Radialwellendichtringe richtig montieren
Ein Drittel der Frühausfälle beim Simmerring entsteht durch Montagefehler in der Kfz-Werkstatt.
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Radialwellendichtringe, meist Simmerringe genannt, sind bewährte, robuste und zuverlässige Dichtelemente. Bedingt durch die komplexen Wechselwirkungen im tribologischen System unterliegen sie jedoch einem natürlichen Verschleiß.
Der Simmerringhersteller Corteco hat allerdings ermittelt, dass rund 30 Prozent der Frühausfälle auf eine unsachgemäße Montage zurückzuführen sind. Das Unternehmen gibt Werkstätten deshalb praktische Hinweise zur fachgerechten Lagerung, zu den richtigen Montagewerkzeugen und zur korrekten Befettung der Simmerringe. Außerdem bietet Corteco Schulungen an, die die fachgerechte Montage zeigen und dazu beitragen, Schwachstellen im Umgang mit Simmerringen aufzudecken und abzustellen.
Häufige Schäden
Corteco hat vorzeitig ausgefallene Radialwellendichtringe (mit < 100 Betriebsstunden oder einer Laufleistung < 10.000 km) analysiert. Die Ursachen für die Ausfälle sind Folgende:
- 30 Prozent entfallen auf eine unsachgemäße Wellenbearbeitung,
- 30 Prozent auf eine unsachgemäße Montage,
- 10 Prozent auf eine fehlerhafte Dichtung,
- 15 Prozent auf Scheinleckage/kurzzeitige Leckage,
- 15 Prozent auf sonstige Ursachen wie Schmierstoffunverträglichkeit/zu hohe Temperaturen/Schwingungen/Verschmutzungen.
Radialwellendichtringe reagieren äußerst empfindlich auf mechanische Beschädigungen, die fast ausschließlich beim Handling und der Montage auftreten. Scharfe Kanten an Wellen- oder Gehäusefasern, Montage über Nuten und Verzahnungen und nicht adäquate Montagewerkzeuge stehen dabei als Verursacher an erster Stelle.
Die Ausfälle von Simmerringen sind oft mit Scheinleckagen verbunden. Eine häufige Ursache dafür ist, dass der Monteur den Bereich zwischen Dicht- und Schmutzlippe zu stark mit Fett füllt. Dieses kann innerhalb kurzer Zeit seine Konsistenz verlieren, es ölt aus und verursacht damit eine scheinbare Leckage.
Die Auswirkungen der unsachgemäßen Montage eines Radialwellendichtringes unterschätzen Werkstätten häufig. Dabei wird bereits bei der Montage die Lebensdauer mitbestimmt. Es gibt eine Vielzahl möglicher Störstellen. Viele scheinen auf den ersten Blick trivial, die Auswirkungen sind aber unter Umständen fatal. Deshalb sollte der Monteur Folgendes beachten:
- Auf beschädigte Verpackungen achten.
- Simmerringe möglichst bis zur Montage in der Verpackung belassen.
- Die Simmerringe vor Staub und Schmutz schützen.
- Die Simmerringe dürfen nicht mit scharfen Gegenständen wie Metallspänen, Fingernägeln oder scharfen Kanten von Montagewerkzeugen oder Wellen- und Gehäusefasen in Kontakt kommen.
- Befettete Simmerringe verschlossen oder abgedeckt aufbewahren.
- Die Simmerringe genau befetten (Menge, Platzierung), sonst treten Scheinleckagen auf.
- Die Dichtkanten nur mit dem Schmierstoff in Kontakt bringen, den sie später auch abdichten sollen.
Die Montage
Montiert der Kfz-Mechaniker den Simmerring mit dem Hammer, muss er eine Montageplatte benutzen. Bei zu hoher punktförmiger Belastung während der Montage besteht die Gefahr, dass sich die Dichtung verbiegt.
Klebt der Monteur den Simmerring in das Gehäuse ein, darf der Klebstoff auf keinen Fall auf die Welle oder an die Dichtlippe gelangen.
Die Werkstatt muss das Montagewerkzeuge exakt auf den jeweiligen Simmerring abstimmen und ihn, wenn möglich, mit einer hydraulischen oder pneumatischen Einpressvorrichtung in das Gehäuse einpressen. Dabei ist zu beachten, dass:
- es nicht zu einer Schrägstellung kommt,
- der Simmerring nicht deformiert wird,
- der Simmerring nicht unzulässig weit zurückfedert,
- der Simmerring exakt in der Bohrung fixiert ist.
Zudem darf der Monteur Montagegeschwindigkeiten von 100 bis 500 mm/min für Simmerringe mit einem gummierten Haftteil und 1.000 mm/min für Simmerringe mit einem metallischen Haftteil nicht überschreiten.
Um die Rückfederung und Schrägstellung von gummierten Simmerringen zu minimieren, empfiehlt es sich, die Dichtung nicht in einem Zug zu montieren, sondern diese zirka einen Millimeter vor der endgültigen Position vollständig für etwa eine Sekunde zu entlasten und dann die Dichtung sanft zu positionieren.
Bei der Montage eines Aggregates mit einem zum Teil vormontierten Simmerring sollte ein Zentrierbolzen eingesetzt werden, um ein Verkanten und die Verletzung der Dichtlippe zu vermeiden.
Damit Werkstätten Informationen über den richtigen Umgang mit Simmerringen erhalten, bietet das Unternehmen Corteco das Buch „Der Simmerring“ an. Es enthält alle wichtigen Hinweise zur Schadensprävention und viele Montagetipps.
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Link: Corteco
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