Mercedes E 500 4matic: Allradantrieb muss sein
War Audi vor Jahren der einzige deutsche Hersteller, der auf die Kombination von Leistung und Allradantrieb setzte, so hat mittlerweile auch Mercedes seine Liebe für den sportiven 4x4-Spaß entdeckt.
Diese Zahlen muss man sich schon auf der Zunge zergehen lassen. 5,5 Liter Hubraum, acht Zylinder, 388 PS und eine Beschleunigung, die viele Sportwagen alt aussehen lässt. Da ist er, der neue Mercedes E 550 4matic. Übrigens nicht von der Nomenklatur verwirren lassen. In Europa heißt der dezente Kraftprotz E 500 4matic, weil sich die 500er-Bezeichnung nach Mercedes-Angaben unweigerlich in die Hirne des Kundenstammes gebrannt hat – 550er heißt er nur in den USA. Sein Auftritt ist abgesehen vom E-550er-Schild alles andere als eindrucksvoll.
Könnte auch ein E 220 CDI sein oder gar die Basisversion E 200 Kompressor. Wer genau hinschaut, sieht allenfalls den 18-Zoll-Radsatz des Sportpakets, der einem jedoch kaum die Augen brennen lässt. Der Familienbenz aus erster Ehe lebt das schwäbische Understatement mehr als seine Brüder. Auffallen mit ihm könnte man allenfalls dann, wenn man ihm einen Brabus-Heckflügel auf die Heckklappe setzen würde. Alles andere ist bekannt klassisch und wenig auffällig – genau wie die zumeist wenig extravagante E-Klasse-Kundschaft.
Er ist genau der richtige für alle, die nicht in der deutlich opulenteren S-Klasse unterwegs sein möchten. Gerade in den Volumenfarbtönen silber und schwarz kann der 4,85 Meter lange Traum vieler Familienväter kein Wässerchen trüben. Und selbst im Innern gibt es die bekannte Hausmannkost. Alles übersichtlich, alles vorbildlich verarbeitet und exzellent platziert. Wer nichts Extravagantes will, fühlt sich auf Anhieb zu Hause und genießt das wertige Allerlei, das Mercedes seit Jahren in seine Modelle zaubert sowie das gute Platzangebot. Selbst der Kofferraum schluckt beachtliche 530 Liter.
Wer den E 550 4matic so richtig kennenlernen möchte, sollte ihn starten oder besser vorher noch einen kurzen Blick unter die Motorhaube werfen. Zwar ist der Langhuber mit einer schwarzen Abdeckung verkleidet, aber man kann schon ahnen, dass bei Bedarf einiges im Busch sein sollte. 285 kW/ 388 PS arbeiten souverän mit dem Fünfgang-Automatikgetriebe, das nur noch beim Allradmodell verbaut ist, zusammen. Der Rest der Modellpalette bekommt seit geraumer Zeit die Siebengang-Schalthilfe verabreicht. Überzeugend arbeiten übrigens beide.
Das Wetter hat es gut gemeint. Statt Schnee gibt es immerhin strömenden Regen und genügend Grund sich auf die Vorteile des Allradantriebs zu besinnen. Egal ob cruisen, heizen oder der sichere Trip von A nach B – der grollende Stuttgarter scheint kaum einen Grenzbereich zu kennen und Dank der serienmäßigen Luftfederung Airmatic genießen die Insassen jeden Meter in einem seidigen Kokon. Wie schon bei den Hecktrieblern der E-Klasse wünscht sich der Pilot auch hier eine direktere Lenkung; am besten eine solche, die nach BMW-Art Lenkbefehle filigran auf die Straße umsetzt. Hier fehlt der E-Klasse auch nach den jüngsten Überarbeitungen einiges, die es gerade aktiven Fahrern noch angenehmer machen. Dabei fährt der E 550 so wie er aussieht – trotz aller Leistung – zurückhaltend und immer präsent. Ein beherzter Druck auf das rechte Pedal lässt keinen Zweifel daran, wo der Hase rennt.
E-Klasse mag hohe Drehzahlen
530 Nm pressen einen sanft aber ohne jeden Unterlass in den exzellent passenden Ledersitz. 4x4 mit der festen Kraftverteilung von 45:55 Prozent zugunsten der Hinterachse sorgt dafür, dass die Leistung selbst bei schlechten Straßenverhältnissen nicht im Nirwana verpufft. Anders als viele andere Mercedes-Modelle mag die E-Klasse hohe Drehzahlen. Gerade oberhalb von 4.000 Touren dreht der 1,9 Tonnen schwere Allradler mächtig auf. Kein Zweifel daran, dass die 0 auf 100 km/h in 5,5 Sekunden eine Eintagsfliege sind – die bringt er immer. Genauso wie die Höchstgeschwindigkeit, die sinnfreier Weise bei 250 km/h abgeregelt ist. Selbst die kleinen Diesel kratzen schon an dieser Marke und wer knapp 400 PS unter dem Hinterteil hat, will auch selbst entscheiden, wie schnell es wohin geht.
Ob sich die versprochenen 12,3 Liter Super auf 100 Kilometer im Tagesgeschäft realisieren lassen, darf bezweifelt werden. Leistung und Brennräume dieser Dimension verlangen nun einmal spätestens an der Zapfsäule ihren Preis. Das gilt selbstverständlich auch für die Anschaffung. Die überzeugende Symbiose aus Power, Komfort und Allradvortrieb gibt es ab 66.878 Euro – mit den bekannten Annehmlichkeiten realistisch mehr als 75.000 Euro. Aber wenn schon 388 PS in einer E-Klasse, dann bitte mit Allradantrieb.
(ID:338146)