Opel: Service-Partner fühlen sich ausgegrenzt

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Die Interessengemeinschaft der Opel-Spezialisten (Igedos) will in die Verhandlungen um neue Händlerstandards einbezogen werden.

Die Interessengemeinschaft der Opel-Spezialisten (Igedos/vormals AOS) fühlt sich bei den Verhandlungen mit der Adam Opel AG um die neuen Händlerstandards schlichtweg übergangen.

Igedos-Sprecher Walter Zimmer machte auf der gestrigen Mitgliederversammlung in Gernsheim seinem Unmut Luft: „Bislang wurden wir in die Vertragsgespräche so gut wie nicht eingebunden. Es kann nicht sein, dass der Hersteller nur mit dem Verband der Opel-Vertragshändler (VDOH) über die Zukunft der Betriebe spricht. Um die spezifischen Interessen der Opel-Servicepartner geltend machen zu können, wollen wir künftig mit am Tisch sitzen."

Ihre Kritik an den jüngst vorgelegten Verträgen und Standards äußerten die Igedos-Mitglieder gegenüber Imelda Wander-Labbé, Service-Chefin der Adam Opel AG, und dem Leiter der Opel-Vertriebsnetzentwicklung Dirk Horstmann. Schützenhilfe bei der äußerst lebhaft geführten Diskussion erhielten die Opel-Partner von ZDK-Geschäftsführerin Antje Woltermann und Prof. Dr. Jürgen Ernsthaler, Rechtsexperte an der Universität Kaiserslautern.

Besondere Bauchschmerzen bereiten den Servicepartnern zwei Problemfelder: Zum einen sind dies die steigenden Anforderungen im Hinblick auf EDV-Ausstattung und Mitarbeiterschulung. So etwa fordert Opel künftig für jeden Service-Betrieb mindestens drei ausgebildete Kfz-Mechaniker/Service-Techniker. Dazu Antje Woltermann: "Es stellt sich die grundsätzliche Frage, ob sich die dafür erforderlichen Mehrinvestitionen für einen Opel-Servicepartner betriebswirtschaftlich überhaupt rechnen.“

Ein noch größeres Problem sehen die Opel-Partner in der vom Hersteller geforderten Offenlegung und Weitergabe ihrer Finanz- und Werkstattkunden-Daten. Dem von Opel vorgebrachten Argument, dass diese Daten ausschließlich zu Zwecken der Betriebsberatung und des Marketings verwendet werden, mochten viele Händler nicht trauen. Sie befürchten vielmehr eine unbefugte Weitergabe ihrer Daten an Mitbewerber aus dem Händlernetz. Vorstandsmitglied Rolf Höschele, der jüngst als Mitglied einer Igedos-Delegation zu Gesprächen mit der EU-Kommission über die neuen Händlerstandards in Brüssel weilte, brachte die Bedenken seiner Kollegen auf den Punkt: „Die neuen Verträge legen den Verdacht nahe, dass Opel seine Servicespartner künftig zu bloßen Franchise-Nehmern machen will.“

Prinzipielle Meinungsunterschiede gibt es auch bei der juristischen Einschätzung des Vertragsverhältnisses zwischen der Adam Opel AG, Vertragshändlern und Verkaufsvermittlern. So vertat Händlernetzentwickler Dirk Horstmann die Auffassung, dass Opel im Vertragsverhältnis zwischen Händler und Vermittler ein verbrieftes Zustimmungsrecht habe. Dem widersprach Rechtsexperte Prof. Jürgen Ernsthaler: "Vermittlerverträge gehen den Hersteller grundsätzlich nichts an."

In punkto EDV gab Service-Chefin Imelda Wander-Labbé bekannt, dass Opel inzwischen die Generallizenz für "Werbas" erworben habe. Das gemeinsam mit dem Anbieter entwickelte Werkstatt-Programm werde den Opel-Partnern alsbald zur Verfügung stehen.

Bedenken einiger Händler, dass Werbas durch die verspätetet Definition der EDV-Schnittsellen die flächendeckende Umsetzung im Netz nicht mehr rechtzeitig zum 1. Oktober schaffen könnte, teilte Wander-Labbé nicht. Ebenso wehrte sie sich gegen den Vorwurf, Opel habe "mit dieser Taktik konkurrierende Anbieter bewusst aus dem Wettbewerb gedrängt". Dazu die Opel-Service-Chefin: "Das Werbas-Programm ist für die Händler keineswegs verpflichtend. Sofern ein anderes System sämtliche Schnittstellen-Funktionen von Opel erfüllt, kann sich jeder Händler frei für ein solches System entscheiden."