Neues Lieferservice-Konzept von Michelin
Mit einem verbesserten Lieferservice für Pkw- und Nutzfahrzeugreifen will Michelin seinen Handelspartnern helfen, Kosten zu sparen und die Reifenlogistik effizienter gestalten.
Michelin verweist auf die großen ökonomischen Herausforderungen, die der Reifenmarkt heute, vor allem aber in der Zukunft stellt. Darauf müssen, so die Erkenntnis, alle Marktteilnehmer reagieren und ihre Ressourcen sinnvoll und gezielt zugunsten ihrer Kunden einsetzen. Matthias F. Grün, Geschäftsbereichsleiter Pkw- und Transporter-Ersatzmarkt: "Die Verteilungskosten weisen eine seit Jahren steigende Kurve auf.".
Kern des neuen Michelin-Logistik-Konzeptes in Deutschland, Österreich und der Schweiz: Das Unternehmen beliefert künftig seine Handelspartner zum Zeitpunkt des tatsächlichen Bedarfs. Dieses Verfahren reduziert die Kosten und erlaubt eine effizientere Bearbeitung der Bestell-, Einlagerungs- und Liefervorgänge im Handel. Das Personal kann sich mehr um die Endkunden und die Verkaufsförderung kümmern, argumentiert Michelin. Das ist aber auch eine Abkehr vom Status quo: Auslieferung der Ware grundsätzlich innerhalb von 24 Stunden. Erforderlich ist dafür allerdings zweifellos ein Umdenken beim Handel mit sorgfältiger Vorausplanung der Mengen und Dimensionen.
Die Neuorganisation der Michelin-Lieferkette, die als "Supply Chain" bezeichnet wird, enthält drei Strategien:.
Zunächst ein universelles Standardangebot für kleine Liefermengen. Hier gilt künftig eine Lieferfrist von drei Tagen nach Eingang der Bestellung. Bei Bedarf und auf ausdrücklichen Wunsch des Händlers ist aber auch weiterhin eine kostenlose Lieferung innerhalb 24 Stunden möglich (nur sollte das nicht der Regelfall bleiben). "Der Händler kann damit sein Lager sinnvoll optimieren", erklärt Martin Machran, Supply Chain-Manager, "wir helfen ihm dabei mit einem speziellen Projekt, das vom Außendienst umgesetzt wird."
Die zweite Variante richtet sich an Michelin-Vertriebspartner, die große Volumen beziehen. Sie vereinbaren künftig feste Liefertage und geben die Bestellung 2-3 Tage vor Lieferung auf. Beispiel: Liefertage Montag und Donnerstag. Die Bestellungen werden dann am Donnerstag für den darauf folgenden Montag und am Dienstag für den darauf folgenden Donnerstag aufgegeben. Bei Bedarf können die jeweiligen Bestellungen aber auch von dieser Kundengruppe am Vortag der Lieferung ergänzt werden. Mit dieser Rationalisierung können Reifenhändler ihren Aufwand erheblich reduzieren und trotzdem flexibel auf Bedarfsspitzen reagieren. Erste Erfahrungen mit 150 Verkaufsstellen (D/A/CH) bis Mitte April ergaben laut Martin Machran "volle Akzeptanz und eine hohe Kundenzufriedenheit".
Bei der dritten Gruppen-Strategie hat Michelin Großkunden im Visier, die ab Werk bestellen und geliefert bekommen. Als Definition für Großkunden nennt Matthias F. Grün "mehr als 1,5 Tonnen Liefermenge pro Woche". Dies betrifft in Deutschland etwa zehn Handelsunternehmen und die Montagezentren der Automobilhersteller. Die Lieferung ab Werk wird gezielt für Produkte mit sehr hoher Umschlagshäufigkeit angeboten und erfolgt innerhalb von einer bis maximal drei Wochen zu einem vorher vereinbarten Termin.
Als Maßstab für die Machbarkeit des neuen Service-Konzeptes diente Michelin ein Pilotprojekt in der Region Crimmitschau (bei Leipzig), das vom September 2002 bis zum Januar 2003 durchgeführt wurde. "Es handelt sich dabei um ein Gebiet mit überwiegend kleinen Händlern mit wenig Lagerkapazität", erläutert Pascal Beverel, Supply Chain Manager, "insgesamt waren in das Pilotprojekt rund 3000 Verkaufsstellen (POS) integriert." Als Ergebnis wurde das neue Logistik-Angebot durchweg sehr gut angenommen. Die beteiligten Händler waren von dem Angebot offensichtlich auf breiter Basis überzeugt, insbesondere die konzentrierte Lieferung stieß auf ungeteilte Zustimmung. Beverel: "Das ist mehr als wir erwartet hatten." "Die ersten Erfahrungen bei den beteiligten Händlern waren positiv", bilanziert Matthias F. Grün, "weil wir die Profitabilität der Betriebe durch Kostenreduzierung und Automatisierung der Bestell- und Fakturierungsvorgänge (EDI, Bibserve) erhöhen. Es geht auch nicht um Einsparungen bei uns, sondern darum, die wachsenden Verteilungskosten der Zukunft in den Griff zu bekommen."
Der Vorteil des neuen Konzeptes mit drei Bausteinen ist für Michelin eine effizientere Planung der Warenströme und Lkw-Einsätze. In den ersten Monaten hat sich eine deutliche Reduzierung der Anzahl der Lieferungen ergeben, dabei stieg die Menge pro Lieferung um nahezu ein Drittel. "Das Konzept setzt allerdings die Verfügbarkeit der Produkte in den Werken voraus", weiß Dr. Klaus Neb, Leiter Geschäftsbereich Nutzfahrzeugreifen, "aber wir haben auch in diesem Bereich jüngst sehr viel investiert, das wird sich jetzt auswirken." (kpb)
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