Neues vom Aktenzeichen XY Wenzel ungelöst!
Nächster Akt im Wirtschaftskrimi: 19 Autohaus-Betriebe sind in ihrer Existenz bedroht. Toyota kündigt Autohaus am Norisring GmbH die Verträge. Ex-Inhaber Hans-Jürgen Wenzel telefoniert mit "kfz-betrieb" ONLINE.
Aus für die Wenzel-Gruppe: In dem Insolvenzantragsverfahren über das Vermögen der Unternehmensgruppe Wenzel Holding GmbH, Carl-Zeiss-Str. 14-16, 28816 Stuhr (HRB 7621, Amtsgericht Heilbronn), vertreten durch Hans-Jürgen Wenzel (Geschäftsführer) ist am 30. Januar 2004 im Amtsgericht Syke gegen die Antragsgegnerin ein allgemeines Verfügungsverbot erlassen sowie die vorläufige Verwaltung angeordnet worden. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter ist Rechtsanwalt Dirk Oelbermann, Ostertorsteinweg 74/75, 28203 Bremen, Telefon (0421) 79257-0, Fax: (0421)7925757 bestellt worden.
Rückblende: Weil die Wenzel-Holding schon seit geraumer Zeit in finanziellen Schwierigkeiten steckte, hat im Herbst 2003 eine Investorengrupppe 3,6 Millionen Euro in das Unternehmen gebuttert, um das operative Geschäft aufrechterhalten zu können. Zwei Millionen Euro legte der Hamburger Rechtsanwalt Dr. Wolf an, 1,1 Millionen Euro kamen von der Bremer Autovermietung Caro. Der Rest entfiel auf Kleininvestoren. Jürgen Gänsmantel, Ex-Vertriebschef für internationale Großkunden bei Volkswagen, sollte als Geschäftsführer den Laden schmeißen. Doch es kam anders: Ende November ging das Unternehmen an einen französischen Unternehmer namens Jean de Wulf - ein bis dato gänzlich Unbekannter in der Autohandels-Landschaft. Dem Franzosen werden glänzende Geschäftsbeziehungen nach Afrika nachgesagt. Und wer dort Autogeschäfte abwickeln wollte - was das Geschäftsmodell wohl unter anderem vorsah - der kommt traditionell nicht an Frankreich vorbei. Der Plan schlug fehl, de Wulf fuhr den Firmenkarren noch tiefer in die Krise. Der Vorwurf der "Insolvenzverschleppung" lag in der Luft.
Die Krise kulminierte Anfang dieses Jahres: Am 16. Januar 2004 mußte Bremens größter Fiat-Händler, die zur Holding zählende "R&R Automobile" alle Fiats, Lancias und Alfa Romeos an die Hersteller zurückgeben. Denn die drei Niederlassungen in Bremen, Stuhr und Osterholz-Scharmbeck und ihre Muttergesellschaft, die Wenzel-Gruppe, standen kurz vor der Pleite, zum zweiten Mal seit dem vergangenen Sommer. Die Bremer Mitarbeiter haben zum Teil seit November keinen Lohn mehr erhalten. Das Insolvenzverfahren lag in der Luft. Auch andernorts zogen über den Autohäusern dunkle Wolken auf.
Fakt ist heute: Alle zur Gruppe gehörenden Autohaus-Standorte sind betroffen. Zur Wenzel-Holding gehören laut Organigramm auf der Homepage: R&R Automobile GmbH, Osterholz-Scharmbeck, R&R Automobile GmbH, Bremen, R&R Automobile GmbH, Stuhr/Bremen, R&R Autohandel GmbH, Stuhr/Bremen, R&R Premium Cars GmbH, Stuhr/Bremen, Autohaus Korn GmbH, Haldensleben, Autohaus Haldensleben GmbH, Autozentrale GmbH Mosbach, Frankengarage Erlangen, Erlangen-Eltersdorf, Autohaus am Norisring GmbH, Nürnberg, Frankengarage Fürth, Fürth, Autohaus Münch GmbH, Fürth, BCC British Car Company GmbH, Nürnberg, Volvo Autozentrum Heilbronn, R&R Autohandel GmbH, Heilbronn und die AVN Autovertrieb Neuenstadt GmbH, Heilbronn.
Nach Angaben von Toyota-Sprecherin Petra Alefeld-Wehner wurde der Nürnberger Autohaus am Norisring GmbH und zwei weiteren Betriebsstätten in Erlangen und Fürth in der vergangenen Woche die Verträge gekündigt. Alle Neufahrzeuge wurden vom Hersteller zurückgeholt. Aber: Die Häuser sind offen, Werkstatt- und Servicebetrieb laufen weiter. Toyota Motor Deutschland ist Mieter der Standorte und wolle jene auch halten. Mit Hochdruck würden Verhandlungen mit Autohändlern geführt. Beim Importeur geht man davon aus, dass die Standorte spätestens im März wieder adäquat besetzt sind.
Gerüchte, wonach sich der Ex-Firmeninhaber Hans-Jürgen Wenzel nach Südafrika abgesetzt hat, erwiesen sich als falsch. Im Gespräch mit "kfz-betrieb" ONLINE wies Wenzel Vorwürfe zurück, in die Machenschaften des neuen Eigentümers verstrickt zu sein. Er sei beim Firmenverkauf von der Ernsthaftigkeit des Franzosen de Wulf überzeugt gewesen, das Unternehmen sanieren zu wollen.
Die seit 1996 im Automobilhandel tätige Unternehmensgruppe vertrieb bislang in ihren Niederlassungen elf Marken deutscher und ausländischer Fahrzeughersteller. 2003 sollten insgesamt 12.000 Fahrzeuge abgesetzt und damit die 200-Millionen-Euro Umsatzmarke übersprungen werden. Aktenzeichen XY Wenzel - wir bleiben dran am Wirtschaftskrimi.