Markenvielfalt an der Ostsee
Zum norddeutschen Traditionsunternehmen zählen heute rund 40 Autohäuser mit 19 Fabrikaten.
Eineinhalb Dutzend Marken, von Alfa Romeo bis Volkswagen, finden sich unter den Dächern der rund 40 Autohäuser und Service-Betriebe der Kittner-Gruppe. Die Autohäuser firmieren unter dem traditionellen Namen des Firmengründers Edgar Kittner, der Bezeichnung Travag und Autohaus Hansa. Dazu kommen die VW-, Audi- und Porsche-Zentren sowie ein Toyota-Center.
Diese Vielfalt baut auf einer Tradition, die nunmehr sechs Jahrzehnte währt. 1948 schloss Firmengründer Edgar Kittner, als einer der Ersten überhaupt, einen Vertrag mit dem frisch gegründeten Volkswagen-Werk. Damit setzte Kittner in Lübeck seinen bereits vor dem Krieg in Schlesien begonnenen Kraftfahrzeughandel fort. 1951 wurde er einer der ersten Porsche-Partner weltweit. Eine erfolgreiche Ehe, die ihren heutigen Höhepunkt mit der anstehenden Eröffnung des Porsche-Zentrums Lübeck feiern wird, das nach zukünftig geltenden Porsche-CI-Vorgaben gestaltet sein wird.
Die Partnerschaft mit Volkswagen umfasst heute ein Netz von insgesamt 14 Betrieben, die sich über Lauenburg und Bad Oldesloe im Süden und Südwesten bis in den Norden nach Eutin erstreckten. Sie firmieren größtenteils unter dem Namen Travag und sind aus dem ehemals von Edgar Kittner betriebenen Volkswagen-Großhandelsgeschäft hervorgegangen.
Einer der ersten Porsche-Händler
Mit Öffnung der innerdeutschen Grenze erweiterte sich das Verbreitungsgebiet für die Vertretungen von Volkswagen, Audi und Porsche nach Mecklenburg-Vorpommern. Neben Travag-Betrieben in Wismar und Schwerin ist Kittner mit den drei Marken auch in Rostock vertreten. Die Expansion in Mecklenburg-Vorpommern markiert einen wichtigen Schritt vom stetig wachsenden regionalen Autohaus zur weiträumig aufgestellten Firmengruppe.
2006 kam das Toyota-Center-Lübeck als Gruppenhändler hinzu. Die betreuten Partnerbetriebe erstrecken sich dabei auf einen Gutteil des von der Kittner-Gruppe abgedeckten Gebietes im östlichen Schleswig-Holstein. Das Toyota-Center-Lübeck bildet ab dem kommenden Frühjahr den architektonischen Mittelpunkt der neuen „Kittners autoarcaden Lübeck“.
Hinter diesem Namen verbirgt sich ein modernes Mehrmarkenzentrum, in dem der Kunde aus insgesamt neun Fabrikaten wählen kann. Unter Beachtung der jeweiligen Marken-Identität – und hier haben sowohl das Toyota-Center-Lübeck als auch das Porsche-Zentrum-Lübeck nationale, beziehungsweise internationale Vorbildfunktion – reihen sich auf einer Länge von rund einem halben Kilometer die einzelnen Markenvertretungen unter einer Arkaden-Dachkonstruktion, die die architektonische Klammer für das neue Autohauskonzept bildet.
Die Kundschaft erwartet auf dem rund 5,5 Hektar großen Areal ein umfassendes Serviceangebot. Neben einem zentralen Gebrauchtwagenzentrum werden hier auch eine Autovermietung und 24-Stunden-Fahrzeugannahme zu finden sein.
Hansa-Häuser passen perfekt
Mit Alpina, BMW, Jaguar, Land Rover und Mini findet sich hier auch ein Teil der Marken wieder, die durch die Übernahme der ehemals zur Lübecker Possehl-Gruppe gehörenden Automobilsparte Autohaus Hansa seit 2004 Teil der Kittner-Gruppe geworden sind. Die Geschichte des Unternehmens fußt im Jahr 1965 mit dem Vertrieb von Opel-Fahrzeugen. Kurz darauf, im Jahr 1968, kam BMW als weitere Marke hinzu.
Schnell wuchs auch das Verbreitungsgebiet von Autohaus Hansa, das sich in den Norden bis nach Eckernförde erstreckt. Auch die Zahl der Marken nahm im Laufe der Zeit zu. So gehört heute neben Land Rover und Jaguar auch Mini zum Portfolio. Und im Jahr der Verschmelzung von Autohaus Hansa mit Kittner gesellen sich noch die italienischen Marken Alfa Romeo, Fiat und Lancia hinzu.
„Die Hansa-Häuser passten aus mehreren Gründen optimal zu Kittner“, erläutert Peter Weis, Gesamtgeschäftsführer der Kittner-Gruppe. „Zum einen ergänzen sich die Fabrikate sinnvoll. Zum anderen passen die von beiden Autohausgruppen bearbeiteten Marktgebiete sehr gut zusammen.“ In der Berliner Straße, der Adresse von „Kittners autoarcaden Lübeck“, macht die einstige Nachbarschaft von Kittner und Possehl jetzt ein modernes Miteinander möglich.
Der Schlüssel für den Erfolg
Zur Kittner-Gruppe gehören heute über 1.500 Mitarbeiter. Und mit rund 30.000 verkauften Neu- und Gebrauchtwagen im Jahr gehört sie zu den größten Autohandelsfirmen, die auf dem deutschen Markt aktiv sind.
Peter Weis, sich in der Kfz-Branche als Fiat-Manager einen Namen gemacht hat und seit 2005 die Geschicke der norddeutschen Autohausgruppe verantwortet, sieht in der Kundenzufriedenheit den entscheidenden Schlüssel für den Erfolg. Die Markenvielfalt sei dafür ein wichtiges Element. „Denn so können wir eine kompetente, unabhängige Beratung bieten, schließlich findet die Kundschaft in unserem Kernmarkt hier ein einzigartiges Angebot für die individuellen automobilen Belange“, erklärt Weis.
Doch welche Vor- und Nachteile hat die Markenvielfalt für das Unternehmen? „Auf der einen Seite sorgen die markenspezifischen Vorgaben und Systeme für einen höheren Arbeitsaufwand und erschweren Synchronisierungen. Auf der anderen Seite sind sie ein wichtiger Schlüssel für die Unabhängigkeit des Unternehmens“, meint Weis. „Wir sind damit in der glücklichen Lage, etwaige Schwächen einer Marke mit Stärken eines anderen Fabrikats ausgleichen zu können.“
So sei die Kittner-Gruppe ein Familienunternehmen mit der Kraft eines Konzerns. Hinter dem Unternehmen steht eine Familienstiftung. Und die gewährt Unabhängigkeit und den Fortbestand als Familienunternehmen.
Schon früh wurden die strategischen Weichen für die Expansion des Unternehmens gestellt. Dazu gehört, neben der Eingliederung zahlreicher benachbarter Handels- und Servicebetriebe, auch das Engagement in der Autovermietung. Als Hertz-Lizenzpartner und unter dem Namen Miera firmieren heute ein Dutzend Verleihstationen. Neben dem klassischen Vermietgeschäft sind die rund 500 Mietfahrzeuge auch für die Mobilität der eigenen Kunden im Einsatz. Neben Hertz-Miera runden das Gebrauchtwagenzentrum Nord sowie sieben Großtankstellen das Spektrum ab.
Doch nicht nur in Norddeutschland steht das Traditionshaus mit beiden Beinen fest auf dem Boden. Mit dem Groß- und Einzelhandel mit Volkswagen und Porsche hat es sich auch im Baltikum fest etabliert. Den Anfang markierte 1998 der Neubau eines Volkswagen-Zentrums in Riga. Zwei Jahre später folgte die Eröffnung der Porsche-Vertretung für Lettland. Im Jahr 2002 wurde der Porsche-Importeursvertrag für das gesamte Baltikum abgeschlossen. Darüber hinaus ist Kittner Beteiligungspartner des Volkswagen-Importeurs für das Baltikum. „Das Geschäft im Baltikum macht heute zehn Prozent des Gesamtumsatzes aus“, sagt Geschäftsführer Weis. „Tendenz steigend.“
Klare Verantwortlichkeiten
Für die einzelnen Geschäftsfelder und Markengruppen hat er eine Struktur mit Brand-Managern und klaren Verantwortungsbereichen eingeführt. Auch das Geschäft im Baltikum wird komplett eigenständig geführt. Die operativen Entscheidungen treffen die einzelnen Geschäftsbereiche. Das gilt in Norddeutschland ebenfalls für die einzelnen Marken. „Unser Ziel ist, den Markt zu bewegen und nicht Besitzstände zu verwalten. Das ist nur durch ein hohes Maß an Eigenverantwortung der Markenvertreter erreichbar“, betont Weis.
Dabei sei der Vergleich mit anderen Sparten im Rahmen einer Benchmark-Betrachtung durchaus legitim. Es sei laut Weis auch angebracht, wenn die jeweiligen Brand-Manager dabei auf ihre Kollegen schauen und sich darüber Gedanken machen, wie gemeinsam beschrittene Wege einen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz sichern helfen.
Das erweist sich in der Realität jedoch als nicht immer so einfach. „Erst recht nicht, wenn zwei zuvor jahrzehntelang konkurrierende Gruppen auf einmal unter einem Dach agieren“, erklärt der Manager. Hier liege auch ein entscheidender Punkt für die Motivation der Mitarbeiter, die wiederum den Schlüssel zum Erfolg der Firmengruppe in Händen halten.
„Letztlich hängt alles von der Zufriedenheit und Loyalität der Kunden ab“, unterstreicht der Geschäftsführer. Auszeichnungen in punkto Service durch Kunden und Hersteller würden dabei den Erfolg belegen. „Aber“, so warnt Weis „das ist ein Prozess, der keine Ruhepause erlaubt. Vielmehr muss die Auszeichnung eines Betriebes den anderen als Ansporn dienen.“?
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