IAA Omoda und Jaecoo kommen mit fünf Modellen

Von sp-x 5 min Lesedauer

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Dieser Hersteller kleckert nicht: Gleich mit zwei Marken und fünf verschiedenen Modellen startet der Chery-Konzern in Europa. Vor allem mit Nutzwert und Reichweite wollen die Chinesen punkten.

Chery will mit Omoda und Jaecoo bald auch in Deutschland starten.(Bild:  Wehner - VCG)
Chery will mit Omoda und Jaecoo bald auch in Deutschland starten.
(Bild: Wehner - VCG)

Königsplatz – der Auftrittsort klingt nun nicht gerade nach Hausmannskost. Aber eigentlich passt der imposante Ort mit dem Triumphbogen durchaus zum Anspruch eines Herstellers, der Weltgeltung hat: Mehr als 60 Milliarden Euro Umsatz, 2,6 Millionen verkaufte Fahrzeuge, davon fast die Hälfte in über 80 Ländern außerhalb Chinas, 15 Fertigungsstätten weltweit und längst auch im ehemaligen Nissan-Werk in Barcelona. Zu Bescheidenheit ist also kein Anlass. Doch die ersten Fahrzeuge, die aus dem Konzern zu sehen sind, dürften nicht für aufgeregtes Staunen sorgen.

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Solide und vertrauenserweckend, aber eher unauffällig kommen Omoda und Jaecoo daher. Beide Marken präsentieren gleich fünf SUVs - zwei vollelektrische Fahrzeuge (BEV) und drei Plug-in-Hybride (PHEV). Damit bereiten sie sich auf ihren offiziellen Marktstart in Deutschland direkt nach der Messe vor. Jeff Zhang, Chef von Chery International, erklärt, warum sein Unternehmen anders als andere vergleichbare chinesische Marken eher ein Spätstarter ist: „Unser Ansatz folgt der Philosophie ‚slow is fast‘: Wir nehmen uns die Zeit, das Vertrauen der europäischen Fahrerinnen und Fahrer zu gewinnen.“ Besonders bei Service und Händlernetz will er schnell Augenhöhe zu den europäischen Wettbewerbern erreichen.

Jaecoo kantiger, Omoda als Crossover

Bei den Produkten ist das optisch und von der Papierform her durchaus gelungen. Die Jaecoo sind etwas kantiger, freizeitorientierter, die Omoda eher rundlicher in Richtung Crossover gestylt. Sauber verarbeitet, wohnlich, mit viel Platz und unaufgeregten Fahrleistungen warten alle fünf auf. Die technischen Konfigurationen sind bei den BEV und PHEV der beiden Marken sehr ähnlich, was auf gleiche Plattformen deutet. Und auch bei den Abmessungen vom klassischen kompakten SUV bis zur oberen Mittelklasse unterscheiden sich die Marken nur wenig. Die Omoda will Zhang aber grundsätzlich mit Einstiegspreisen ab 30.000 Euro für das kleinste Modell etwa 10.000 Euro günstiger anbieten als die Jaecoo. Genaue Preise nennt der Manager noch nicht.

Bei Jaecoo ist das technische Herzstück der 7 PHEV. Dieses 4,5 Meter lange SUV ist gerade für Vielfahrer wohl das interessanteste Angebot der Fünferbande. Er kombiniert einen Plug-in-Hybrid-Antrieb mit einem 60-Liter-Tank und ermöglicht damit Reichweiten von bis zu 1.200 Kilometern. Rein elektrisch fährt er nach WLTP-Norm bis zu 90 Kilometer. Angetrieben wird er von einem 150 kW/204 PS starken Elektromotor, unterstützt durch einen Benziner mit 105 kW/143 PS. In ausreichenden 8,5 Sekunden geht´s aus dem Stand auf Tempo 100, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 180 km/h. Der Lithium-Eisenphosphat-Akku fasst 18,3 kWh brutto und lässt sich an Schnellladestationen mit bis zu 40 kW laden, was auch das zügige Füllen in der Urlaubspause ermöglicht. Das Kofferraumvolumen umfasst regulär 500 Liter und kann bei umgeklappten Rücksitzen auf 1.265 Liter vergrößert werden. Bei einer ersten kurzen Ausfahrt zeigt sich ein geräumiges Kompakt-SUV mit kräftigem Antrieb und hochwertigem Innenraumauftritt bei Verarbeitung und Materialqualität. Dazu gibt es eine sehr umfangreiche Ausstattung mit großen Displays, Panorama-Dach und viel Komfort. Mit einem Einstiegspreis von rund 41.000 Euro ist er kein Preisbrecher, gemessen an Größe und Ausstattung jedoch fair positioniert.

Zweiter Jaecoo ist der 5 BEV, mit 4,38 Meter Länge ein kompakteres SUV-Modell – aber bei Radstand von 2,62 Metern fast ebenso geräumig für die Reisenden. Auch das Kofferraumvolumen überzeugt für einen Kompakten mit Platz von 314 Litern auf bis zu 1.274 Liter, ergänzt durch einen 35 Liter großen Frunk. Bei den Fahrleistungen sind die Jaecoos beide eng beieinander – bis auf die Reichweite, versteht sich. Der 5 BEV soll bis zu 402 Kilometern weit kommen und mit maximal 130 kW wieder nachladen können. Genaue Preise nennt der Hersteller für dieses Modell wie den Rest der Palette noch nicht.

Omoda-Modelle: Stadtorientiert und preisbewusst

Omoda soll sich im Unterschied zu Jaecoo stärker an Kunden in der Stadt richten – und auch an preisbewusste Privatkunden. Zwei Modelle sind Plug-in-Hybride: Der Omoda 7 kommt auf eine Länge von 4,66 Metern, während der Omoda 9 als Flaggschiff mit 4,78 Metern etwas größer ausfällt. Fünf Reisende auf großer Fahrt fühlen sich in beiden nicht beengt. Beide Modelle teilen sich den gleichen 105 kW/143 PS starken Benzinmotor, unterscheiden sich jedoch bei den Elektroantrieben. Im Omoda 7 arbeitet ein 150 kW/204 PS starker Elektromotor, der das SUV in 8,4 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigt. Im stärkeren Omoda 9 liefert der Elektromotor 340 kW/462 PS, womit der Sprint nach 4,9 Sekunden gelingt. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 180 km/h. Reichweiten von mehr als 1.000 Kilometern sind auch hier zentrales Verkaufsargument. Wie der Verbrauch dabei aussieht, wird erst ein längerer Test belegen. Auch die Kofferraumvolumina ähneln einander: 478 Liter beim Omoda 7 beziehungsweise 471 Liter beim Omoda 9, erweiterbar auf je knapp 1.000 Liter.

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Drittes Modell der Marke ist der rein elektrische Omoda 5 BEV. Mit 4,42 Metern Länge und einer Motorleistung von 155 kW/211 PS gleicht er in seinen Basiswerten weitgehend dem Jaecoo-BEV. Auch bei den Fahrleistungen kommt er ähnlich ordentlich voran, ohne sportliche Leistungen anzustreben. Beim Kofferraum stehen 314 Liter Basisvolumen, bei Bedarf auf 1.284 Liter erweiterbar. Der kleine Frunk mit 19 Litern reicht für den Kabelsalat.

Service- und Händlernetz im Aufbau

Beide Marken profitieren von einer gemeinsamen Organisation, die neben Vertrieb und Marketing auch den Kundendienst in Deutschland verantwortet. Manager Zhang betont, dass Chery inzwischen ein europäisches Entwicklungszentrum in Raunheim bei Frankfurt betreibt, das Fahrwerksabstimmungen und Zulassungen für den europäischen Markt übernimmt. Wichtig für die Kunden: Für den deutschen Markt sollen bis Ende des Jahres rund 45 Händlerstandorte aufgebaut werden, mit dem Ziel, 2026 auf etwa 100 zu erweitern.

Insgesamt zeigt sich Chery mit Omoda und Jaecoo als einer der ambitionierten chinesischen Neueinsteiger, die sowohl klassisch-elektrische als auch hybride Antriebe ins Spiel bringen und dabei auf eine vielfältige Kundschaft in Deutschland zielen. Die Technik ist solide, hebt sich aber aktuell kaum durch Spitzenwerte ab – zumindest bei den reinen Elektroautos. Besonders der PHEV mit seiner Riesen-Reichweite könnte jedoch bei klassischen Dieselfahrern auf Interesse stoßen.

Und mit Hausmannskost wollen sich die ehrgeizigen Chinesen auf Dauer ohnehin nicht begnügen: Im Portfolio steckt mit Exlantix längst auch eine Marke mit Premiumanspruch. Wem aber selbst das noch nicht abgehoben genug ist: Die Chinesen arbeiten längst auch an vollautonomen Flugtaxis. Aber das ist wohl frühestens etwas für den nächsten Auftritt am Königsplatz.

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