ADAC-Zahlen Rückrufaktionen nehmen deutlich zu

Von Malika Matkarimova 2 min Lesedauer

Die Zahl der Fahrzeugrückrufe hat sich seit 2010 nahezu verdreifacht. Eine Marktuntersuchung des ADAC zeigt die Gründe für den Anstieg und formuliert Anforderungen an Hersteller und Fahrzeughalter.

Auch älteren Fahrzeugen kann Rückruf wegen eines Airbag-Austauschs drohen – wie der Baureihe B8 des Audi A4.(Bild:  Audi AG)
Auch älteren Fahrzeugen kann Rückruf wegen eines Airbag-Austauschs drohen – wie der Baureihe B8 des Audi A4.
(Bild: Audi AG)

Warum werden heute so viele Autos zurückgerufen wie nie zuvor? Der ADAC ist dieser Frage in einer aktuellen Untersuchung nachgegangen. Im Jahr 2024 registrierte die ADAC-Rückrufdatenbank auf Basis von Daten des Kraftfahrtbundesamts (KBA) 532 Rückrufaktionen. Verglichen mit 185 Aktionen im Jahr 2010 entspricht dies beinahe einer Verdreifachung. Nach einem kontinuierlichen Anstieg bis 2018 stagniert die Zahl laut ADAC seither auf hohem Niveau. Parallel dazu steigt die Anzahl betroffener Fahrzeuge: 2024 orderten die Hersteller 2,84 Millionen Autos in die Werkstätten zurück – ein Plus von 48 Prozent gegenüber 2023. Die meisten Rückrufe gingen 2024 von Mercedes-Benz aus (45 Aktionen), die höchste Fahrzeugzahl betraf einen Anlasser-Fehler bei BMW mit rund 136.000 Einheiten.

Der Automobilclub nennt mehrere Ursachen für die Entwicklung. Die Zahl zugelassener Fahrzeuge und verfügbarer Baureihen sei deutlich gestiegen. Zudem habe sich die Herstellerlandschaft gewandelt: Neben europäischen Anbietern seien vor allem asiatische Marken mit breiter Modellpalette auf den deutschen Markt gekommen. Ein wesentlicher Aspekt sei der technische Fortschritt. Mit der steigenden Anzahl an Systemen im Fahrzeug wachse das Fehlerpotenzial. Gleichzeitig hätten sich die Entwicklungszyklen verkürzt: Zwischen zwei Modellgenerationen lägen teilweise nur noch fünf Jahre, früher seien die Intervalle länger gewesen. Großangelegte Aktionen wie der Dieselskandal und fehlerhafte Takata-Airbags hätten die Statistik zusätzlich beeinflusst. Diese Größenordnungen stellten jedoch Ausnahmen dar.

Nach Einschätzung des ADAC gehen Hersteller heute transparenter mit Rückrufen um. Während früher aus Sorge vor Imageschäden nur bei gravierenden Mängeln reagiert wurde, würden mittlerweile auch kleinere Fehler über Werkstattaktionen behoben. Der Club bewertet Rückrufe primär als Qualitätssicherungsmaßnahme, die alle Verkehrsteilnehmer vor unsicheren Fahrzeugen schütze und Wertverluste verhindere. Fahrzeughalter sollten jede Aktion wahrnehmen – unabhängig vom Umfang der Arbeiten.

Gleichzeitig appelliert der ADAC an die Hersteller, Verbraucher nicht als Testpiloten für neue Systeme einzusetzen. Fahrzeuge müssten vor Markteinführung ausreichend geprüft werden. Im Zweifelsfall sollten Modelle oder Systeme zurückgehalten werden, wenn die Marktreife nicht gesichert sei. Rückrufschreiben müssten klar formuliert sein und Fehler, Bedeutung, Werkstatttermine sowie durchzuführende Maßnahmen verständlich darstellen. Bei längeren Werkstattaufenthalten fordert der ADAC eine Mobilitätsgarantie durch die Hersteller – auch wenn hierauf nur ein eingeschränkter Rechtsanspruch bestehe.

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