Arbeitnehmer und Arbeitgeber stehen sich bei Volkswagen weiter gegenüber. Eine Lösung ist weder im Tarifkonflikt noch in der Beschäftigungssicherung in Sicht. Gleichzeitig geht VW in China auf Schrumpfkurs.
Anfang Dezember beteiligten sich 47.000 Arbeitnehmer in Wolfsburg am Warnstreik. Heute folgt die zweite Arbeitsniederlegung.
(Bild: Matthias Leitzke/IG Metall)
Beifall für die IG-Metall-Spitze, „Buh“-Rufe in Richtung der Vorstandetage von Volkswagen: Begleitet von Warnstreiks und lautstarkem Protest hat bei VW die vierte Tarifrunde begonnen. In Werken des Autobauers legten Beschäftigte zeitweise die Arbeit nieder, Zehntausende kamen laut IG Metall zur zentralen Protestkundgebung direkt am Vorstandshochhaus. Mit deutlicher Verspätung begannen am Nachmittag in der Volkswagen Arena die Tarifgespräche. Sie dürften erst nach Redaktionsschluss enden.
VW fordert von den Mitarbeitern zehn Prozent Lohnkürzung. Auch Werkschließungen und betriebsbedingte Kündigungen stehen im Raum. „Wir brauchen weiterhin Kostenentlastungen, die kurzfristig umsetzbar und nachhaltig sind“, sagte VW-Verhandlungsführer Arne Meiswinkel, Personalvorstand der Kernmarke Volkswagen, vor dem Auftakt der Tarifgespräche in Hannover. Nur dadurch könne der Hersteller wettbewerbsfähig bleiben.
Die Gewerkschaft verlangt dagegen den Erhalt aller Standorte und eine Beschäftigungsgarantie für die rund 130.000 Mitarbeiter. Lohnkürzungen lehnt die IG Metall ebenfalls ab. Von der Verhandlungsrunde am Montag erwartet Betriebsratschefin Daniela Cavallo nun eine Weichenstellung: Entweder gebe es eine Annäherung oder eine weitere Eskalation.
Begleitet wurde der Protest vom zweiten flächendeckenden Warnstreik an neun der zehn deutschen VW-Standorte. Betroffen waren neben Wolfsburg auch die Werke in Zwickau, Hannover, Emden, Kassel-Baunatal, Braunschweig, Salzgitter und Chemnitz sowie die „Gläserne Manufaktur“ in Dresden. Anders als beim ersten Ausstand am vergangenen Montag sollte die Arbeit in jeder Schicht nicht nur für zwei Stunden ruhen, sondern für vier Stunden. Nach Angaben der IG Metall beteiligten sich bis allein in Wolfsburg bis zum frühen Nachmittag 38.000 Beschäftigte an dem Ausstand.
Die Schuld des Managements
Die IG-Metall-Vorsitzende Christiane Benner hat die VW-Spitze aufgefordert, von ihrem strikten Sparkurs abzulassen. Sie sei „stinksauer und fassungslos über das Agieren“ des Vorstandes, sagte sie laut Redemanuskript bei einer Protestkundgebung im Wolfsburger Stammwerk vor Zehntausenden Teilnehmern. „Statt intelligenter Lösungen bieten sie Kahlschlag und Stellenabbau.“ Die Probleme des Konzerns löse man nicht mit Werkschließungen, Kündigungen und Lohnkürzungen. Schuld an der Krise seien nicht die Mitarbeiter, sondern viele falsche Entscheidungen des Managements.
Am vergangenen Montag waren bereits fast 100.000 Mitarbeiter für zwei Stunden in den Warnstreik getreten. Betroffen waren dieselben neun Standorte, an denen auch nun wieder zum Ausstand aufgerufen wird: Wolfsburg, Zwickau, Hannover, Emden, Kassel-Baunatal, Braunschweig, Salzgitter und Chemnitz sowie die „Gläserne Manufaktur“ in Dresden. Nur das Werk in Osnabrück fällt nicht unter den Haustarifvertrag, um den derzeit gerungen wird.
VW hatte nach dem ersten Warnstreik von nur geringen Produktionsausfällen gesprochen. „Die Auswirkungen hielten sich in Grenzen“, sagte ein Sprecher. Auch mit Blick auf den zweiten Warnstreik erklärte VW, man wolle die Auswirkungen so gering wie möglich halten und habe gezielte Maßnahmen ergriffen, die eine Notversorgung sicherstellen.
Kritik an Konzernchef Blume
Während einer Betriebsversammlung im Emder Werk ist Volkswagen-Vorstand um Oliver Blume für das Vorgehen in der aktuellen Krise scharf kritisiert worden. Wie der Vorstand seit drei Monaten die Mitbestimmung, die Tarifverträge und die Beschäftigungssicherung mit Füßen trete, sei in der deutschen Wirtschaftsgeschichte beispiellos, wird der Betriebsratsvorsitzende Manfred Wulff in einer Mitteilung nach der Versammlung zitiert.
Statt am Verhandlungstisch nach Lösungen zu suchen, spitze die VW-Führungsriege den Konflikt unnötig weiter zu und sorge bei über 120.000 Familien in Deutschland vor Weihnachten für große Sorgen und Ängste, hieß es weiter aus der Seehafenstadt in Ostfriesland. Konzernvorstand Blume zeige seit Monaten, dass er kein Zukunftsbild für die deutschen Standorte habe.
Stand: 08.12.2025
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„WiWo“: VW will zweite Fabrik in China verkaufen
Volkswagen arbeitet einem Bericht der „Wirtschaftswoche“ zufolge am Verkauf seiner Fabrik in Nanjing nordwestlich von Shanghai. Die Trennung von dem Werk sei bereits beschlossen, berichtet das Blatt unter Berufung auf Konzernkreise. Angestrebt werde als wirtschaftlichere Variante ein Verkauf, aber auch eine Schließung sei denkbar. Der Konzern wollte sich laut „Wirtschaftswoche“ nicht dazu äußern.
Das Werk wurde 2008 zusammen mit dem chinesischen Partner SAIC errichtet und hat eine Kapazität von 360.000 Autos pro Jahr. Dort werden die Modelle VW Passat und Skoda Kamiq sowie Skoda Superb gebaut. Skoda ist in China allerdings seit einigen Jahren auf dem Rückzug, die Tschechen verkaufen dort nur noch einen Bruchteil früherer Jahre.
Wie die Deutsche Presse-Agentur aus Unternehmenskreisen in Peking erfuhr, steht eine Trennung von der Produktion in Nanjing aufgrund der geringen Auslastung seit einiger Zeit im Raum. Demnach begrenze auch die relativ zentrale Lage in der Stadt die Möglichkeiten, das Werk anzupassen.