Neue Abzocktricks Miese Maschen in der mobilen Welt

Von sp-x 4 min Lesedauer

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Mit gefälschten Anzeigen, Ersatzteilen und digitalen Angriffen erbeuten Kriminelle hohe Summen von Autohändlern und -fahrern. Neue Beispiele zeigen: Die Methoden entwickeln sich rasant weiter.

Ein Beispiel für Betrug am Kunden: Ersatzteile, die wie Mercedes-Originalteile aussehen, aber gefälscht und meist von schlechter Qualität sind.(Bild:  Mercedes-Benz)
Ein Beispiel für Betrug am Kunden: Ersatzteile, die wie Mercedes-Originalteile aussehen, aber gefälscht und meist von schlechter Qualität sind.
(Bild: Mercedes-Benz)

Wo Geld im Spiel ist, ist kriminelle Energie meist nicht weit. Mit der zunehmenden Digitalisierung verlagern sich aktuell allerdings viele Betrugsmaschen ins Internet. Fünf aktuelle und besonders dreiste Maschen zeigen, wie skrupellos Autofahrer hierzulande betrogen werden. Aber auch professionelle Händler und Werkstätten sind vor krimineller Abzocke nicht gefeit.

Der „Gebraucht-Schnäppchen-Anzahlungstrick“

Eine besonders dreiste Masche, vor der inzwischen sogar Autohersteller wie VW offiziell warnen, betrifft den Gebrauchtwagenhandel. Immer häufiger tauchen gefälschte Verkaufsanzeigen auf, die täuschend echt wirken. Scheinbar seriöse Anbieter, die oft sogar den Anschein offizieller Vertriebskanäle von VW und anderen Marken erwecken, locken mit vermeintlich günstigen Preisen. Oft sind die Seiten im Look bekannter Plattformen oder sogar „offiziellen” Herstellerseiten nachempfunden. Wer nicht genau hinschaut, merkt nicht, dass es sich um eine Kopie handelt.

Hier werden Autos oft weit unter dem Marktpreis angeboten. Der Haken: Das Auto existiert gar nicht. Unter fadenscheinigen Vorwänden, etwa für den Transport oder zur Reservierung, werden Interessenten dazu gedrängt, eine Anzahlung zu leisten. Dabei nutzen die Betrüger gefälschte E-Mail-Adressen, Telefonnummern und Bankverbindungen. Wurde die Anzahlung in der Hoffnung auf ein Schnäppchen geleistet, ist das Geld bereits weg und das Traumauto bleibt eine mit gewissem Aufwand inszenierte Illusion.

Günstige Ersatzteile mit gefälschter Markenidentität

Der Ersatzteilmarkt ist schon lange ein Tummelplatz für Betrüger. Besonders betroffen sind Originalteile großer Hersteller wie Mercedes, BMW oder VW. Wer im Internet nach günstigeren Alternativen sucht, läuft Gefahr, an Fälschungen zu geraten. Die gefälschten Teile – von Bremsscheiben bis hin zu Airbags – sehen auf den ersten Blick täuschend echt aus, stammen jedoch oft aus zweifelhaften Quellen.

Erst kürzlich hat Mercedes wieder einen drastischen Anstieg von Plagiatsfällen berichtet. Demnach wurden 2024 bei 793 international durchgeführten Razzien über 1,5 Millionen Plagiate beschlagnahmt. Für Autofahrer sind diese Fälschungen doppelt gefährlich: Neben dem finanziellen Schaden drohen oft auch Sicherheitsrisiken. Versagt die gefälschte Bremse, kann das nicht nur teuer werden, sondern im schlimmsten Fall sogar Leben kosten.

Der Identitätsmissbrauch

Ein besonders hinterhältiger Trick, der in den letzten Monaten an Fahrt aufgenommen hat, spielt sich bei der Angabe des Fahrers bei Verkehrsverstößen ab. Dabei sind am Ende oft völlig Unschuldige die Gelackmeierten. Wer etwa geblitzt wird, hat in Deutschland die Möglichkeit, anzugeben, dass eine andere Person am Steuer saß. Was eigentlich dazu gedacht ist, tatsächliche Fahrer korrekt zu benennen, wird nun zunehmend missbraucht. Die eigentlichen Verkehrssünder schieben die Schuld systematisch anderen, wie etwa Ex-Partnern, flüchtigen Bekanntschaften oder auch wildfremden Personen in die Schuhe, deren Daten sie irgendwo abgegriffen haben. In Einzelfällen wurden sogar Personen aus dem Ausland angegeben – in der Hoffnung, dass den Behörden der Aufwand zu groß ist, dem nachzugehen.

Die Folge: Unbeteiligte erhalten plötzlich Bußgeldbescheide, sammeln unwissentlich Punkte in Flensburg an und bekommen mitunter sogar Fahrverbote, obwohl sie unschuldig sind. Besonders dreist ist es, wenn Täter gezielt Personen auswählen, die sich kaum wehren können, etwa ältere Verwandte oder Menschen mit schlechten Deutschkenntnissen. Die Behörden haben das Problem zwar erkannt, doch der Nachweis eines Identitätsmissbrauchs ist für die Opfer oft aufwendig, während der eigentliche Verkehrssünder in vielen Fällen ungeschoren davonkommt.

Das Bußgeld-Phishing

Autofahrer geraten immer häufiger ins Visier von Betrügern, die sich als Mitarbeiter von Inkasso-Unternehmen oder Behörden ausgeben. Per E-Mail, SMS oder sogar mit professionell gefälschten Briefen wird behauptet, es lägen angeblich offene Mautgebühren, Parkstrafen oder Verstöße gegen die Umweltplakettenpflicht vor – inklusive Drohung mit Punkten, Bußgeldern oder gar Fahrverboten. In der Hektik des Alltags überweisen viele den genannten Betrag vorschnell, besonders, wenn das Schreiben amtlich aussieht und die Frist knapp gesetzt ist. Oft werden angebliche Bußgelder aus dem Ausland eingefordert, beispielsweise aus Italien oder Frankreich, wo viele deutsche Autofahrer im Urlaub unterwegs sind. Natürlich steckt keine echte Behörde hinter dem offiziell wirkenden Schreiben. Das Geld ist trotzdem weg.

OBD-Scam

Eine weitere neue Masche trifft vor allem technisch weniger versierte Autofahrer und spielt mit ihrer Unsicherheit gegenüber modernen Assistenzsystemen. Immer häufiger treten angebliche „Softwaredienstleister“ oder „Diagnose-Spezialisten“ auf, die versprechen, das Auto per Fernwartung zu optimieren, versteckte Funktionen freizuschalten oder Fehler zu beheben. Angeboten werden diese Services meist über Social Media oder Foren.

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Der Zugang erfolgt dann über einen Dongle, der in die OBD-Schnittstelle gesteckt wird – oft verbunden mit einem Abo-Modell. Tatsächlich sind viele dieser Dongles aber nichts weiter als digitale Spione, die Fahrzeugdaten abgreifen oder sogar Zugriff auf Steuergeräte ermöglichen. Im besten Fall läuft das Auto einfach nicht besser. Im schlimmsten Fall wird es Teil eines Botnetzes oder lässt sich fernsteuern.

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