Moderne Fahrwerkstechnik: Dumme Dämpfer adé

Redakteur: Hans-Jürgen Wildhage

Als erster Hersteller eines Volumenmodells versucht Opel beim Astra den Zielkonflikt zwischen komfotbetontem und straffen Fahrwerk zu überwinden.

Opel zeigt Mut zur Veränderung – der neue Opel Astra soll mit "expressivem Design", hoher Fahrdynamik sowie einer Vielzahl neuer Lösungen einen Meilenstein in seinem Wettbewerbsumfeld setzen.

Technisch bietet der Neuling unter seiner tatsächlich dynamisch wirkenden Hülle einiges: So gibt es in der dritten Astra-Generation auf Wunsch ein adaptives "IDS-Plus-Fahrwerkssystem" (Interaktives Dynamisches FahrSystem) mit elektronischer Dämpferkontrolle (CDC, Continous Damping Control), wie sie sonst nur in der Luxusklasse und bei exklusiven Sportwagen zu finden ist. Per Knopfdruck kann ein Sport-Modus mit betont fahraktiver Charakteristik angewählt werden, der auch die Lenkung, das Ansprechverhalten des Gaspedals sowie – bei Automatik und dem automatisierten Schaltgetriebe Easytronic – die Schaltpunkte der Selbstschalter umfasst.

Mit dem IDS-Plus-Fahrwerk packt Opel als erster in der Kompaktwagenklasse den altbekannten Zielkonflikt zwischen eher dem komfortbetontem und einem ausgeprägt straffen Fahrwerk an. Allgemein gilt: Eine besonders weicher Dämpfereinstellung schränkt die Fahrsicherheit ein, eine betont straffe Dämpfercharakteristik wirkt selten Komfort-konform. Der Ausweg aus dem Dilemma ist seit langem bekannt: die variable Dämpferregelung. In Personenwagen wird sie seit längerem in einigen, meist teuren Oberklassemodellen angeboten, im Lastwagen ist sie seit dem Debut des Mercedes Actros vor acht Jahren verfügbar. Variable Stoßdämpfer übertreffen ihre konventionellen Pendants, weil die mit fest vorgegebenen Kennlinien für die Zug- und Druckstufe dem weiten Anforderungsspektrum des alltäglichen Betriebs nicht hinreichend gerecht werden. Bei normaler Fahrt müßten die eigentlich "weicher" reagieren, bei Kurvenfahrten, Querbeschleunigungen (z.B. bei raschem Spurwechsel und starken Bremsmanövern) müssten sie im Sinne bestmöglicher Sicherheit hingegen "härter" zu Werke gahen.

Den Wunsch der Automobilhersteller nach einer derart situationsgerechten Schwingungsdämpfung erfüllt unter anderem ZF Sachs. Deren CDC stellt die Dämpfungshärte automatisch variabel auf die jeweilige Fahrsituation und Straßenbeschaffenheit ein. Das Ergebnis: eine deutliche Verbesserung der Fahrsicherheit und des Fahrkomforts, wovon wir uns bei Fahrtests auf abgespertrtem Terrain einmal mehr überzeugen konnten. Die technische Lösung für die wankarme Fahrt: Sensoren ertasten die Vertikalbewegungen an der Vorder- und Hinterachse, den Bremsdruck, Beladungszustand, die Fahrpedalbewegungen und Geschwindigkeit. Diese Werte werden von der zentralen Regel-Elektronik erfasst, ausgewertet und als Steuerungssignale an die mit einem elektrisch steuerbaren Ventil ausgestatteten Stoßdämpfer übermittelt. Die Dämpfercharakteristik verändert sich innerhalb von Millisekunden, das Fahrzeug reagiert also sofort. So werden Fahrsicherheit, Fahrkomfort und Ladegutschonung verbessert sowie Reifenverschleiß, Straßenbelastung und Verschleiß anderer Fahrzeugkomponenten vermindert.

Mit dem Verkaufsstart des neuen Opel Astra sollen die CDC-Produktionszahlen nun rasant ansteigen, erwartet ZF Sachs. Die elektronische Dämpferregelung von ZF Sachs war bislang vor allem in Sportwagen wie dem Ferrari 575 M und luxuriösen Limousinen wie dem Audi A8 vertreten. Mit der so genannten "Demokratisierung", der Verbreitung moderner Technik aus den oberen Fahrzeugklassen in die Volumenmodelle, fällt laut ZF Sachs der Startschuss für die Großserienproduktion des CDC.