Start-ups, die in die Automobilproduktion einsteigen wollen, kamen zuletzt überwiegend aus China. Zum Pariser Autosalon drängt nun ein Anbieter nach vorne, der aus Vietnam stammt. Vinfast heißt der neue Konkurrent, der alles andere als automobile Wurzeln hat.
Vinfast ist ein neuer Hersteller aus Vietnam, der von Anfang an auch auf westliches Know-how setzt.
(Bild: Vinfast)
Der vietnamesische Automobilhersteller Vinfast gestaltet seine internationale Premiere auf dem Pariser Autosalon (2. bis 14.10.2018) mit zwei Modellen. Ganz zeitgemäß ist ein SUV dabei, aber auch eine Limousine. Beide sollen „vietnamesischen Geist mit italienischem Design und deutscher Technologie“ kombinieren, wie es im Pressetext der Vorankündigung des Debütanten heißt. Übersetzt bedeutet das, dass der Autobauer die Optik von Pininfarina zeichnen ließ und für die Technik auf den österreichisch-kanadischen Zulieferer und Kleinserienfertiger Magna setzt.
Eine lange Motorhaube, ein klassischer Kofferraum und horizontale Karosserie-Linien schaffen eine elegante Note für die Premium-Limousine. Die muskulösere Motorhaube des SUV soll dem anderen Modell eine sportlichere Identität verleihen. Das Markenzeichen ist ein verchromtes „V“-Emblem im Zentrum des Kühlergrills. Es wird rechts davon von einer asymmetrischen horizontalen Chromleiste ergänzt, die zusammen mit dem LED-Tagfahrlicht ein kursives „F“ Motiv ergibt und somit für die zweite Silbe von Vinfast steht.
Neue Player in einem gesättigten Markt müssen quasi naturgesetzlich mit herkömmlichen Regeln brechen, Vinfast führt die Demokratisierung des Designs ein. Interessierte Vietnamesen, mehr als 62.000 Menschen, stimmten zu Beginn des Designprozesses über die Richtung ab. 20 Designskizzen von vier weltbekannten italienischen Autodesign-Häusern lagen vor. Am Ende wurde ausgehend von den erfolgreichen Konzepten von Italdesign das endgültige Erscheinungsbild von Pininfarina weiterentwickelt und vervollständigt.
Weitere technische Informationen zu den beiden Modellen oder auch Verkaufsziele gab Vinfast noch nicht bekannt. Doch die Unternehmensspitze gibt sich ambitioniert. „Wir verfügen über die erforderlichen Ressourcen, die nötige Skalierbarkeit und die Motivation, um ein bedeutender neuer Akteur auf dem globalen Automobilsektor zu werden“, wird James Deluca, Chef der Vinfast Trading and Production LLC, in einer Mitteilung zitiert.
Erst der Heimatmarkt, dann Asien
Fakt ist, dass Vinfast seine ersten Autos Ende des Jahres zunächst im Heimatland auf den Markt bringen will. Doch die klassischen betriebswirtschaftlichen Mechanismen werden auch bei Vinfast greifen, so dass höhere Stückzahlen nötig oder wünschenswert sein werden. Jedenfalls plant Pham Nhat Vuong, der Chef des Mutterkonzerns Vin Group, Vinfast zu einer globalen Marke zu entwickeln. Entsprechend gilt es in Branchenkreisen als sehr wahrscheinlich, dass Vinfast ab dem Jahr 2021 beginnen wird, Autos zu exportieren, auch nach China.
Ob sich der Neuling in etablierten Automobil-Nationen wie Japan und Südkorea durchsetzen kann, lässt sich derzeit nicht seriös beantworten. Auf jeden Fall wird Vinfast versuchen, mit qualitativen Argumenten zu punkten: Deutsche Ingenieurskunst, italienisches Design und hochwertige Qualität. Eines ist aber sicher: Mit seinem Debüt in Paris wird Vinfast der erste Automobilhersteller Vietnams sein, der an einer großen internationalen Automobilmesse teilnimmt.
Produziert wird in der vietnamesischen Provinz, was wohl die Lohnkosten auf lange Sicht auf sehr niedrigem Niveau halten dürfte. Dazu entsteht zirka zwei Stunden von Hanoi entfernt, in Hai Phong, eine nagelneue Automobilfabrik. Innerhalb der letzten zwölf Monate wurde auf der Insel Cat Hai eine riesige Produktionshalle aus dem Boden gestampft. Das Werk ist auf einer Fläche von 335 Hektar verteilt, von denen 120 Hektar dem Wasser „entwendet“ wurden. Entstanden sind zudem ein Zuliefererpark und ein Tiefseehafen, den Schiffe mit 100.000 Bruttoregistertonnen anlaufen können.
Vom Fast-Food-Verkäufer zum Milliardär
Doch woher kommt Vinfast eigentlich? Die Geschichte beginnt vor 25 Jahren, als ein junger vietnamesischer Absolvent des Moscow Geological Prospecting Institut mit einem Lada in die Ukraine reist. Dort gründet Pham Nhat Vuong eine Fast-Food-Kette, die dehydrierte Reispaste als Spezialität anbietet. 2009 zahlt Nestlé rund 150 Millionen US-Dollar an seine Firma. In Vietnam baut er sich mit Immobilien, Tourismus, Themenparks, Bildung, Gesundheit und diversen Einkaufszentren ein Imperium ohnegleichen auf – die Vin Group. Er ist der erste vietnamesische Milliardär in der Geschichte des Landes. Jetzt erfüllt er sich den nächsten Traum: die erste Automobilproduktion Vietnams.
Wie sehr sich die Zeiten in Vietnam ändern, zeigt sich am Chefposten der Vinfast Trading and Production LLC: James Deluca ist amerikanischer Staatsbürger, war langjähriger GM-Vorstand und seit Jahrzehnten in der Automobilindustrie in vielen globalen Funktionen tätig. Ihn hatte einst Konzerngründer Pham eingeladen, ein neues Auto-Projekt zu beginnen. Um dieses Ziel zu erreichen, geizte Pham nicht. Fast 3,5 Milliarden Dollar stecke er in das Auto-Projekt, was Vinfast wohl zu dem finanziell am besten ausgestattete Start-up in der Automobilbranche in den vergangenen zehn Jahren macht. Die Mitarbeiter kommen aus der ganzen Welt, viele aus Europa, Australien und Mexiko.
Stand: 08.12.2025
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Bereits am 1. September 2018 starteten 200 Mechatroniker ihre Ausbildung im firmeneigenen Trainingscenter. Die Ausbildung dauert zweieinhalb Jahre. Zwar sind bei der Werksbesichtigung noch teilweise große leere Hallen zu sehen, doch einige Arbeitsbereiche wie eine vollautomatisierte Lackiererei und die Produktion mit Roboter-Unterstützung sind bereits in der Endphase befindlich.