Tesla Richtungsentscheidung in Grünheide

Quelle: dpa 3 min Lesedauer

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Wie geht es weiter mit dem Tesla-Werk in Grünheide? IG-Metall-Einfluss oder herstellerfreundlicher Betriebsrat, Ausbau oder Status Quo? im einzigen europäischen Tesla-Werk prallen unterschiedliche Arbeitskulturen aufeinander.

In der Tesla-Fabrik in Grünheide eskaliert der Streit um die Betriebsratswahlen. Tesla-Chef Elon Musk macht Stimmung gegen die IG Metall.(Bild:  Otto – VCG)
In der Tesla-Fabrik in Grünheide eskaliert der Streit um die Betriebsratswahlen. Tesla-Chef Elon Musk macht Stimmung gegen die IG Metall.
(Bild: Otto – VCG)

Ein Gespenst geht um im einzigen Tesla-Autowerk in Europa. Am Montag beginnt die Betriebsratswahl in Grünheide bei Berlin, die nach Ansicht des US-Elektroautobauers eine Richtungswahl ist: Es geht um nichts weniger als die Frage, ob die Fabrik weiter ausgebaut wird oder nicht. Tesla-Chef Elon warnt kurz vor der Wahl davor, dass er nicht kommen könnte. Dahinter steht der tiefe Konflikt zwischen der IG Metall und dem Unternehmen.

Der Tesla-Chef wandte sich in einer Videobotschaft persönlich an die Belegschaft in Grünheide in Brandenburg, um indirekt vor der Gewerkschaft zu warnen. „Die Dinge werden sicherlich schwieriger, wenn es sozusagen externe Organisationen gibt, die Tesla in die falsche Richtung drängen“, sagte Musk laut „Handelsblatt“. „Wir werden die Fabrik nicht schließen, aber realistisch gesehen werden wir auch nicht erweitern.“ Werksleiter André Thierig war extra zu Musk in die USA gereist.

Autobauer ohne Innovationen

Ob eine Erweiterung in Grünheide, im Hochlohnsstandort Deutschland, allerdings überhaupt realistisch ist, halten Branchenbeobachter für fraglich. Denn der Absatz von Tesla ist in Europa weiterhin rückläufig. „Tesla tut sich sehr schwer“, sagte der langjährige Branchenbeobachter Ferdinand Dudenhöffer der Deutschen Presse-Agentur. Tesla hat derzeit eher Überkapazitäten und der Gegenwind für die E-Mobilität in den USA verschärft die Situation noch. Dazu kommen fehlende Innovationen im Tesla-Angebot, das letztlich nur noch aus zwei Modellen besteht: Model Y und Model 3. „Nach meiner Einschätzung hat Tesla den Anschluss im Automobilgeschäft verpasst“, sagte Dudenhöffer.

Werksleiter Thierig hatte den Charakter einer Richtungswahl bereits im Dezember heraufbeschworen: „Sie entscheidet darüber, ob wir auch in Zukunft unabhängig, flexibel und unbürokratisch unseren Erfolgsweg weitergehen können“, sagte Thierig. „Ich kann mir persönlich nicht vorstellen, dass die Entscheidungsträger in den USA den Ausbau der Fabrik weiter vorantreiben, wenn die Wahl mehrheitlich Richtung IG Metall ausfällt.“

Der Ausbau ist marktabhängig

Die Tesla Gigafactory Berlin-Brandenburg öffnete vor knapp vier Jahren – im Beisein von Musk. Seitdem wurde die Fabrik stetig ausgebaut, das soll weitergehen. Die erste Teilgenehmigung für den Ausbau der Produktionskapazitäten hat Tesla schon erhalten. Das Projekt liegt wegen der Marktlage aber auf Eis. Im Dezember kündigte der Autobauer zudem an, die Voraussetzungen für eine Fertigung kompletter Batteriezellen in Deutschland ab 2027 zu schaffen.

Tesla beschäftigt in Grünheide rund 11.000 Menschen, das sind etwa 1.700 Beschäftigte weniger als vor zwei Jahren. Das Unternehmen spricht von normalen Schwankungen und einer stabilen Lage und verweist auch auf zahlreiche Märkte, die beliefert werden.

IG Metall will Tarifvertrag – Tesla lehnt ihn ab

Bei der Betriebsratswahl vor zwei Jahren stellte die IG Metall die größte Gruppe, die Sitzmehrheit ging aber an nicht gewerkschaftlich organisierte Vertreter. Betriebsratschefin Michaela Schmitz tritt mit der Liste „Giga United“ wieder an. „Lassen Sie faire Betriebsratswahlen in Grünheide zu“, appellierte IG-Metall-Bezirksleiter Jan Otto an den US-Milliardär und dessen Werksleitung. Deren Vorgehen von indirekten Drohungen bei einem Wahlsieg der IG Metall sei „so durchschaubar wie undemokratisch“.

Die IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen setzt sich für einen Tariflohn ein. „Bei dieser Betriebsratswahl steht sehr viel auf dem Spiel“, sagte Bezirksleiter Jan Otto. „Die Arbeitsbedingungen bei Tesla in Grünheide müssen endlich besser werden.“ Die Mitglieder forderten Gleichstellung mit den Kolleginnen und Kollegen in allen anderen Autowerken in Deutschland. Die Gewerkschaft sieht auch eine kritische Arbeitsbelastung.

Polizeieinsatz im Tesla-Werk

Vor wenigen Tagen eskalierte der Konflikt: Bei der jüngsten Betriebsratssitzung im Februar kam die Polizei. Tesla warf einem Gewerkschaftssekretär der IG Metall vor, er habe die Sitzung mit einem Laptop heimlich mitgeschnitten und erstattete Strafanzeige.

Die Gewerkschaft wies das zurück, sprach von Schmutzkampagne und reagierte ebenfalls mit Strafanzeige – wegen übler Nachrede. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) nahm in beiden Fällen Ermittlungen auf. Die Laptop-Daten des Gewerkschaftssekretärs wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft inzwischen gesichert und sollen nun aufbereitet werden.

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Vergleich vor dem Arbeitsgericht

Es gab aber auch ein positives Signal: Tesla und die IG Metall einigten sich vor dem Arbeitsgericht Frankfurt/Oder im juristischen Streit um die Vorwürfe nach der Betriebsratssitzung und schlossen einen Vergleich: Beide Seiten verpflichteten sich, bestimmte Äußerungen bis zum Abschluss der Betriebsratswahl am Mittwoch (4. März) nicht zu wiederholen.

Nicht nur bei Tesla wird das Ergebnis der Wahl mit Spannung verfolgt. Wie stark wird die IG Metall, wie stark die Giga-United-Gruppe? Was heißt das für die Ausbaupläne? Musk entwarf in seiner Videobotschaft das Ziel, das Werk zu erweitern, um es laut „Handelsblatt“ „zum größten Fabrikkomplex in Europa zu machen“ – die Unterstützung der Behörden und der Menschen vorausgesetzt.

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