Der chinesische Autokonzern SAIC will mit seiner britischen Marke MG die Idee vom sportlichen Roadster in die elektrische Neuzeit übertragen. Der Cyberster verspricht Fahrspaß in einer neuen Ausprägung. Günstig ist er jedoch nicht.
Mit dem Cyberster bringt MG in Deutschland einen hochemotionalen Elektro-Roadster auf den Markt.
(Bild: MG)
Eine gehörige Portion Mut muss man MG Motor mit dem Elektro-Zweisitzer Cyberster zweifellos bescheinigen. Wer in der Autobranche setzt heute noch auf ein Nischen-Segment wie das der Roadster, aus dem andere Hersteller sich eher zurückziehen als zu engagieren. Und dies aus gutem Grund: zu hohe Kosten, zu niedrige Stückzahlen, zu geringer Ertrag.
Doch MG, seit vielen Jahren im Besitz der chinesischen SAIC Motor Corporation, denkt da ein wenig anders. Man leistet sich den Cyberster als ein Art Leuchtturm, selbst wenn der sogenannte Business Case vermutlich nicht aufgeht. Obendrein macht MG sich mit diesem Auto sein eigenes Geburtstagsgeschenk. 100 Jahre gibt es die britische Marke, die damals unter dem Namen Morris Garage startete. Und man ist natürlich stolz auf so einige Frischluft-Legenden seiner langen Firmengeschichte. Erinnert sei nur an MG A, MG B oder MG Midget.
Und nun der Cyberster, hochmodern, elektrisch angetrieben und in der Größe etwa so lang ein BMW Z4. Der Cyberster, eine Wortschöpfung aus Cyber und Roadster, soll all die Emotionalität und die Freude, die offenes Autofahren fast zwangsläufig mit sich bringt, ins Elektro-Zeitalter übertragen. Und das tut der Zweisitzer ohne Zweifel. Erst recht die Topversion X-Power (ab 69.990 Euro) mit zwei Motoren. Erst recht mit versenktem Verdeck, mit Sonne im Gesicht und Wind in den Haaren. Erst recht mit dem leisen und linearen E-Antrieb. Es ist ein völlig neues Fahrgefühl und erzeugt schon auf den ersten Kilometern enormes Suchtpotenzial.
Bereits die technischen Eckdaten lassen Böses ahnen: 375 kW/510 PS und 725 Newtonmeter an Drehmoment haben mit dem Zweisitzer naturgemäß wenig Mühe. Die Beschleunigung aus den Kurven heraus ist brachial, aber dennoch ungemein geschmeidig. Professionelle Arbeit lieferten die MG-Techniker auch beim Fahrwerk ab. Go-Kart-ähnlich geht es mit einer sehr direkten Lenkung zielgenau ums Eck. Das Handling ist fantastisch. Gleiches gilt für die Bremsen von Brembo. Der Cyberster liegt wie das sprichwörtliche Brett auf der Straße.
In 3,2 Sekunden auf Tempo 100
3,2 Sekunden gibt MG als Sprint von null auf 100 km/h an, bestes Sportwagenniveau. Überholvorgänge werden zu sehr kurzweiligen Angelegenheiten. Allerdings prescht der Cyberster nicht in die üblichen Regionen vor, die man von Verbrennern seines Kalibers gewohnt ist. Bei 200 km/h schiebt die Elektronik einen Riegel vor. In erster Linie, um die Batterie zu schonen.
Überhaupt ist es erstaunlich, dass man es geschafft hat, eine Kapazität von immerhin 77 kWh im Boden unterzubringen. Der Dual-Motor-Variante reicht dies für 443 Kilometer. Wer die Basis nimmt, kann auf mehr als 500 Kilometer kommen. Für einen Roadster dieser Klasse sind das außergewöhnlich gute Werte. Eher am unteren Ende der Skala bewegt sich dagegen die Ladeleistung, für viele ohnehin die wichtigere Größe beim Thema Reisegeschwindigkeit. Denn mit dem Cyberster lassen sich auch längere Touren unter die Räder nehmen, sogar überraschend komfortabel.
Ladeleistung ist nicht auf Top-Niveau
Doch zurück zur Ladeleistung: Maximal sind nur 144 kW möglich, wenig im Vergleich zum Wettbewerb. Somit dauert es an einem DC-Charger sicherlich weit über eine halbe Stunde, bis die Batterie wieder von zehn auf 80 Prozent ihrer Kapazität gebracht ist. Einen genauen Wert gibt MG nicht an.
Rekordverdächtig ist auf jeden Fall das kleine Verdeck. Es öffnet oder schließt – jeweils bis Tempo 50 – in unter acht Sekunden. Keine Chance also, selbst bei plötzlich einsetzendem Regen nass zu werden. Gut gelöst hat MG auch das Thema Kofferraum. Egal ob das Verdeck versenkt oder aufgestellt ist, das Gepäckvolumen leidet darunter nicht. In beiden Fällen sind es 249 Liter. Nicht viel, aber es reicht für ein paar Reisetaschen plus Kleinkram für die Wochenend-Tour. Golfspielenden sei übrigens gesagt: Für ein Bag mit Schlägern ist die Kofferraumöffnung definitiv zu eng, selbst wenn MG behauptet, das würde passen.
Die coole Show bietet sich Passanten oder Gästen im Straßencafé, sollte der Cyberster einmal direkt vor ihnen parken und seine Scheren-Türen spektakulär nach oben schwingen. Schon verwunderlich, dass MG dieses teure Türkonzept von der Studie mit in die Serie retten konnte. Denn gewöhnlich fallen solche Designer-Gimmicks schnell dem Rotstift zum Opfer.
Stand: 08.12.2025
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Vier Bildschirme
Auch sonst deutet im Cyberster nichts auf Sparen hin. Das Interieur wirkt hochwertig, die Sitze sind bequem und die Materialien gut gewählt. Vielleicht mag dem einen oder anderen das allzu digital geprägte Cockpit mit seinen insgesamt vier Bildschirmen etwas zu überfrachtet vorkommen. Gerade im Roadster-Segment wäre weniger manchmal mehr – und ein paar Zitate an die Vergangenheit wie beispielsweise Rundinstrumente mit Chromeinfassungen wären sicher auch keine schlechte Idee gewesen.
Gewöhnungsbedürftig blieb auf unserer Testfahrt das kleine Navi-Display am linken Rand des Armaturenbrettes, zumal es noch fast zur Hälfte vom Lenkradkranz überdeckt wird. MG versprach jedoch, dass dieses Layout für die europäischen Versionen noch geändert werden soll und die Straßenkarte dann auf den kleinen Bildschirm nach rechts wandert. Das Problem mit dem Lenkrad besteht allerdings weiterhin.
Zweifellos wird der Cyberster das ansonsten SUV-geprägte Straßenbild bei uns bereichern. Falls denn mal einer auftaucht. Viele Exemplare dürften hierzulande nicht zu sehen sein. Dafür ist die Nische zu unbedeutend und der Preis – auch wenn er in Relation zur gebotenen Leistung ein Schnäppchen darstellt – insgesamt zu hoch.