Das LED-Licht wird bei diesem System auf die Spiegel geworfen. Durch eine Drehung jedes einzelnen Spiegels um 10 Grad wird das Licht nicht mehr durch den Projektor auf die Straße gelenkt, sondern in eine sogenannte „Lichtfalle“, wo es sozusagen verschwindet. „Digital Light“ schaltet aber nicht nur kleinste Lichtfelder ein oder aus, sondern kann diese auch unterschiedlich stark ausleuchten.
Dies geschieht, indem jeder Spiegel einzeln angesteuert sich bis zu 5.000 Mal pro Sekunden zwischen den beiden Stellungen „an“ und „aus/Lichtfalle“ hin und her bewegt. Für das menschliche Auge wirkt dies dann wie ein abgedimmtes Licht. So könnte zum Beispiel das LED-Licht eine Fahrbahn ohne Gegenverkehr mittig voll ausleuchten, zum Rand hin aber stufenlos dunkler werden, etwa um Menschen und Tiere nicht zu blenden. Trotzdem würde der Fahrer Menschen, Tiere oder Gegenstände am Straßenrand noch wahrnehmen.
Bis zu 60 Mal pro Sekunde wird die ideale Lichtverteilung errechnet. Dabei nutzt das System Daten aus allen zugänglichen Quellen, etwa von Sensoren, Kameras, Navidaten oder auch aus externen Quellen (Car-to-X, Car-to-Car). Ein weiterer Vorteil: Wenn die Hardware einmal eingebaut ist, können einzelne Funktionalitäten, neue oder verbesserte, per Software-Update mit wenig Aufwand „nachgerüstet“ werden.
Im Prinzip arbeitet das System heute schon ziemlich perfekt, wie wir während einer Fahrt durchs nächtliche Stuttgart selbst überprüfen konnten. Nun muss das System noch großserienfest gemacht werden, zudem stehen Verhandlungen mit dem Kraftfahrt Bundesamt an, „denn im Prinzip ist ein solch blendfreies Dauerfernlicht heute noch gar nicht zulassungsfähig“, weiß Gunter Fischer. Wann das System erstmals geordert werden kann, darüber will sich Mercedes nicht auslassen. Wir schätzen aber, dass es beispielsweise mit der Einführung der nächsten Generation der S-Klasse (2019/2020) so weit sein könnte.
Als weniger aufwendige, günstigere und energiesparende Lösung hat Daimler im Verbund mit Osram, Hella, dem Fraunhofer Institut und Infinion aber noch eine weitere Lösung entwickelt. Hier werden in einem Scheinwerfer 4 Chips mit je 1.024 Pixeln, mithin insgesamt 4.096 Pixel, zusammengefasst. Diese, bereits vor einigen Wochen vorgestellte Lösung wird sich schon in naher Zukunft für Modelle der Marke Mercedes ordern lassen. Mit diesem System lassen sich schon Dinge rund ums Licht realisieren, die mit dem aktuellen Multi-Beam nicht möglich sind. Wer aber das ganz große Kino will, der muss noch warten, bis „Digital Light“ auf den Markt kommt.
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