumildern, gibt es für alle Handwerksberufe gleichermaßen eine Reihe von staatlichen Förderungen und Finanzhilfen wie das Meister-Bafög, bei dem die Unterstützung zu einem Teil als Zuschuss und zum anderen Teil als zinsloses Darlehen gewährleistet wird.

Detaillierte Infos dazu finden Sie im Internet unter www.meister-bafoeg.info. Außerdem können besonders begabte Nachwuchskräfte ein Stipendium der Begabtenförderung berufliche Bildung (www.begabtenfoerderung.de) beantragen, beispielsweise dann, wenn sie erfolgreich an den Wettkämpfen im praktischen Leistungswettbewerb der Kfz-Mechatroniker teilgenommen haben, der jährlich auf Innungs-, Kammer-, Landes- und Bundesebene stattfindet. Auch eine gute Abschlussnote bei der Gesellenprüfung öffnet die Tür zum Stipendium.

Studium mit Meisterbrief

Wer den Meisterbrief in der Tasche hat, kann aber nicht nur einen eigenen Betrieb führen und selbst Lehrlinge ausbilden. Mit bestandener Meisterprüfung besitzt der Handwerker auch die Berechtigung, in fast allen Bundesländern ein Studium an einer Hochschule oder Fachhochschule zu absolvieren. Die Aufnahme ist in der entsprechenden Fachrichtung oft ohne jede weitere Vorprüfung möglich.

Artikelfiles und Artikellinks

(ID:194066)