Schluss mit Probefahrten für andere
Olivier Dardart, Geschäftsführer von Peugeot Deutschland, liegt die Qualität seines Händlernetzes sehr am Herzen. Dazu gehört für ihn auch, dass es den Partnern wirtschaftlich gut geht. Projekte, die dazu beitragen, werden regelmäßig im Netz umgesetzt – z. B. Projekte für eine bessere Kundenzufriedenheit.
Anbieter zum Thema
Zurzeit bietet der französische Importeur seinen Händlern sogar ein ganz neues Geschäftsfeld an: eine Autovermietung mit dem Namen „Peugeot rent“. Sie soll zum einen garantieren, dass die Kunden im Falle eines Unfalls bzw. eines Garantie- oder Gewährleistungsschadens schnell wieder mobil sind. Diese Mobilität soll aber nicht durch eine bezahlte Probefahrt mit einer Fremdmarke erreicht werden. Zum anderen soll die Vermietung dem Händler zusätzliche Erträge bringen.
Vermieterfahrungen vorhanden
Fahrzeuge, die ein Händler für seine Vermietfirma beim Importeur kauft, fließen in die Jahreszielvereinbarung ein und werden subventioniert: durch spezielle Nachlässe, einen Flottenrabatt und Werbekostenzuschüsse. Außerdem kooperiert Peugeot mit der Firma Consult Unternehmensberatung. Das Unternehmen berät und betreut die Händler, erarbeitet mit ihnen Marketingstrategien und gibt Empfehlungen zu marktgerechten Mietwagentarifen. Zudem können die Unternehmer wochentags von 8:00 bis 17:00 Uhr eine Anwender- und eine Rechtshotline nutzen.
Zu den Pilothändlern von Peugeot rent gehört das Autohaus Schlimm in Bruchsal. Das von den Brüdern Markus und Bernd Schlimm geführte Unternehmen hat Filialen in Bruchsal, Weingarten und Knittlingen. Alle drei haben Verkauf und Service im Angebot. Mit dem Vermieten hat das Unternehmen bereits langjährige Erfahrungen. So hat man an den Standorten Weingarten und Knittlingen eigene, auf das Autohaus zugelassene Fahrzeuge vermietet. Drei bis vier Fahrzeuge mit einer sechsmonatigen Haltedauer waren immer vorhanden. Und in Bruchsal hat das Unternehmen eine externe Vermietfirma im Autohaus. Diese Firma kauft ihre Fahrzeuge bei den Schlimms und lässt sie auch dort warten. Nach Ablauf der Haltedauer kauft das Autohaus die Fahrzeuge zurück. In beiden Fällen ist gesichert, dass Peugeot-Fahrzeuge und keine Fremdmarken vermietet werden.
Schnell war klar: „Das rechnet sich.“
„Als Peugeot uns das Angebot unterbreitete, als Pilothändler zu arbeiten, haben wir das kalkuliert und sind zu dem Schluss gekommen, dass es sich für uns rechnet“, berichtet Markus Schlimm. Die Brüder gründeten die Firma MBS Automobile und haben seit Dezember 2006 den entsprechenden Lizenzvertrag. Die Schulung dauerte lediglich einen Tag. Die dazugehörige Vermietsoftware sei ausgesprochen professionell und gut zu handhaben, erklärt Bernd Schlimm. Dazu käme die Aktualität der so genannten Vermiettableaus, die marktgerechte Tarife für Unfallersatz, Werkstattersatz sowie Tages- oder Wochenendpauschalen vorschlügen.
Sechs bis acht Fahrzeuge hat MBS im Bestand. Das Gesamtvolumen und die Anzahl an Fahrzeugen pro Modell vereinbaren Peugeot und der Händler miteinander. Die Schlimms haben den Schwerpunkt auf den 207 und den 307 gelegt. Schon nach wenigen Monaten sehen die Geschäftsführer handfeste Vorteile. „Wir können uns unseren künftigen Gebrauchtwagenbestand selbst zusammenstellen und wissen sechs Monate im Voraus, was wir haben werden“, erklärt Bernd Schlimm. Außerdem erspare man sich Ärger mit sensiblen Kunden, die auf keinen Fall ein Fahrzeug einer anderen Marke fahren wollten. Die Anmietung gehe für den Kunden schneller, weil er nicht auf den Mitarbeiter einer externen Firma warten müsse. Und auch für den Verkauf sei mehr drin, als man auf den ersten Blick glaube.
Vermietung ist kein Selbstläufer
Schließlich erhält der Kunde eine Probefahrt, bei der er sich vielleicht für ein neues Fahrzeug begeistern lässt. Die Kundendienstmitarbeiter und die Verkaufsberater sind deshalb angehalten, Kunden auf die Fahrt anzusprechen.
Ein Selbstläufer sei die Vermietfirma jedoch nicht. Die Auslastung von mehr als 30 Prozent hat sich das Autohaus kontinuierlich erarbeitet. Diese wollen sie in Zukunft steigern, sind sich beide Chefs einig. Zurzeit ist die externe Mietfirma noch im Haus. Man habe über viele Jahre gut zusammengearbeitet und werde den Vermieter deshalb nicht Hals über Kopf vor die Tür setzen, erklärt Bernd Schlimm. Wegen dieses Wettbewerbers hat das Unternehmen die von Peugeot erwarteten und vorhergesagten Ergebnisse noch nicht erreicht. Statt des durchschnittlichen Mietwagenumsatzes von 850 Euro pro Fahrzeug erzielen die Bruchsaler zwischen 400 und 700 Euro. Markus Schlimm hält jedoch die 850 Euro in Zukunft für möglich. Außerdem erhofft er sich höhere Erträge im Gebrauchtwagengeschäft durch den beeinflussbaren Bestand.
Darüber hinaus denken die Schlimms durchaus schon wie Vermieter und machen sich Gedanken darüber, welche speziellen Angebote sie den Kunden unterbreiten könnten. Konkret denkt Markus Schlimm dabei an Fahrschulen: „Wir haben acht Fahrschulen als Kunden. Wenn dort ein Fahrzeug zum Service muss oder gar in einen Unfall verwickelt war, bekommt man normalerweise nicht so schnell Ersatz. Da werden wir ansetzen.“
(ID:229585)