Fahrbericht BYD Seal U – Ein Freund der Familie

Quelle: sp-x 3 min Lesedauer

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Mit einem neuen geräumigen SUV schließt der chinesische Marktführer bei den Elektroautos eine Lücke in seinem Angebot. In einer Disziplin ist die „Robbe“ vielleicht etwas zu gemütlich.

BYD tritt mit dem Seal U unter anderem gegen den VW ID 4 an.(Bild:  BYD)
BYD tritt mit dem Seal U unter anderem gegen den VW ID 4 an.
(Bild: BYD)

Mit ihrem neuen Mittelklasse-SUV BYD Seal U (ab 42.000 Euro) lassen die Chinesen ein Fahrzeug auf Europas Straßen los, das vor allem ein Freund der Familie sein möchte. Mit 160 kW/218 PS und dem für Elektroautos so typisch-zackigen Antritt kann das auf deutsch „Robbe“ übersetzte SUV dem Durchschnittsverkehr auch durchaus mal davonschwimmen. Aber die Botschaft aus Ambiente und Fahrwerk des im ab Februar erhältlichen SUV ist eine andere: Entspanne dich – und lass dich weich gefedert und mit kraftvoller Lenkradunterstützung über die geschwungene Landstraße tragen.

Es kann nichts passieren, weil die Assistenzsysteme schon ab Werk und Grundausstattung tätig werden, sollte sich die Karosse dem Seiten- oder Mittelstreifen nähern. Und vorher piept und vibriert es; dankenswerterweise hat BYD aber dazugelernt und die Töne deutlich leiser eingespielt. Auf Wunsch bleibt es auch ganz still, sodass man gelassen und locker durch die Kurven cruisen kann. Auch wenn der Sport-Modus durchaus sportliche Gene aus dem 175 Stundenkilometer schnellen Seal U kitzeln könnte.

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Ausreichend Platz und Komfort

Das Programm Eco ist indes das wahre Temperament für BYD und den Menschen hinterm Steuer. Und „Freizeit“ müsste der Überbegriff für den Aufenthalt im Innenraum heißen. Nicht nur für die Fondpassagiere, die sich auf den neigungsverstellbaren Rücksitzen zurücklehnen können und durch das Panoramadach (mit Öffnungsmodus) in den azurblauen Himmel schauen. Auch auf den ebenfalls serienmäßig kunstbelederten, belüft- und beheizbaren Sitzen stellt sich das Sänftegefühl ein.

Apropos Gefühl: Die günstigeren Fertigungspreise im Reich der Mitte investiert BYD in Kunststoffe, Schalter oder Metalle. Hierzulande wird an dieser Stelle oft deutlich stärker gespart. Dazu kommt eine angenehme Ambientebeleuchtung und ein in der Topversion Design (ab 44.990 Euro) gut ablesbares Head-up-Display – nur die Navi-Pfeile fehlen dort.

Schick sind auch der kristallin gestaltete Fahrstufenwähler oder die brillanten Displays hinter dem Lenkrad (12,3 Zoll) und auf der Mittelkonsole (bis zu 15,6 Zoll). Diese sind dort sogar auf Knopfdruck von quer auf hochkant drehbar – ein Hingucker, der für manche Situationen und Verwendungen des teilbaren Bildschirms durchaus sinnvoll scheint. Android Auto und Apple Carplay funktionieren bestens und auch (mit zwei Ladeschalen) kabellos. Selbst die Sprachbedienung versteht inzwischen deutsche Konversation überraschend gut.

Blade-Batterie im Fahrzeugboden

Wie die anderen Fahrzeuge des ursprünglich reinen Batterieherstellers BYD verfügt auch das SUV über eine sogenannte Blade-Batterie im Boden. Die Zellen im Unterboden sind dünn und lang und erstrecken sich fast über die gesamte Fahrzeugbreite. Das erhöht zum einen die Sicherheit und senkt andererseits die Kosten. Die preiswerten Lithium-Eisenphosphat-Akkumulatoren können sehr kompakt und flach montiert werden und sind integraler Bestandteil der Plattform 3.0. Diese Bauweise erhöht die Steifigkeit, senkt das Gewicht und macht den Innenraum ein Stück besser nutzbar.

Klappt man die Rücksitze um, passen auf die ebene Ladefläche des Seal U bis zu 1.440 Liter Gepäck – Platz unter dem Boden für dies und das und Ladekabel ist auch noch da und an den Haken könnte der Seal U bei Bedarf 1.300 Kilo nehmen.

Bei entspannter Fahrweise muss man mit dem Seal U nicht allzu schnell die nächste Säule anfahren. Beim größeren der zwei Akkus sind bis zu 500 Kilometer WLTP-Reichweite drin – und auch die kleinere 71,8 kWh-Variante bringt das SUV noch mehr als 400 Kilometer weit. Zumindest im frühlingshaften Portugal, wo der Verbrauch unter der 20-kW-Marke bleibt. Im winterlichen Deutschland ist der Wert wohl derzeit nicht zu erzielen.

Ladeperformance noch ausbaufähig

Also besser kommod voran – zumal der Seal U in einer Disziplin etwas zu gemütlich für viele Interessenten sein dürfte: Geladen wird über den dreiphasigen 11-kW-Onboardlader an der Wallbox oder mit relativ überschaubaren 115 kW (mit kleinerem Akku) oder maximal 140 kW mit der 87-kWh-Batterie an der Schnellladesäule. Damit sind die Akkus in 27 beziehungsweise 28 Minuten auf 80 Prozent gefüllt – allerdings ausgehend von einem Füllstand von 30 Prozent. BYDs Konkurrenten rechnen meist ab 20 Prozent. Ein Peugeot 3008 etwa kommt in der gleichen Zeit zehn Prozentpunkte schneller auf den ebenso vollen Akku.

Die serienmäßige Wärmepumpe erhöht auch unter widrigeren Bedingungen die Reichweite. Dazu kommt die Vehicle-to-Load-Funktion, mit der die Akkus als Energiespeicher nutzbar sind – beim Strand-Picknick für Elektrolampen, -grills oder Lautsprecher etwa. Die Chinesen versprechen acht Jahre Garantie für bis zu 200.000 Kilometer Laufleistung. Bis März wird der fehlende Umweltbonus noch mit 3.000 Euro Rabatt ausgeglichen.

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