Verbandskrise Sachsen-Anhalt soll dem ZVK kündigen

Von Doris S. Pfaff 4 min Lesedauer

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Auch das Kfz-Gewerbe Sachsen-Anhalt möchte den ZVK verlassen. Bei ihrer Versammlung in Leipzig beauftragten die Mitglieder, dem Bundesinnungsverband noch dieses Jahr zu kündigen, sofern ihnen keine Nachteile drohen.

Der Vorstand des Kfz-Gewerbes Sachsen-Anhalt: (v. l.) Geschäftsführer Michael Koch, Präsident Thomas Peckruhn, Jens Stierwald, Ulrich Spey und Matthias Bauher; es fehlt Vizepräsident Martin Förster.(Bild:  Holger Zietz - VCG)
Der Vorstand des Kfz-Gewerbes Sachsen-Anhalt: (v. l.) Geschäftsführer Michael Koch, Präsident Thomas Peckruhn, Jens Stierwald, Ulrich Spey und Matthias Bauher; es fehlt Vizepräsident Martin Förster.
(Bild: Holger Zietz - VCG)

Dicke Luft in Bezug auf den Zentralverband des Kraftfahrzeughandwerks (ZVK) herrscht auch beim Kfz-Gewerbe Sachsen-Anhalt: Die Obermeister der Kfz-Innungen stimmten bei ihrer außerordentlichen Mitgliederversammlung in Möckern einstimmig dafür, dem ZVK den Rücken zu kehren. Das Thema Austritt war das einzige auf der Tagesordnung der Sondersitzung.

Der Vorstand des Landesverbands mit Präsident Thomas Peckruhn und seinem Vizepräsidenten Martin Förster soll einen ZVK-Austritt auf mögliche Nachteile für die Mitglieder prüfen und nach Möglichkeit noch in diesem Jahr die Kündigung einreichen. Ein Austritt kann wegen der regulären Kündigungsfrist von zwölf Monaten jedoch erst ab Januar 2027 wirksam werden.

Vizepräsident Martin Förster vom Kfz-Gewerbe Sachsen-Anhalt zeigt sich verärgert über die ZVK-Spitze.(Bild:  Kfz-Gewerbe Sachsen-Anhalt)
Vizepräsident Martin Förster vom Kfz-Gewerbe Sachsen-Anhalt zeigt sich verärgert über die ZVK-Spitze.
(Bild: Kfz-Gewerbe Sachsen-Anhalt)

„Ein Austritt des Kfz-Gewerbes Sachsen-Anhalt aus dem ZVK kommt für die Obermeister insbesondere deswegen in Betracht, da wir absolut davon überzeugt sind, dass die Interessen aller Kfz-Betriebe, egal ob Handel oder Handwerk, ausschließlich vom ZDK nachhaltig vertreten werden können“, betonte Vizepräsident Förster.

Die beschlossene Trennung der gemeinsamen Geschäftsstelle von ZDK und ZVK und die daraus resultierenden Entwicklungen stießen in den eigenen Reihen auf großes Unverständnis und Widerspruch. Förster: „Bislang wurde seitens des ZVK noch nicht einmal ansatzweise dargelegt, wie die Kfz-Betriebe durch den ZVK besser vertreten werden sollten als vom ZDK.“

5 von 14 Landesverbänden wollen austreten

Sachsen-Anhalt ist nun der fünfte Landesverband von insgesamt 14, der innerhalb kürzester Zeit seine ZVK-Kündigung in Erwägung zieht. Die Landesverbände Hessen, Baden-Württemberg, Saarland und Sachsen haben ebenfalls das Votum ihrer Delegierten erhalten, die Folgen eines Austritts aus dem Bundesinnungsverband zu prüfen.

Hinter diesen Prüfaufträgen steht die sehr große Unzufriedenheit mit der ZVK-Spitze und der seitens des ZVK beschlossenen Einrichtung einer eigenen Geschäftsstelle. Der Beschluss fußt im Wesentlichen auf der Zustimmung der Landesverbände Bayern, NRW und Rheinland-Pfalz, die zum Ende des Jahres aus dem ZDK austreten. Grund dafür war Unzufriedenheit mit der ZDK-Führung. Inzwischen haben die neun Landesverbände erklärt, den ZVK wegen seiner Beschlüsse auf seiner außerordentlichen Mitgliederversammlung verklagen zu wollen.

„Der ZDK hat in der jüngsten Vergangenheit gezeigt, dass er seine internen Probleme erkannt hat und willens ist, diese anzugehen“, betonte Präsident Thomas Peckruhn, der zugleich auch ZDK-Präsident ist. Dafür habe sich die Mehrheit der Mitglieder, darunter neun Landesverbände und 30 Fabrikatsverbände, bei der ZDK-Jahresversammlung am 23. September ausgesprochen. Die aber notwendige Dreiviertelmehrheit für die vorgelegte Satzungsänderung wurde jedoch nicht erreicht, da fünf Landesverbände die Reform blockiert hätten. Dies dürften die drei Landesverbände sein, die dieses Jahr noch austreten: Bayern, NRW und Rheinland-Pfalz, sowie Hamburg und Berlin-Brandenburg, die zumindest ihren Austrittswillen erklärt haben.

Nun soll auch der Vorstand von Sachsen-Anhalt prüfen, welche Folgen für die Betriebe ein ZVK-Austritt haben könnte. Ein wichtiges Kriterium dabei ist die Frage nach den hoheitlichen Aufgaben wie Abgasuntersuchung und Sicherheitsprüfung. „Diese Aufgaben müssen auch nach einem Austritt aus dem ZVK ohne Einschränkungen bei den Kfz-Innungen und Betrieben in Sachsen-Anhalt verbleiben“, betonen Peckruhn und Förster.

Landesverband trägt vorerst die doppelte Mitgliedsgebühr

Bis die Kündigung wirksam ist, wird der Landesverband für die Mitglieder, die ab 2026 durch die Trennung notwendig gewordenen doppelten Beitragsgebühren tragen, jedoch maximal für zwei Jahre. Eine kostenmäßige Belastung der sachsen-anhaltischen Kfz-Innungen und Betriebe wird es daher nicht geben, so Peckruhn. Sollte der ZVK-Austritt keine negativen Auswirkungen für die Mitglieder und Betriebe ergeben, dürften der Vorstand und die Geschäftsführung noch in diesem Jahr die Kündigung einreichen.

Chronologie des Konflikts

10. Oktober 2024: ZVK beschließt wegen AÜK Trennung der Geschäftsstelle

16. Oktober: ZDK-Vize Thomas Peckruhn übt scharfe Kritik am ZVK

21. Oktober: Appell des ZDK-Präsidenten und Ehrenpräsidenten zur Einheit

28. Oktober 2024: Helmut Peter fordert Rücktritt des Bundesinnungsmeisters

31. Oktober 2024: Kfz-Gewerbe NRW plant Austritt

4. November 2024: Michael Ziegler fordert Lösungen für Verbandsstreit

13. November 2024: NRW-Mitglieder erlauben unter Vorbehalt den ZDK-Austritt

15. November 2024: Interview mit Frank Mund: Darum müssen wir austreten

15. November 2024: Die AÜK ist nicht mehr in Gefahr

21. November 2024: Präsident Joswig ruft zum Dialog auf

28. November 2024: ZVK plant eigene Geschäftsstelle

29. November 2024: Landesverband Baden-Württemberg fordert Zusammenhalt

3. Dezember 2024: ZVK beruft gemeinsamen Hauptgeschäftsführer ab und kündigt gemeinsame Geschäftsstelle

1. Mai 2025 Hauptgeschäftsführer Kurt-Christian Scheel verlässt den ZDK

27. Mai 2025 ZDK-Präsident Arne Joswig tritt zurück

8. Juli 2025: Thomas Peckruhn ist neuer ZDK-Präsident

8. September 2025: Jürgen Gros als ZVK-Hauptgeschäftsführer nominiert

23. September 2025: Jürgen Hasler ist neuer ZDK-Hauptgeschäftsführer

14. Oktober 2025: Interview mit Bayerns Präsident Günter Friedl: Uns geht es um die Sache

20. Oktober 2025: Bayern verlässt den ZDK

24. Oktober 2025: Kfz-Gewerbe Hessen prüft Austritt aus dem ZVK

28. Oktober 2025: Rheinland-Pfalz beschließt ZDK-Austritt

13. November 2025: Kfz-Gewerbe Baden-Württemberg prüft ZVK-Austritt

17. November 2025: Kfz-Gewerbe Sachsen prüft ZVK-Austritt

21. November 2025: Auch Saarland will den ZVK verlassen

24. Nobvember 2025: Neun Landesverbände wollen ZVK verklagen

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