Mercedes Ener-G-Force: Zwischen Wunsch und Wirklichkeit

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Retro-Design scheidet dabei allerdings aus, sagt Wagener: „Wir wollen keine Klassiker nachbauen, sondern neue Klassiker schaffen.“ Deshalb nimmt der Ener-G-Force ganz bewusst Abschied vom Diktat der Kante, dass die G-Klasse über 30 Jahre geprägt hat. Statt absolut planer Bleche hat die Studie deshalb stark modellierte Flächen, die Ecken dürfen auch einmal rund sein, und wo früher eine Kante war, kann es jetzt auch mal eine Kurve geben.

Doch mit ein paar wenigen Details räumen die Designer alle Zweifel an der Abstammung des futuristischen Wühlers beiseite: Der Kühlergrill zum Beispiel hat deshalb fast dieselbe Form wie beim Original, die Radläufe sind genauso eckig geformt, das Dach ist hier wie dort eine perfekte, waagrechte Linie, die so genannte Toolbox für das Expeditionswerkzeug am Heck sieht aus wie früher das Ersatzrad. Und natürlich hat auch der G für Übermorgen wieder hoch gerückte Positionsleuchten, die wie Krokodilsaugen auf den Kotflügeln thronen. Wer trotzdem an der Echtheit zweifelt, der muss der Studie nur in die Scheinwerfer schauen: Die strahlen dank LED-Technik genau mit jedem Buchstaben, mit dem die Gelände-Geschichte vor 30 Jahren begonnen hat: einem G.

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Grenzenlose Phantasie

Während die Form mit ein paar Abstrichen also durchaus ernst gemeint ist, haben die Designer bei der Technik der Studie ihrer Phantasie freien Lauf gelassen. Das Terra-Scan-System, das mit Radar und Video das Terrain sondiert und den Allradler perfekt für seinen Geländetrip konfiguriert, ist zwar nicht so weit von der Wirklichkeit entfernt. Schließlich soll eine ganz ähnliche Technik die neue S-Klasse über alle Fahrbahnunebenheiten hinweg heben und buchstäblich zum fliegenden Teppich machen.

Doch eine Brennstoffzelle, die mit Wasserstoff aus Regenwasser betrieben wird, ist genauso Science Fiction wie elektrische Radnaben-Motoren, die ein Auto dieses Formats 800 Kilometer weit voran bringen sollen. „Aber ein bisschen Spinnerei muss bei solchen Studien ja erlaubt sein“, wirbt Wagener um Verständnis.

Immerhin hat seine Mannschaft jetzt nach dem Biome schon zum zweiten Mal bewiesen, dass ihre Entwürfe für die LA Design-Challenge nicht nur in zwei, sondern auch in drei Dimensionen funktionieren. Jetzt fehlt eigentlich nur noch, dass so ein Auto auch mal richtig fahren lernt. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

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