Großer Durchbruch blieb in Deutschland verwehrt
Trotz dieser teutonischen Eigenschaften gelang der 4,58 Meter langen Peugeot-505-Limousine – der Kombi folgte erst 1982 – weder in Deutschland noch im weltweit wichtigsten Markt Nordamerika der erhoffte ganz große Aufschlag. In den USA hakte es nach Unstimmigkeiten mit Kooperationspartner Chrysler am Vertriebsnetz und für schnelle Erfolge im Land der unlimitierten Autobahnen fehlte es dem Peugeot 505 anfangs schlicht an kurzfristig verfügbaren starken Maschinen.
Als die temperamentvollen Turbo-Benziner und -Diesel dann endlich verfügbar waren, hatten neue Generationen von Audi 100 und Mercedes-E-Klasse bereits eine avantgardistische aerodynamische Revolution bewirkt, die den biederen 505 mit cW-Wert 0,44 schlagartig altern ließ. Dafür brachten die effizienten Saug- und Turbodiesel aus dem Peugeot 505 immerhin den Selbstzünder-Absatz bei Ford in Schwung. Liefen doch Sierra D und Granada D mit Power von Peugeot, dem damals weltweit erfolgreichsten Dieselmotorenhersteller.
Für Emotionen zuständig
Keine Enttäuschungen erwarteten den Peugeot 505 auf anderen Märkten, denn dort verdienten die komfortablen Reiselimousinen und Kombiversionen Break und Familiale – beide mit verlängertem Radstand – das für die Konzernsanierung dringend benötigte Geld. Allein die Realisierung aufregender Spezialitäten scheiterte an der schwierigen Finanzsituation: Das von Pininfarina formvollendet gezeichnete Allradcoupé Peugeot Griffe auf Basis des 505 blieb ebenso ein schöner Traum wie ein elegantes Cabriolet ohne Überrollbügel.
Für die Emotionen zuständig blieben daher die bei Rallyecross-, WRC- und Tourenwagen-Serien eingesetzten Limousinen und der 1987 eingeführte 505 Turbo Injection mit 128 kW/174 PS Leistung. Mit diesem aufgeladenen Vierzylinder fanden die Techniker in Sochaux endlich Anschluss an die 0-100-km/h-Sprintwerte Stuttgarter und Münchner Sechszylinder und auch die skandinavischen Turbos waren nun nur noch in der Vmax überlegen.
Unzerstörbarer Dauerläufer und Laderiese
Solche Leistungsduelle entlockten den meisten 505-Käufern kaum ein Schmunzeln, für sie waren andere Talente wichtig. Etwa das gigantisch anmutende Gepäckraumvolumen von 2.240 Litern beim 4,90 Meter langen 505 Break. Damit übertraf der Kombi seinen Erzrivalen Citroën CX ebenso wie die Laderiesen Volvo 240/740. Auch die sieben in Fahrtrichtung angeordneten Sitzplätze des 505 Familiale standen für einen Höhe- und vorläufigen Schlusspunkt in der Geschichte europäischer Mitteklassekombis.
Speziell für den Vertrieb und die Montageproduktion in Südamerika, Afrika und Asien – darunter auch China – behielt Peugeot einen bewährten 2,0-Liter-Benziner mit Vergaser und einen 2,3-Liter-Saugdiesel im Programm. Als fast unzerstörbare Arbeitstiere blieben die Peugeot dort fast bis zur Jahrtausendwende in Fertigung und vereinzelt bis heute als unzerstörbare Dauerläufer im Einsatz. In Europa stoppten die Bänder für den Peugeot 505 bereits 1992, nach knapp 1,4 Millionen Einheiten ganz ohne Aufsehen oder Abschiedsparty.
Er war halt ein stiller Held, aber er hatte dazu beigetragen, Peugeot und PSA vor dem Untergang zu bewahren. Der Konzern schrieb seit 1987 wieder schwarze Zahlen und leistete sich prompt gleich zwei Nachfolger für den Peugeot 505: Künftig sollte das Duo aus 405 und 605 die Macht des Löwen in der Mitte absichern.
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