Tagung der Kfz-Innung Region Stuttgart Neue Antriebe und Vertriebsstrukturen bleiben herausfordernd

Von Holger Zietz 3 min Lesedauer

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Auf der Regionaltagung der Kfz-Innung Region Stuttgart standen die Kernfragen der Branche im Fokus: Was sind die Antriebe und Kraftstoffe der Zukunft und welche Vertriebsstrukturen werden den Handel bestimmen?

Franz Loogen, Geschäftsführer der E-Mobil BW, hält synthetische Kraftstoffe für zu teuer und nicht ausreichend verfügbar.(Bild:  Zietz/»kfz-betrieb«)
Franz Loogen, Geschäftsführer der E-Mobil BW, hält synthetische Kraftstoffe für zu teuer und nicht ausreichend verfügbar.
(Bild: Zietz/»kfz-betrieb«)

Mit den großen Herausforderungen des Kfz-Gewerbes beschäftigte sich die Regionaltagung der Kfz-Innung Region Stuttgart, die am 9. März 2022 in Filderstadt stattfand. Welche Antriebsform wird sich bei den Kraftfahrzeugen durchsetzen und worauf muss sich der Autohandel mit Blick auf die neuen Agentursysteme einstellen? Zu diesen Fragen nahmen Experten Stellung.

Darunter war Franz Loogen, Geschäftsführer der E-Mobil BW GmbH. Sich auf eine Antriebsform festzulegen, sei viel zu kurz gedacht, sagte er. Strom, herkömmlicher Kraftstoff und synthetischer Kraftstoff würden die nähere Zukunft des Straßenverkehrs bestimmen. Wasserstoff als neue Technik sei aus seiner Sicht absolut unverzichtbar. Denn auch 2030 seien noch immer 80 Prozent der Fahrzeuge mit einem Verbrennungsmotor ausgestattet.

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Aber es sei auch jetzt schon sicher, dass die Produktionsanlagen für synthetische Kraftstoffe nicht ausreichen werden, um alle Verbrenner darauf umzustellen. Außerdem seien die synthetischen Stoffe sehr teuer. Also gehe nur ein Mix aus Antrieben. Deshalb seien die Werkstätten gut beraten, offen für alle zu sein, sagte Loogen.

Björn Noack von der Robert Bosch GmbH sieht die Entwicklung des Verbrenners dagegen noch nicht am Ende. Sowohl bei Kraftstoffen als auch beim Motor „geht noch was“. Sein Appell: Im Land der Tüftler müsse weiter an neuen Technologien gearbeitet werden, man dürfe nicht einfach aufgeben.

Jan Rosenow, Leiter Ressort Service & Technik in der Redaktion »kfz-betrieb«, sieht dagegen den Elektromotor aus technischer Sicht als den perfekten Automobilantrieb an. Das Problem sei aber die Batterietechnik. Die müsse in jeder Hinsicht weiterentwickelt werden, von der Energiedichte bis zur Recyclingquote. Gleichwohl gelte es zu bedenken: Die Gewinnung von Rohstoffen für Batterien sei zwar nicht unumstritten, aber auch die Förderung von Öl und Gas verursache große Schäden an der Umwelt, so Rosenow.

Ein erster Schritt auf dem Weg, klimaneutral zu werden, sei zweifellos die Beimischung von synthetischen Kraftstoffen zu Benzin und Diesel. Mit diesen können auch der Verbrennungsmotor Fortschritte in Sachen Klimaschutz machen. Doch das Tempo beim Ausbau alternativer Energien, die es für das Erreichen der Klimaziele brauche, sei eher beschämend. Um bezahlbare Alternativen zu den gewohnten Kraftstoffen zu entwickeln, hätte man schon vor Jahren damit beginnen müssen, kritisierte Rosenow.

ZDK-Geschäftsführerin Antje Woltermann informierte über den aktuellen Stand in Bezug auf die Neuauflage der Gruppenfreistellungsverordnung (GVO). Sie zeigte sich optimistisch, dass die Wettbewerbshüter in Brüssel aus den Erfahrungen der Vergangenheit gelernt und diesmal auch die Belange des Kfz-Handels im Blick hätten. „Man sieht in Brüssel die Sorgen und Nöte des Kfz-Gewerbes“, sagte Woltermann. Mit einer Verschlechterung der Position des Kfz-Gewerbes gegenüber dem Hersteller sei deshalb eher nicht zu rechnen. Die EU habe besonders die aktuell diskutierten Agenturmodelle fest im Blick.

Dem Präsidenten des baden-württembergischen Kfz-Gewerbes, Michael Ziegler, bereiten die Agenturmodelle dennoch große Sorgen. Ziegler sieht insbesondere auch den Gebrauchtwagenhandel des Händlers durch das Agentursystem bedroht. Der Hersteller könne so den lukrativen Handel mit jungen Gebrauchten an sich ziehen. „Mit der Agentur geben wir die unternehmerische Freiheit auf“, warnte Ziegler. Er sei sich sicher, dass die Hersteller eben doch versuchen werden, alle Kosten auf den Handel abzuladen.

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